Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Sicherheit beim Betrieb von Informationstechnologie - Fachleute warnen vor Bedrohungen

18.10.2006
Ohne Informationstechnologie (IT) geht heute fast gar nichts mehr. Ob in der Wirtschaft, im Finanzsektor, im Gesundheitswesen, in der öffentlichen Verwaltung, beim Militär oder im Bildungswesen - fast in allen Gesellschaftsbereichen ist IT unentbehrlich und hat längst den Status einer kritischen Infrastruktur erreicht.

Eine Störung oder die Nichtverfügbarkeit von Daten kann ganze Bereiche lahm legen - mit kaum zu beziffernden Folgen. Und das Bedrohungspotential ist gewachsen. Die beim Cybercrime eingesetzten Techniken werden - wie Dr. Stefan Grosse vom Bundesinnenministerium am 18. Oktober zum Auftakt einer internationalen Konferenz zu Sicherheitsaspekten beim Betrieb von Informationstechnologie an der Universität Stuttgart erläuterte - immer raffinierter.

Er warnte davor, Sicherheitsaspekte, die zwar heute meist bei der Entwicklung von Soft- und Hardware eine Rolle spielen, beim Betrieb von IT-Infrastrukturen auf die leichte Schulter zu nehmen. Das Thema finde immer noch zu wenig Beachtung, betonte auch James R. Lyle vom National Institute of Standards and Technology in den USA.

Stuttgarter Fachleute in Europa führend

Rund 150 Fachleute aus Wissenschaft, Industrie, der öffentlichen Verwaltung und Ermittlungsbehörden waren zu einer zweitägigen Konferenz "IT-Incident Management and IT-Forensics /IMF" (Vorfallsmanagement und Forensik im Bereich der IT-Sicherheit) an die Universität Stuttgart gekommen. Dass diese Konferenz an die Universität Stuttgart geholt werden konnte, ist auf die Arbeit der Stabsstelle DV-Sicherheit der Universität Stuttgart (RUS-CERT) zurückzuführen, die für die Rechner- und Netzsicherheit an der Universität Stuttgart sorgt. Das RUS-CERT ist in den Bereichen der IT-Sicherheit, insbesondere der Vorfallsbearbeitung und der Frühwarnung, führend in der deutschen und europäischen Hochschullandschaft. Veranstalter der zweiten internationalen Konferenz dieser Art ist die Fachgruppe SIDAR (Security - Intrusion Detection And Response) der Gesellschaft für Informatik (GI e.V.) in Zusammenarbeit mit der GI.

IT-Forensics ausbauen

Insbesondere die Fähigkeit, auf Sicherheitsvorfälle angemessen zu reagieren und Notfallmaßnahmen zur Sicherstellung des Weiterbetriebs der angegriffenen Infrastruktur zu ergreifen, ist in den seltensten Fällen bei den betreibenden Organisationen vorhanden. Dies gilt umsomehr für die Kompetenz, die aufgezeichneten Spuren forensisch auszuwerten, um technische Erkenntnisse zur Verbesserung der Sicherheit zu gewinnen und gegebenenfalls eine juristische Verfolgung des Vorfalls einzuleiten (IT-Forensics). Die rasant wachsende Anzahl von Sicherheitsvorfällen macht jedoch den Erwerb genau dieser Fähigkeiten immer wichtiger.

Parallelentwicklung zusammenführen

Eines der wesentlichen Ziele der Konferenz ist neben der Vorstellung neuester Forschungsergebnisse und Technologien die Zusammenführung der Welten der IT-Forensik und der Incident Response. Zwar spielt die technische IT-Forensik auch in der meist durch Sicherheitsteams (CERTs oder CSIRTs) praktizierten Vorfallsbearbeitung eine Rolle, hat sich jedoch insbesondere bei Ermittlungsbehörden und in der Forschung als weitgehend eigener Zweig entwickelt. Umgekehrt hat die Incident Response bei auf Forensik spezialisierten Organisationen und Personen meist gar keine Bedeutung, so dass sich bislang wenig Berührungspunkte ergaben und sich zwei Welten teilweise sogar mit eigener Terminologie entwickelten.

Frühwarnsysteme verhindern Angriffe

Weitere Vorträge der Konferenz behandeln theoretische Bewertungen und praktische Erfahrungen bei der Etablierung und dem Betrieb von Sicherheitsteams. Neue und verbesserte Technologien für das praktische Vorfallsmanagement sowie proaktiver Dienste für CERTs werden ebenso vorgestellt wie fortgeschrittene Verfahren in der IT-Forensik. Auch die neuesten Entwicklungen zu Theorie und Praxis von Frühwarnsystemen wurden vorgestellt. So beobachten beispielsweise Mitar-beiter der Stabsstelle DV-Sicherheit der Universität Stuttgart im Rahmen der internen Frühwarnung Quantität und Qualität des Netzverkehrs und analysieren diese auf mögliche Angriffe. "So können kompromittierende Systeme innerhalb der Uni-Netze rasch erkannt und an weiteren Angriffen - auch gegen externe Systeme - gehindert werden", erläuterte Oliver Goebel, IT-Sicherheitsbeauftragter der Uni Stuttgart. Die Konferenzteilnehmer empfahlen, dass Sicherheitsstandards für IT-Infrastrukturen und der IT-Forensik verstärkt auch in die entsprechenden Studiengänge an Hochschulen Eingang finden sollen. Dies ist bisher vor allem im Bereich der IT-Forensik nur in Ansätzen der Fall.

Weitere Informationen bei Oliver Goebel, Stabsstelle DV-Sicherheit der Universität Stuttgart unter Tel. 0711/685- 83678, e-mail: Goebel@CERT.Uni-Stuttgart.DE

Ursula Zitzler | idw
Weitere Informationen:
http://CERT.Uni-Stuttgart.DE/
http://www.gi-ev.de/fachbereiche/sicherheit/fg/sidar/imf/imf2006/program.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Plattformübergreifende Symbiose von intelligenten Objekten im »Internet of Things« (IoT)
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB

nachricht Von Fußgängern und Fahrzeugen: Uni Ulm und DLR sammeln gemeinsam Daten für das automatisierte Fahren
09.12.2016 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie