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Kunsträubern mobil auf der Spur

02.03.2007
Die internationalen Datenbanken gestohlener Kunstwerke sind riesig und unübersichtlich. Kunstfahnder haben es schwer, vor Ort schnell genug an die nötigen Informationen zu gelangen. Die mobile Kunstfahndung hilft dem Ermittler bei der Identifizierung von Diebesgut.

Auf einer privaten Auktion steigt der Preis rasch in die Höhe, und schon ist das Gemälde unter dem Hammer. Der Kunstfahnder ist zwar live vor Ort, aber er ist unsicher – gehört das Bild zu den international gesuchten und gestohlenen Gegenständen, oder nicht? Sowohl Interpol als auch private Zusammenschlüsse wie das Art Loss Register führen Datenbanken über Kunstwerke, die aus Museen oder Privatsammlungen entwendet wurden. Doch bei Tausenden international gesuchter Kunstgegenstände hat es der Ermittler am Ort des Geschehens schwer, die Datenbanken schnell genug nach dem fragwürdigen Gemälde zu durchforsten.

Dank einer Entwicklung aus dem Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK kann der Fahnder jetzt mit seinem Handy ein Foto von dem Kunstwerk machen und sofort an einen Zentralserver schicken. Das von den Forschern entwickelte Bildauswertungssystem vergleicht dieses automatisch mit in der Datenbank gespeicherten Bildern. Anhand von optischen Merkmalen wie Form, Kontur, Farbe oder Textur erkennt das System ähnliche Objekte und sendet eine TOP 10 Liste der besten Treffer innerhalb weniger Sekunden zurück an das Handy. Ist das Bild unter den ermittelten Werken der Datenbank, kann der Fahnder sofort reagieren. »Das System zeichnet sich durch eine einfache Bedienung aus«, sagt Dr. Bertram Nickolay, Abteilungsleiter der Sicherheitstechnik. »Da wir hauptsächlich Standardmodule dafür verwendet haben, ist es außerdem eine kostengünstige Lösung«. Darüber hinaus ist das System unempfindlich gegenüber Störfaktoren – etwa einer schlechten Fotografie des Kunstwerks. Spiegelungen durch Blitzlicht oder zu starke Helligkeit haben auf die Bildauswertung im Zentralserver keinen Einfluss.

Die Algorithmen, die in dem Bildauswertungssystem des IPK stecken, können auch in anderen Gebieten zum Einsatz kommen. Ein weiteres Pilotprojekt haben die Forscher bereits in petto: »Unser System könnte beispielsweise bei der Entlarvung von Plagiaten genutzt werden. Anhand der Merkmale einer Verpackung kann ein Flughafenzöllner mit einem mobilen Scanner einen Markenpiraten dingfest machen«, so Nickolay. Das IPK steht bereits mit verschiedenen Polizeibehörden in Verhandlung. Die Fahndung nach Fahrzeugen oder die Untersuchung von gefälschten Einreisepapieren lässt sich durch das System vereinfachen. Es sind auch mobile Dienste für Privatsammler geplant, die beispielsweise beim Kauf einer Uhr deren Echtheit überprüfen wollen.

Dr. Bertram Nickolay | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.ipk.fhg.de

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