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Wenn atomare Treffer Handys lähmen

17.07.2006
Normalerweise führen Atome in fester Materie eine sesshafte Existenz; sie verharren bei Zimmertemperatur ungestört mit immergleichen Nachbarn. Das ändert sich erst bei Attacken von außen: atomare Teilchen, die aus Beschleunigern oder von der allgegenwärtigen Höhenstrahlung kommen, können die Atome kräftig aus ihrer Stellung kegeln. Das kann belanglos bleiben, aber auch nützlich sein und manchmal sogar einen beträchtlichen Schaden verursachen.

Was bei solchen atomaren Kollisionen im Einzelnen passiert, wollen rund 220 Physiker aus aller Welt bei ihrer internationalen Konferenz "Atomic Collisions in Solids" (ICACS) vom 21. bis 26. Juli 2006 in Berlin besprechen.

Einen Nutzen haben die künstlich erzeugten atomaren Teilchen zum Beispiel in der Materialentwicklung, der Biophysik und der Medizin. Die Einsatzgebiete reichen von der Nanostrukturierung neuer Materialien bis zur Therapie bösartiger Tumore.

Schäden entstehen dagegen vor allem, wenn der Beschuss der Teilchen aus natürlichen Quellen stammt, sei es die Höhenstrahlung aus dem All oder die radioaktive Strahlung aus Gestein und Umgebung. Dann kann es auch passieren, dass solche Kollisionen zum Beispiel die immer feineren Strukturen miniaturisierter elektronischer Bauelemente so stark schädigen, dass Handys versagen. Den Grundlagen zu diesem wichtigen Thema "Hard errors - soft errors" gelten daher mehrere Vorträge der Konferenz.

Weitere Themen sind zum Beispiel die "Subplantation" - eine Oberflächenstrukturierung mit Ionenstrahlen hoher Intensität, aber niedriger Energie - die Analyse von Nanostrukturen, der Einsatz von Teilchenstrahlung aus Antimaterie oder die genannte Therapie von Tumoren mit Teilchenstrahlung.

Die Konferenz findet alle zwei Jahre statt und ist die größte internationale Tagung zu den Grundlagen der Ion-Festkörper-Wechselwirkungen. Vorläufer waren Tagungen in Genua, Puri (Indien), Paris, Odense (Dänemark) und Peking.

Die Haupt-Veranstalter der Berliner ICACS sind Prof. Gregor Schiwietz, Dr. Siegfried Klaumünzer und Prof. Heinz-Eberhard Mahnke aus dem Hahn-Meitner-Institut Berlin. Die Konferenz unterstützen neben dem Hahn-Meitner-Institut die Technische Universität Berlin und die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Das Hahn-Meitner-Institut wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 15 Forschungszentren und 24 000 Mitarbeitern die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Thomas Robertson | idw
Weitere Informationen:
http://www.hmi.de/events/ICACS2006/

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