Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

TALK: Wenn das Auto mit sich reden lässt

16.10.2006
Europäisches Forschungsprojekt entwirft Sprachsteuerung der Zukunft - Prof. Manfred Pinkal aus Saarbrücken präsentiert Fahrzeug-Dialogsystem bei den Voice Days 2006

Wer heute ein Videogerät, Handy oder einen Fotoapparat kauft, muss sich erst umständlich durch Menüs und Bedienungsanleitungen kämpfen. Besser wäre es, wenn man dem neuen Gerät einfach sagen könnte, was man von ihm will, und zwar so, wie man mit einem anderen Menschen reden würde. Flexibler, natürlicher Sprachdialog mit technischen Geräten, der wie eine Unterhaltung in der Alltagssprache funktioniert, ist das Ziel des europäischen Forschungsprojekts TALK, das von Manfred Pinkal, Professor für Computerlinguistik an der Universität des Saarlandes, koordiniert wird.

Auf den Voice Days in Bonn wird Prof. Pinkal am 19. Oktober die neue Technologie vorstellen, die in TALK entwickelt und gemeinsam mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und den Firmen BMW und Bosch in ein Demonstratorsystem für die Sprachsteuerung im Fahrzeug umgesetzt wurde. In der Ausstellung des Voice Day Future Park wird vorgeführt, wie ein Autofahrer im lockeren Gespräch mit seinem mp3-Player alle gewünschten Musiktitel erhält, ohne auch nur eine Taste zu drücken.

Herkömmliche Sprachdialogsysteme funktionieren über spezielle Kommandos, die der Benutzer lernen muss. Das Gerät bestimmt die Sprache, in der man mit ihm reden kann, und der unerfahrene Benutzer gibt oft nach wenigen Versuchen frustriert auf, weil das System anders als erwartet oder gar nicht reagiert. Für die Wissenschaftler des TALK-Projekts war von Beginn an klar, dass die Kommunikation zwischen Mensch und komplexem Gerät nur erfolgreich sein wird, wenn der Mensch in seiner Alltagssprache den Ton angeben kann. Hierfür entwickeln sie multimodale Verfahren zur Dialogmodellierung, in denen die menschliche Sprache mit grafischen Oberflächen und der konventionellen Tastenbedienung kombiniert werden. Die Systeme sind inhaltsorientiert und flexibel. Der Benutzer sagt das, was er will, und zwar so, wie er es will: als knappe Anweisung oder in ganzen Sätzen, und zwar mit selbst gewählten Worten. Und die Systeme sind anpassungsfähig, sie stellen sich also nicht nur auf das Wissen und Können des Benutzers ein, sondern auch auf die Situation. Das ist im Fahrzeug besonders wichtig, da der Fahrer nicht von seiner eigentlichen Aufgabe, der Fahrzeugführung, abgelenkt werden darf.

... mehr zu:
»TALK-Projekt »Talk »Voice

Kern der zukunftsweisenden Sprachdialogsysteme ist das Konzept des "Information State Update" (ISU), das in einer Serie von EU-Projekten seit Ende der neunziger Jahre entwickelt wurde. Während Dialogsysteme der ersten Generation die Dialogabläufe mit Diagrammen modellieren, ist die Grundidee beim ISU-Ansatz die folgende: Alle Informationen über den Ablauf des Mensch-Maschine-Dialogs werden im "Informationszustand" des Systems gespeichert. Bei jeder Anfrage berechnet es die jeweils angemessene Reaktion und ergänzt den Informationszustand mit zusätzlichen Informationen über den Benutzer, die dann bei den folgenden Gesprächen verwendet werden. Die ISU-Technik unterstützt die Feinabstimmung des Dialogs auf die Situation und sie erlaubt die effiziente Modellierung von häufig wiederkehrenden Dialogmustern: Der Kern des Dialogsystems kann für verschiedene natürliche Sprachen und grafische Oberflächen eingesetzt und auf ganz unterschiedliche Gebiete angewendet werden. Sich wiederholende Anforderungen wie ähnliche Dialoge oder tabellarische Übersichten müssen nicht jedes Mal neu programmiert werden, sondern können - einmal abgespeichert - für alle möglichen Situationen abgerufen werden. Dies spart Zeit und Kosten in der Entwicklung.

TALK steht für "Tools for Ambient Linguistic Knowledge" und hat zum Ziel, technische Geräte so mit Sprache zu steuern, dass sie sich flexibel auf die Wünsche des Benutzers einstellen. Am europäischen TALK-Projekt sind die Universität des Saarlandes und die Universitäten in Edinburgh, Göteborg, Cambridge und Sevilla sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) beteiligt. Als industrielle Partner wirken die BMW Forschung und Technik GmbH und die Robert Bosch GmbH mit, die als Fahrzeughersteller und -zulieferer die Forschungsergebnisse aus Anwendersicht evaluieren und ins Automobil integrieren. Das TALK-Projekt wurde im Jahr 2004 in Saarbrücken gestartet und wird über drei Jahre mit 4,6 Millionen Euro von der Europäischen Union gefördert, weitere 1,5 Mio. Euro steuert die Industrie bei. Koordinator des Gesamtprojekts ist Manfred Pinkal, Professor für Computerlinguistik an der Universität des Saarlandes und Leibniz-Preisträger des Jahres 2000.

Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Manfred Pinkal
Tel. 0681/302-4343
E-Mail: pinkal@coli.uni-saarland.de
Kompetenzzentrum Informatik
Friederike Meyer zu Tittingdorf
Tel. 0681/302-58099
E-Mail: meyer@cs.uni-sb.de

Saar - Uni - Presseteam | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Berichte zu: TALK-Projekt Talk Voice

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Neuer 3D Portrayal Service Standard veröffentlicht
20.02.2018 | Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD

nachricht KIT baut European Open Science Cloud mit auf
19.02.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics