Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Giga-schnelle Plastikleitung

05.06.2007
Forscher von Siemens Corporate Technology haben einen neuen Rekord bei der Datenübertragung in optischen Polymerfaserkabeln aufgestellt: Dank eines neuen Datenübertragungsverfahrens konnten sie ein Gigabit pro Sekunde durch die Plastikfaser jagen - zehnmal mehr als bei Produkten, die derzeit auf dem Markt sind. Damit dürfte sich die Polymerfaser endgültig im Home-Entertainment-Bereich und in der Fabrikautomatisierung durchsetzen.

Polymerfaserkabel gestatten jedem Laien, schnelle Datenverbindungen im heimischen Netzwerk aufzubauen: Kleine Wandlerboxen übersetzen das elektrische Signal aus der Kupferleitung in ein optisches Signal. Daran lassen sich die dünnen Kabel aus Kunststoff, die das optische Signal quer durch die Wohnung zum Empfänger transportieren, problemlos anschließen. Aufgrund der sehr hohen Übertragungsrate dieser Polymerfaserkabel könnten künftig so auch datenschwere Fernsehsignale innerhalb der eigenen vier Wände übermittelt werden.


Bislang aber hatten die Polymerfasern einen entscheidenden Nachteil: Ihre Übertragungskapazität war auf 100 Megabit (Mbit) pro Sekunde beschränkt. Zwar reicht das derzeit für DSL, Internet-Telefonie und Internet-Fernsehen aus, doch Experten sind sich sicher, dass mit der rasant steigenden Übertragungskapazität im Internet schon in Kürze ein Gigabit (1000 Mbit) erforderlich sein wird. Für das anwenderfreundliche und kostengünstige Polymerfaserkabel sah die Zukunft deshalb eine zeitlang düster aus. Forscher von Siemens Corporate Technology haben jetzt aber die Schallmauer durchbrochen und weltweit einen neuen Rekord aufgestellt: Dank eines neuen Verfahrens zur Datenübertragung konnten sie im Labor tatsächlich ein Gigabit pro Sekunde über eine 100 Meter lange Teststrecke jagen - ohne Fehler und Flimmern auf dem Bildschirm. Für eine Anwendung im Haushalt wäre eine solche Strecke bereits lang genug.

Der Clou bei den giga-schnellen optischen Polymerfaserkabeln: Die Bits werden nicht wie bisher als gewöhnliche Lichtimpulse verschickt. Vielmehr haben die Siemens-Forscher einen speziellen Algorithmus angewendet, der die Lichtsignale so verändert, dass mehr Informationen in die verfügbare Bandbreite der Polymerfaser passen. Die aus DSL und WLAN bekannte Mehrträgermodulation haben die Forscher dabei so angepasst, dass sie auch auf Lichtsignale anwendbar ist. "Durch die so genannte Quadratur-Amplituden-Modulation mit bis zu 256 Signalzuständen kann die so genannte Bandbreiteneffizienz gemessen in Bit pro Sekunde und Hertz deutlich erhöht werden", erklärte Sebastian Randel, Projektleiter bei Siemens Corporate Technology. Dank ihres Algorithmus konnten die Forscher schließlich exakt 1008 Megabit pro Sekunde auf die Reise durch ein Polymerfaserkabel schicken.

Damit ist die Polymerfaser nicht nur fit für die Zukunft im Eigenheim, sondern vor allem auch für die Industrie-Automation. Dort haben sich die robusten und kostengünstigen Leitungen als Standard längst etabliert. Sie verknüpfen Werkzeugmaschinen oder Roboter untereinander und mit der Steuerzentrale. Ebenso wie im Privatbereich sind dort ständig höhere Datenraten gefragt. So strebt auch die Industrie dem Gigabit entgegen. Randel sieht noch mehr Anwendungsmöglichkeiten für die schnelle Polymerfaser, etwa in der Automobilindustrie, bei der Steuerung von Windkraftanlagen oder in der Medizintechnik. Besonders dort wachsen die Datenmengen rasend schnell, da sich die Auflösung von bildgebenden Verfahren wie der Computertomografie ständig erhöht. Der Zukunft der kostengünstigen Polymerfaserkabel steht deshalb nun nichts mehr im Wege.

Guido Weber | Siemens AG
Weitere Informationen:
http://www.siemens.de

Weitere Berichte zu: Gigabit Polymerfaser Polymerfaserkabel Technology

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Schneller und sicherer Fliegen
21.06.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Das Start-up inveox will Krebsdiagnosen durch Automatisierung im Labor zuverlässiger machen
15.06.2018 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der “Stein von Rosetta” für aktive Galaxienkerne entschlüsselt

21.06.2018 | Physik Astronomie

Schneller und sicherer Fliegen

21.06.2018 | Informationstechnologie

Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

21.06.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics