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Ein neues Leitbild für die IT-Branche: Nachhaltige Internationalisierung

26.02.2007
Die gegenwärtige Diskussion um Offshoring in der IT-Branche und um die damit verbundene Verlagerung von Arbeitsplätzen ist Vorbote und Signal einer neuen Phase der Internationalisierung.

Ein Expertenforum mit rund hundert Teilnehmern veranstaltete das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungs- und Entwicklungsprojekt Export IT am 26. Februar bei SAP in St. Leon-Rot unter dem Titel "IT goes future - Vom Offshoring zur Internationalisierung?"

Hier traf sich das "Who is Who" der deutschen IT-Industrie. Hochrangige Vertreter von SAP, unter anderem der Arbeitsdirektor des Unternehmens, Prof. Dr. Claus E. Heinrich, und die Betriebsratsvorsitzende Helga Classen, berichteten über Strategien und Herausforderungen der Internationalisierung. Wissenschaftler aus dem ISF München stellten Ergebnisse ihrer empirischen Untersuchungen in Deutschland und Indien vor. Die Moderation übernahmen der Berlinkorrespondent des "Economist", Ludwig Siegele, und Joachim Zepelin von der Financial Times Deutschland.

Zentrales Resultat des Forums: Die deutsche IT-Industrie muss sich der Herausforderung der Internationalisierung stellen. Diese Aufgabe verlangt strategisches Handeln: An die Stelle des bloßen Auslagerns von Arbeitsplätzen ("Offshoring") muss das Leitbild der nachhaltigen Internationalisierung treten.

Die "Nutzung der individuellen Stärken verschiedener Standorte und Belegschaften" ist es, die im Zentrum der globalen Strategie von SAP steht. Nur so ist eine echte globale Ausrichtung zur Sicherung des zukünftigen Erfolgs zu erreichen, und damit ein "nachhaltiger Wettbewerbsvorteil" (Prof. Dr. Claus E. Heinrich). Eine zentrale Rolle spielen hier die hoch qualifizierten Mitarbeiter des Unternehmens, die die wichtigste Ressource des Unternehmens sind. Die SAP befähigt ihre Mitarbeiter durch umfassende Schulungen für die Anforderungen des globalen Wettbewerbs. Auch die Beschäftigten messen der Internationalisierungsfrage zentrale Bedeutung bei, so Helga Classen. Die Arbeitnehmervertretung sieht ihre wichtigste Aufgabe darin, die mit der Internationalisierung verbundenen Veränderungen zu gestalten, denn diese können durchaus Angst und Unsicherheit auslösen. Und dies könne die unabdingbaren Voraussetzungen einer nachhaltigen globalen Entwicklung untergraben: das Commitment und die Kommunikations- und Lernbereitschaft der Mitarbeiter.

Gerade in diesem Punkt kann man von Indien lernen, wie PD Dr. Andreas Boes (ISF München), Leiter des Forschungsvorhabens "Export IT", aufzeigte: Die permanente Weiterentwicklung des Geschäftsmodells in Form systematisch rückgekoppelter Lernschleifen ist ein zentraler Erfolgsfaktor indischer Top-IT-Unternehmen. In Deutschland hingegen droht das überkommene Leitbild des Offshoring solche gemeinsamen Lernprozesse zu blockieren, denn es stellt auf Konkurrenz und Hierarchie zwischen den Standorten ab - und daher besteht die Gefahr, dass Beschäftigte ihr Wissen für sich behalten, um ihre eigene Unersetzlichkeit zu sichern. Nachhaltige Internationalisierung hingegen funktioniert nicht auf Kosten anderer, sie zielt auf Miteinander statt Konkurrenz von Beschäftigten und Standorten, auf gemeinsame Handlungsräume zur Suche nach neuen Konzepten. Boes lud die Teilnehmer des Forums ein, sich an der Entwicklung und Präzisierung dieses zukunftsträchtigen Leitbilds zu beteiligen, um damit zugleich einen Beitrag zur Gestaltung unserer globalen Dienstleistungswirtschaft zu leisten.

Das Projekt "Export IT - Erfolgsfaktoren der Internationalisierung und der Exportfähigkeit von IT-Dienstleistungen" untersucht die Internationalisierungsstrategien erfolgreicher IT-Unternehmen und überprüft sie auf Übertragbarkeit. Die erarbeiteten Erkenntnisse und best-practice-Lösungen werden für den zeit- und praxisnahen Transfer an verschiedene Zielgruppen aufbereitet: innerhalb der IT-Branche selbst, aber auch für vergleichbare Dienstleistungen. Als "Core-Partner" beteiligt sind Unternehmen vom "global player" bis zur 50-Mitarbeiter-Firma: SAP, T-Systems, die Software AG, IDS Scheer und die INOSOFT AG. Die wissenschaftlichen Arbeiten sowie die Gesamtkoordination übernimmt des ISF München - Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung; dazu gehören auch Recherchen in indischen, mittel- und osteuropäischen sowie US-amerikanischen IT-Unternehmen. In den Transfer sind Branchenverbände (VDMA, ZVEI) sowie Gewerkschaften (IG Metall, ver.di) eingebunden. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und vom Projektträger im DLR "Arbeitsgestaltung und Dienstleistung", Bereich "Innovative Dienstleistungen" betreut.

Das ISF München ist ein unabhängiges, seit 1965 bestehendes Sozialforschungsinstitut mit gut 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und spielt eine führende Rolle auf den Gebieten der Arbeits- und Industriesoziologie.

Rückfragen zu dieser Pressemitteilung können Sie jederzeit an Frank Seiß, Pressestelle des ISF München stellen. Kontaktdaten: Tel. 089/272921-78, frank.seiss@isf-muenchen.de

Frank Seiß | idw
Weitere Informationen:
http://www.export-it.de

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