Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue digitale Bedrohung: Textdokumente, die sich selbst verändern

06.07.2007
Sie sind für jeden PC-Benutzer ein Albtraum: Viren, die unter Umständen die gesamte Festplatte löschen können. Ist ein Benutzer davon betroffen, gilt es, den Schädling dingfest zu machen und zu entfernen. Doch dies ist gar nicht so einfach, da täglich neue Viren hinzukommen. Inzwischen machen sie auch vor Textdokumenten nicht halt.

Informatiker der Universität des Saarlandes haben jetzt herausgefunden, dass nicht nur manipulierte Programme, sondern auch harmlos erscheinende Textdokumente den Computer angreifen können. Entsprechend präparierte Textdokumente sind unter Umständen sogar in der Lage, Dateien auf der Festplatte eines Benutzers zu löschen sowie den Inhalt der Platte auszulesen. Außerdem ist es möglich, dass auf verschiedenen PCs das gleiche Dokument unterschiedlich angezeigt wird. Doch nicht ausschließlich PostScript ist davon betroffen: Prinzipiell sind solche Angriffe auch mit PDF möglich.

Die Informatiker am Saarbrücker Institut für Informationssicherheit und Kryptographie wollen den auslösenden Prozessen auf die Spur kommen. Sie haben untersucht, wie Textdokumente im Viewer, also dem Programm, mit dem die Textdateien angesehen werden, sich verändern können. Anhand so genannter Chamäleon-Dokumente zeigen sie, wie Textdokumente auf verschiedenen PCs unterschiedliche Inhalte aufweisen können. Das Beispiel eines elektronischen Kaufvertrags macht das Ausmaß der Sicherheitslücken deutlich. Unterzeichnet der Käufer einen digital übermittelten Vertrag mit einer elektronischen Signatur, so geht er davon aus, dass eine nachträgliche Änderung nicht mehr möglich sein wird, ohne dabei die Signatur zu zerstören. Wird aber ein elektronischer Kaufvertrag zuvor entsprechend präpariert, zeigt er auf allen PCs den gleichen Kaufpreis an, außer auf dem des Empfängers, der den Vertrag unterschreiben soll. Dadurch wird die elektronische Signatur umgangen.

Und noch ein weiteres Problem haben die Saarbrücker Sicherheitsexperten aufgezeigt. Es betrifft die anonyme Begutachtung von wissenschaftlichen Texten, die nicht immer so anonym ist, wie man annimmt. Wird der eingereichte Text entsprechend präpariert, so kann aus den (eigentlich anonymen) Gutachten dennoch die Identität des Gutachters bestimmt werden. Auch hier sind zuvor eingeschleuste Manipulationen Grund für die Täuschung. Ähnlich wie bei Verträgen ist es hier möglich, in ein Textdokument Schreibfehler einzuschleusen, die bei verschiedenen Empfängern – in diesem Fall den Gutachtern – unterschiedlich erscheinen. Diese unterschiedlichen Schreibfehler ermöglichen es dann dem Autor, anhand der Kommentare des Gutachters auf dessen Identität zu schließen. Dies setzt die Anonymität dieses Begutachtungsprozesses außer Kraft.

Kontakt:
Prof. Dr. Michael Backes
Lehrstuhl für Informationssicherheit und Kryptographie
Universität des Saarlandes
Im Stadtwald
66123 Saarbrücken
Telefon: 06 81/3 02-32 59
E-Mail: backes@cs.uni-sb.de

Helga Hansen | Innovationseinblicke Saarland
Weitere Informationen:
http://www.infsec.cs.uni-sb.de
http://www.innovation.saarland.de

Weitere Berichte zu: Gutachter Informationssicherheit Kaufvertrag Signatur Textdokument

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Mit revolutionärer Sensor-Plattform zu IoT-Systemen der nächsten Generation
14.12.2017 | Fraunhofer IIS, Institutsteil Entwicklung Adaptiver Systeme EAS

nachricht Analyse komplexer Biosysteme mittels High-Performance-Computing
13.12.2017 | Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten