Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bilder von der Erde trotz Wolken oder Dunkelheit

05.05.2006


Wenn im Herbst 2006 der deutsche Fernerkundungssatellit "TerraSAR-X" seine Umlaufbahn erreicht hat, wird sich auch ein Experiment an Bord befinden, an dem Wissenschaftler der Universität Siegen und des Forschungsinstituts für Hochfrequenzphysik und Radartechnik (FHR) in Werthhoven bei Bonn bereits mit Hochdruck arbeiten.



Während der Satellit auf seiner Umlaufbahn ausgesuchte Landschaften in Deutschland und Europa beleuchtet, wird der Satellit mit dem an Bord eines Flugzeuges befindlichen Radarsystems PAMIR unterflogen, die von der Erde rückgestreuten Signale werden aufgezeichnet und daraus sollen dann mit Hilfe aufwändiger Verfahren Radarbilder berechnet werden, die fotografischen Aufnahmen nicht nur ebenbürtig, sondern qualitativ sogar überlegen sind.



Die bildhafte Fernerkundung von Planeten mit Mikrowellen aus dem Weltraum oder aus der Luft funktioniert tageslicht- und wetterunabhängig, denn Mikrowellen durchdringen auch dichte Wolken. Es ist zudem möglich, große Flächen in sehr kurzer Zeit zu erfassen, alles Vorteile gegenüber optisch/fotografischen Aufnahmetechniken.

Während rein satelliten- oder flugzeuggetragene Satellite-Aperture-Radar (SAR)-Systeme heute schon fast Stand der Technik sind, beschreitet das Kooperationsprojekt wissenschaftliches Neuland. Der modernste Fernerkundungssatellit, das deutsche TerraSAR-X-System, wird quasi als "Radarbeleuchter" verwendet, eines der leistungsfähigsten flugzeuggetragenen SAR-Systeme der Welt, das PAMIR-Systems des Forschungsinstituts für Hochfrequenzphysik und Radartechnik wird als Empfänger der von der Erde rückgestreuten Signale dienen.

Wenn das Experiment gelingt und die beteiligten Wissenschaftler vom Zentrum für Sensorsysteme (ZESS) der Universität Siegen und des FHR zeigen können, dass man die so gewonnenen Rohdaten tatsächlich zu hochwertigen Bildern verarbeiten kann, dann wird dies ein wissenschaftlicher Durchbruch sein: Man könnte in nicht allzu ferner Zukunft anstelle spezieller SAR-Satelliten beispielsweise die ohnehin im Orbit befindlichen Kommunikationssatelliten, wie das bekannte ASTRA-System, als Beleuchter verwenden, eine enorme Kostenreduktion würde möglich.

Das Konzept der Forscher aus Siegen und Werthhoven hat nicht nur das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) überzeugt, das diesen Vorschlag als eigenständiges Experiment in den "science plan" aufgenommen hat und den Satelliten TerraSAR-X für die Zeit der Datenaufnahmen kostenlos zur Verfügung stellt, sondern auch die Gutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Als Ergebnis erhalten die beteiligten Wissenschaftler über einen Zeitraum von 2 mal 2 Jahren eine Förderung von 2 Millionen € für sechs Teilprojekte, die eng miteinander gekoppelt sind und gemeinsam, aber in Federführung jeweils eines Institutes bearbeitet werden. Der Vorsitzende des ZESS, Prof. Dr. Otmar Loffeld und der Institutsleiter des FHR, Prof. Dr. Joachim Ender übernehmen die Rollen von Sprecher und stellv. Sprecher des Gesamtvorhabens.

Im Zentrum des Forschungsprojekts steht die Bildgewinnung (Fokussierung) aus bistatischen Rohdaten (BiFOCUS), die von beiden Partnern mit unterschiedlichen Konzepten angegangen wird. Das Teilprojekt ModSAR-Sim liefert unter Einbeziehung realer Trägerplattformdynamik simulierte und annotierte bi- und monostatische Rohdaten und Referenzdaten zum Test der Algorithmen unter genau definierten und reproduzierbaren Randbedingungen. Ferner liefert der Simulator verschiedene Sensormess- und Referenzdaten zum Test der in den Teilprojekten AtPos und BiSARSynch entwickelten Verfahren zur Positions- und Lagebestimmung der bistatischen Sensoren. Das Teilprojekt TerraPAMIR deckt die Planung, Durchführung und damit den Einsatz der gesamten bistatischen Verarbeitungskette in der sehr anspruchsvollen bistatischen TerraSAR-X Unterfliegung ab. Im Teilprojekt SARVis werden Algorithmen und Verarbeitungstechniken zur interaktiven Visualisierung und Analyse massiver SAR-Daten entwickelt, die zur Verifikation, Visualisierung und Validierung in allen Teilschritten der gesamten bistatischen Verarbeitungsketten eingesetzt werden können.

Ullrich-Eberhardt Georgi | idw
Weitere Informationen:
http://www.zess.uni-siegen.de
http://www.uni-siegen.de

Weitere Berichte zu: FHR Luft- und Raumfahrt Rohdaten Satellit Wolke

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Klick-Tagebuch: App-Projekt der HdM erlaubt neuen Ansatz in Entwicklungsforschung
11.01.2017 | Hochschule der Medien Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie