Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bonner Forscher entwickeln mit dem Wupperverband GIS-Plattform weiter

04.07.2006
Digitale Landkarten, dreidimensionale Geländedarstellungen und bunte Stadtpläne im Internet - die 'Geographischen Informationssysteme', kurz: GIS, bilden längst einen festen Bestandteil in unserem Alltag. Wissenschaftler der Universität Bonn haben jetzt in einem Kooperationsprojekt mit dem Wupperverband eine Internet-Anwendung entwickelt, die mehr kann als andere: Statt Daten im Internet zu sammeln und dem Nutzer nur bereit zu stellen, bereitet es die gesammelten Informationen so auf, dass der Nutzer eine passgenaue Auskunft auf seine Frage erhält. Mit der Weiterentwicklung der Programme wächst ein Arbeitsmarkt, der vor allem für Studierende der Geowissenschaften interessant ist; schon heute kommen auf einen Absolventen mit GIS-Erfahrungen mehrere Stellenangebote.

"Unser neuer Webservice erhält eine Anfrage des Nutzers und grast andere Informationssysteme nach den gewünschten Daten ab", erklärt Professor Dr. Klaus Greve vom Geographischen Institut der Universität Bonn. Bisherige Kartographie-Systeme im Internet waren beschränkt auf die Bereitstellung und Visualisierung gespeicherter Informationen - der Anwender musste in verschiedenen Datenbanken nach den gewünschten Infos suchen und sich die erforderlichen Auskünfte aus verschiedenen Bestandteilen anschließend selbst zusammensetzen.

Im Zuge seines integralen Flussgebietsmanagements im Einzugsgebiet der Wupper setzt der Wupperverband bereits seit Jahren auf den Einsatz von GIS-Technologien. "Für uns sind Geoinformationssysteme aber nicht nur ein hervorragendes Werkzeug", erklärt der Vorstand des Wupperverbands Bernd Wille. "GIS ist vor allem ein strategisches Element im Zusammenhang mit Effizienz und dem interoperablen, transaktionalen Zugriff auf verteilte Datenquellen. Zudem ist GIS ein wesentliches Element des Wissens- und Informationsmanagements, mit dem komplexe Sachverhalte transparent dargestellt werden können."

Praktisch bedeuten die Ergebnisse der Kooperation für den Projektpartner Wupperverband eine enorme Geld- und Zeitersparnis, z.B. bei der Suche nach von Maßnahmen betroffenen Anwohnern: Anhand einer Skizze des Projektes wendet sich der Webservice über das Internet an das Liegenschaftsinformationssystem und andere Geodienste und ermittelt, welche Grundstücke von den Maßnahmen betroffen sind. "Die passenden Flurstückskennzeichen bekommt der Nutzer dann fertig aufgelistet aus dem Drucker oder digital zur Weiterverwendung in anderen Anwendungen", erläutert Greve.

Der Wissenschaftler hat das Kooperationsprojekt gemeinsam mit dem GIS-Team des Wupperverbandes ins Leben gerufen, nachdem der Verband an ihn heran getreten war. "Der Verband ist sehr innovativ und suchte schon mehrfach den Kontakt zur Wissenschaft", freut sich Greve über das perfekte Zusammenspiel von Forschung und Praxis.

Web Processing Service lautet der Name des neuen Systems, an dessen Entwicklung und Standardisierung der Wupperverband bereits seit Jahren aktiv mitwirkt. Es gehört zu einer inzwischen recht umfangreichen Familie von Diensten, die über das Internet raumbezogene Informationen austauschen und als Karten visualisieren. Das Besondere daran: Sie sind alle genormt und können daher reibungsfrei zusammenwirken. Auf diese Weise entsteht eine Kette von Diensten, die sehr komplexe Aufgaben bearbeiten und flexibel um weitere Bestandteile ergänzt werden kann.

Aufgrund der zunehmenden Bedeutung komplexer GIS-Anwendungen entwickelt sich auch der Arbeitsmarkt sehr positiv. "Die Einsatzmöglichkeiten für Geowissenschaftler mit Erfahrungen in GIS sind enorm!", betont der Wissenschaftler.

Ungeahnte Möglichkeiten

Zurzeit arbeitet bereits der Prototyp im Web, der allen interessierten Nutzern als "open source" Software bereitgestellt wird. In einigen Monaten soll dann der international standardisierte Geodienst online gehen. Neben den für den Anwendungsfall aus der Planungspraxis des Wupperverbandes entwickelten Möglichkeiten kann das Programm aber noch mehr: "Ingenieurbüros können die Grundwasserempfindlichkeit gegenüber Belastungen heraus finden oder Bodenschichten analysieren lassen, wenn sie zum Beispiel eine Deponie errichten wollen", erläutert der Geograph. Aber auch Supermärkte können ihre Einzugsgebiete prüfen lassen und den Bau einer neuen Filiale nach der Kaufkraft eines Gebietes planen. Greve hat noch mehr Ideen: "Ich könnte zum Beispiel meinen Wanderurlaub ganz einfach nach meinen Vorstellungen gestalten, indem ich das System nach bestimmten Kriterien suchen lasse."

Kontakt:
Professor Dr. Klaus Greve
Geographisches Institut der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-5596
E-Mail: klaus.greve@uni-bonn.de
Wupperverband
Karl-Heinz Spies
Leiter des Stabsbereiches GIS und DV Koordinator
Telefon: 0202/583260
E-Mail: sps@wupperverband.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: GIS Geodienst Geographisch Wupperverband

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Das Start-up inveox will Krebsdiagnosen durch Automatisierung im Labor zuverlässiger machen
15.06.2018 | Technische Universität München

nachricht Fußball durch die Augen des Computers
14.06.2018 | Universität Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Abwehrmechanismus gegen Sauerstoffradikale entdeckt

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umwandlung von nicht-neuronalen Zellen in Nervenzellen

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Im Fußballfieber: Rittal Cup verspricht Spannung und Spaß

18.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics