Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MUSIC macht Software fit für mobile Anwendungen

13.02.2007
Integriertes EU-Projekt mit 15 Partnern aus Forschung und Industrie gestartet - Ziel: Erstellung einer Softwareplattform für mobile Anwendungen, die sich Nutzer und Umgebung anpassen

So könnte künftig der freie Tag der Berliner Journalistin Julia K. aussehen: Beim Frühstück zuhause wählt sie auf ihrem persönlichen digitalen Assistenten (PDA) die Songs aus, die sie heute hören möchte. In der S-Bahn liest sie auf ihrem PDA die Artikel der Kollegen in Online-Zeitungen, schickt eine kurze Nachricht an ihren Partner und hört dabei gleichzeitig ihre eigene Musikauswahl.

Im Stadtzentrum angekommen, nutzt sie über ihr Gerät ein Fußgängerinformationsportal und erfährt so, dass in der Nähe des S-Bahnhofs eine Boutique neu eröffnet hat. Außerdem liest sie, dass eine Freundin gerade in einem Café um die Ecke sitzt, und schickt ihr gleich eine Nachricht. Für solche ortsbezogenen Informationen hat sie zwei Online-Dienste abonniert. Nach erfolgreichem Einkauf und einem Latte Macchiato mit der Freundin fährt sie wieder zurück nach Hause, wo sich ihr PDA wieder an seine gewohnte Umgebung anpasst.

All diese Dienste werden bald auf mobilen Geräten verfügbar sein. Damit sie funktionieren, muss sich die Software, die dahinter steckt, an die Umgebungsbedingungen anpassen. An dieser Aufgabe arbeitet das europäische Integrierte Projekt "MUSIC" mit 15 Partnern aus zehn Ländern, darunter große Firmen wie Hewlett Packard (Italien) oder das französische Transportunternehmen RATP, das unter anderem die Pariser Metro betreibt. Deutsche Projektpartner sind die Universität Kassel, die Condat AG, Berlin, und die European Media Laboratory GmbH, Heidelberg. Das Projekt ist auf dreieinhalb Jahre ausgelegt und weist ein Budget von 14 Millionen Euro auf. Die Projektkoordination liegt bei der norwegischen Forschungsorganisation Sintef.

... mehr zu:
»Condat »EML »MUSIC »PDA »S-Bahn »UNIK

Ziel von MUSIC ("self-adapting applications for Mobile USers In ubiquitous Computing environments") ist es, eine offene Softwareplattform zu schaffen, damit Programmierer künftig "kontextbezogene", anpassungsfähige Software schreiben können. Unter Kontext versteht man die aktuellen Anforderungen des Benutzers, seiner Umgebung und die technischen Gegebenheiten seiner mobilen Geräte. Die Software muss ihre Ablaufumgebung durch entsprechende Hardware- und Software-Sensoren wahrnehmen und sich automatisch an die sich dynamisch ändernde Umgebung anpassen.

So wird zum Beispiel Julia K. beim Frühstück ihre Songs per Spracheingabe auswählen und mit einer schnelleren Verbindung darauf zugreifen als in der S-Bahn. Die Daten, die sie in der S-Bahn empfängt und sendet, werden verschlüsselt übertragen.

Diesen unterschiedlichen Anforderungen will MUSIC mit einem Paket von Methoden, Werkzeugen und Middleware begegnen. Sie wenden dabei eine Art "Baumarkt-Prinzip" an: Ein Baumarkt bietet den Kunden genormte Fenster und Türen von verschiedenen Herstellern, in verschiedenen Materialien, Farben und Mustern an. Der Kunde sucht je nach seinem Geschmack, Verwendungszweck und Finanzrahmen die geeigneten aus. In MUSIC stellen Programmierer einzelne Software-Komponenten in verschiedenen Ausführungen zur Verfügung. Sie beschreiben mit Hilfe der MUSIC-Methoden und -Werkzeuge die Eigenschaften der Ausführungen in den verschiedenen Kontextumgebungen. Die MUSIC-Middleware nimmt die Ablaufumgebung war, sucht für die einzelnen Komponenten die geeigneten Ausführungen aus und setzt damit automatisch eine anpassungsfähige Software zusammen.

Dies sei an einem Beispiel erläutert: Über das Fußgängerinformationsportal bucht Julia K. auch ein Hotelzimmer für die Freundin, die sie im Café getroffen hat. Es gibt aber Programme, die für mobile Geräte nicht geeignet sind, weil das Formular zu umfangreich für das Display des PDA ist oder bestimmte grafische Funktionen nicht unterstützt werden. Statt ein neues Programm nur für mobile Geräte zu schreiben, kann man mit der "Compositional Adaptation" das Programm in einzelne Bausteine aufspalten, neue Varianten dieser Bausteine entwickeln und die Varianten je nach Nutzung zusammensetzen.

Durch die starke Beteiligung der Industrie aus unterschiedlichen europäischen Ländern erwarten die Projektpartner, dass die Ergebnisse von "MUSIC" zügig in kommerzielle Produkte einfließen werden.

Das MUSIC Konsortium:

SINTEF (Norwegen, Koordination), SID2U (Irland), Hewlett Packard (Italien), Appear Networks (Schweden), Condat AG (Deutschland), Mobicomp (Portugal), Integrasys (Spanien), Telefónica I+D (Spanien), Telecom Italia (IT), RATP (Frankreich), European Media Laboratory GmbH (Deutschland), Universität Kassel (Deutschland), University of Cyprus, Katholieke Universiteit Leuven (Belgien), University of Oslo, Norwegen

Die deutschen Partner:

Condat AG

Die Condat AG ist System-Integrator für mobile IT-Lösungen und seit über 25 Jahren mit rund 100 Mitarbeitern am Standort Berlin erfolgreich am Markt. Condat unterstützt Unternehmen und Verwaltungen bei der Optimierung und Mobilisierung von Geschäftsprozessen und entwickelt spezialisierte Software-Lösungen insbesondere für die Service- und die Medienbranche (Skyware und Condat.TV). Darüber hinaus bietet Condat ein weites Spektrum zur Integration innovativer Anwendungen in bestehende IT-Systeme. (http://www.condat.de)

European Media Laboratory

Die European Media Laboratory GmbH (EML) ist ein privates IT-Forschungsinstitut, das von SAP-Mitbegründer Dr. h. c. Klaus Tschira ins Leben gerufen wurde. Gemäß dem Grundsatz "Think Beyond the Limits" forscht das EML mit großem Erfolg in den Bereichen Mensch-Technik-Interaktion und mobilen geoinformatischen Assistenzsystemen. Sitz der EML GmbH ist die Heidelberger Villa Bosch, ehemaliges Domizil des Nobelpreisträgers Carl Bosch (1874-1940).(http://www.eml-development.de)

Universität Kassel

Die Universität Kassel (UNIK) wurde 1971 gegründet. An ihr sind zurzeit etwa 17000 Studierende eingeschrieben, denen in 13 Fachbereichen, darunter die Kunsthochschule Kassel, ein breites Spektrum an Studien- und Weiterbildungsmöglichkeiten geboten wird. Es reicht von den Technik- und Naturwissenschaften über die Geistes-, Human- und Sozialwissenschaften bis hin zur Musik und zur bildenden Kunst. Das wissenschaftliche Profil richtet sich an den Begriffen "Natur", "Technik", "Kunst" und "Gesellschaft" aus. Die Universität Kassel ist international orientiert und regional zuhause. Sie arbeitet eng mit Partnern aus Gesell¬schaft und Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft in Nordhessen zusammen. Internationale Studierende und Gastwissenschaftler aus über 110 Nationen studieren und arbeiten an der UNIK. Im Projekt MUSIC wird die UNIK durch das von Prof. Dr. Kurt Geihs geleitete Fachgebiet Verteilte Systeme vertreten.

Dr. Peter Saueressig | idw
Weitere Informationen:
http://www.vs.uni-kassel.de

Weitere Berichte zu: Condat EML MUSIC PDA S-Bahn UNIK

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Layouterfassung im Flug: Drohne unterstützt bei der Fabrikplanung
19.05.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht Intelligente Industrialisierung von Rechenzentren
15.05.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie