Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaft im Praxistest - elektronische Dokumente kommen vor Gericht

30.11.2006
Forschungsprojekt TransiDoc entwickelt Verfahren zur sicheren Umwandlung von signierten Dokumenten - Modellprozesse sollen Rechtssicherheit der Methode vor Gericht beweisen

Im Gesundheitswesen, bei Gericht, in Unternehmen oder Behörden - überall ermöglicht die elektronische Signatur effiziente Arbeitsabläufe und reduziert Verwaltungskosten, doch Software-Updates und die steigende Zahl unterschiedlicher Datenformate bedrohen die Beweiskraft elektronisch signierter Dokumente.

Wird etwa eine signierte Word-Datei in ein PDF umgewandelt, bricht die elektronische Signatur - vor Gericht könnte das Dokument dann nicht mehr verwendet werden. Dasselbe gilt für handschriftliche Dokumente, die in Dateien umgewandelt werden. Um diesen Gefahren zu begegnen, haben Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts SIT zusammen mit anderen Wissenschaftlern im Forschungsprojekt TransiDoc ein Verfahren zur rechtssicheren Transformation von Dokumenten entwickelt. Die Praxistauglichkeit der Methoden und Werkzeuge überprüfen Richter, Anwälte und Sachverständige jetzt in mehreren Modellprozessen. Höhepunkt dieser einmonatigen Simulationsstudie sind die mündlichen Verhandlungen, die am 5. Dezember 2006 in Kassel stattfinden.

Im Rahmen einer Informationsveranstaltung können Gäste einer Verhandlung beiwohnen und sich über Konzepte und entwickelte Prototypen informieren. Veranstaltungsort ist das Haus der Kirche in der Wilhelmshöher Allee 330, Beginn der Informationsveranstaltung ist 11:00 Uhr, die Verhandlungen können ab 14 Uhr besucht werden.

Grundlage der TransiDoc-Lösung ist das "Transformationssiegel", das bei Änderungen zum Beispiel des Datenformats die Beweiskraft eines Dokuments sichert. Das Transformationssiegel lehnt sich an die gesetzlichen Regelungen für elektronische Beglaubigungen an und ersetzt die elektronische Signatur des Ausgangsdokuments. Es dokumentiert ausführlich den Transformationsvorgang und sichert die inhaltliche Entsprechung von Ausgangs- und Zieldokument durch eine elektronische Signatur. So bleibt die Beweiskraft transformierter Dokumente erhalten.

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) geförderte Projekt TransiDoc untersucht seit zwei Jahren Lösungen für Transformationsprobleme, zum Beispiel im Gesundheitswesen bei der Digitalisierung von Patientenakten, der elektronischen Antragsbearbeitung in der öffentlichen Verwaltung und im Arbeitsumfeld von Notaren. Entsprechend gehören Fachleute der einzelnen Bereiche zu den Projektpartnern: Beteiligt sind das Zentrum für Informations- und Medizintechnik des Uni-Klinikums Heidelberg (ZIM), die InterComponentWare AG (ICW), die Curiavant Internet GmbH, die Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung an der Universität Kassel (provet) sowie die Bundesnotarkammer als assoziierte Partnerin.

Konsortialführer ist das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT in Darmstadt. In einem interdisziplinären Ansatz haben die Projektpartner gemeinsam nicht nur technische, sondern auch organisatorische Lösungsvorschläge erarbeitet. In einem zweiten Schritt sind sodann Werkzeuge zur Erzeugung, Bearbeitung und Prüfung von Lösungen entstanden. Leitgedanke ist dabei die Entwicklung eines "Transformationssiegels" für elektronische Daten. Anhand dieses Siegels sollen spätere Gutachter wie bei einer Beglaubigung genau nachvollziehen können, was wann wie mit dem Dokument geschah. Ob dies in der Praxis auch funktioniert, soll jetzt die Simulationsstudie zeigen.

Ein Gerichtsszenario, das verhandelt wird: Herr Rasant hatte sich bei einem Motorradunfall einen komplizierten Beinbruch zugezogen, nun, Jahre später, leidet er an schwerer Arthrose. Herr Rasant ist fest davon überzeugt, dass sein Leiden auf einen Behandlungsfehler seitens der Klinik zurückzuführen ist. Einige Jahre nach Einführung der elektronischen Verwaltung in der behandelnden Klinik klagt Herr Rasant deshalb auf Schadenersatz. Streitentscheidend im Prozess ist das Ergebnis der auf die Operation folgenden Nachuntersuchung, über deren Inhalt sich die Parteien nicht einig sind. Kläger und Beklagte stützen ihre jeweiligen Behauptungen auf verschiedene Versionen des damals erstellten, elektronisch signierten Untersuchungsberichts. Beide Versionen sind das Ergebnis einer Transformation des Ausgangsdokuments. Das Gericht muss nun entscheiden, welchem Dokument es glaubt.

Oliver Küch | idw
Weitere Informationen:
http://www.transidoc.de
http://www.sit.fraunhofer.de/

Weitere Berichte zu: Beweiskraft Signatur TransiDoc Verhandlung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits
15.12.2017 | Forschungszentrum Jülich GmbH

nachricht Neues Epidemie-Management-System bekämpft Affenpocken-Ausbruch in Nigeria
15.12.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik