Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mitteilsame Roboter und beim Joggen dazulernen

07.07.2006
Webbasierter Dienst generiert gesprochenen Text aus Wikipedia-Artikeln

Im Auto oder beim Joggen Hörspiele hören - eine verbreitete Gewohnheit. Wer wissensdurstiger ist, kann sich unterwegs jetzt auch Wikipedia-Artikel vorlesen lassen: Das Pediaphon, das der Ingenieur Andreas Bischoff vom Lehrgebiet Prozesssteuerung und Regelungstechnik an der FernUniversität in Hagen entwickelt hat, verwandelt Texte aus der freien Online-Enzyklopädie in gesprochene MP3-Dateien und Podcasts. Diese lassen sich dann problemlos beispielsweise auf einen iPod laden - der Zeitvertreib beim Joggen ist gesichert, und die Nutzerinnen und Nutzer lernen auch noch dazu.

Zum Hintergrund: Einem kleinen mobilen Forschungsroboter, mit dessen Hilfe Studierende regelungstechnische Prozesse verstehen sollen, hatten Ingenieure des Lehrgebiets das Sprechen beigebracht. So kann der Roboter über seine Befindlichkeiten während der Experimente Auskunft geben; er sagt dann zum Beispiel: "Ich habe die Netzwerkverbindung verloren" oder "Ich suche die Batterieladestation". Das funktioniert mit Hilfe der Sprachausgabe-Software MBROLA und txt2pho, Open-Source-Software, die aus deutschsprachigen Textdateien Sprache generiert. Hilfreich ist es, weil man während der Experimente im Labor den Systemzustand des Roboters nicht ständig über Bildschirm beobachten muss.

Quasi im Nebenprodukt hat Bischoff diese Software um ein WWW-Modul erweitert, das es dem Roboter auch ermöglicht, ganze Webseiten vorzulesen. Dazu muss dieser natürlich mit dem Internet verbunden sein.

Aus diesem Verfahren wiederum ist dann die eigenständige Webanwendung Pediaphon hervorgegangen. Das Pediaphon kann - auch ganz ohne Roboter - Wikipedia-Artikel vorlesen, indem es MP3-Dateien und Podcasts aus den Texten generiert. Dabei bezieht es nur die Artikel und beispielsweise keine Navigations-Links ein, so dass aus dem Lautsprecher des PCs tatsächlich sinnvoller gesprochener Text kommt - wenn auch charmant holprig. Nun lesen auch herkömmliche Screen-Reader Bildschirmtext vor. Ein Vorteil des Pediaphons liegt aber darin, dass nichts installiert werden muss. Mit dem Button "Erzeuge MP3 aus Wikipedia-Artikel" legt das Pediaphon direkt los.

Mit dem Button "Höre Wikipedia-Artikel" beginnt dann die Sprachausgabe der erzeugten MP3-Datei sofort per Stream. Unverzerrt zuhören ist dabei selbst mit einer langsamen Modem-Verbindung möglich. Ein Abspielprogramm (Windows Media Player, iTunes, Winamp etc.) oder Java muss auf dem Computer natürlich installiert sein. Eine frisch generierte - relativ große - MP3-Datei herunter zu laden kann dagegen je nach Netzverbindung etwas länger dauern. Das ist jedoch nur notwenig, wenn die Datei für eine spätere Wiedergabe auf einem MP3-Player aufbewahrt werden soll.

Damit können Nutzerinnen und Nutzer die gesprochenen Artikel speichern, auf einen MP3-Player übertragen und dann später erst anhören. "Lange Autofahrten würde ich anders gar nicht mehr überstehen. Es ist doch super, dabei noch etwas zu lernen", sagt Bischoff selbst über seine Entwicklung.

Der Inhalt der vorgelesenen Texte steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Das Pediaphon ist ein Beitrag zum Wikiprojekt Gesprochene Wikipedia; technisch realisiert wurde der kostenfreie Dienst mit Hilfe von Open-Source-Software. Betrieben wird er am Lehrgebiet Prozesssteuerung und Regelungstechnik der FernUniversität in Hagen.

Weitere Informationen:

FernUniversität in Hagen

Stabsstelle Kommunikation
Anemone Schlich - Pressereferentin
Telefon 02331/987-2421
E-Mail anemone.schlich@fernuni-hagen.de
Lehrgebiet Prozesssteuerung und Regelungstechnik
Dr.-Ing. Andreas Bischoff
Telefon 02331/987-1105
E-Mail andreas.bischoff@fernuni-hagen.de

Susanne Bossemeyer | idw
Weitere Informationen:
http://prt-i61.fernuni-hagen.de/~bischoff/radiopedia/index.html

Weitere Berichte zu: Joggen Lehrgebiet MP3-Datei Pediaphon Prozesssteuerung Roboter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Volle Konzentration am Steuer
25.11.2016 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Warum Reibung von der Zahl der Schichten abhängt
24.11.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie