Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fragen Sie Ihr Autoradio!

03.03.2006


Gemeinsame Pressemeldung von Siemens und Fraunhofer FIRST


In Zukunft werden Autofahrer Informationen aus dem Internet bequem in "normaler Sprache" abfragen können. Möglich macht das eine neue Technik, die aus Internet-Informationen automatisch Sprachanwendungen generiert und per Radiosignal ins Auto überträgt.
Manchmal ist der Wurm drin. Da fährt man an mehreren Tankstellen mit günstigem Benzin vorbei und hält schließlich - kurz bevor der Tank leer ist - an einer Zapfsäule, wo der Liter ganze fünf Cent teurer ist. Pech gehabt, sagt man sich heutzutage und greift zum Benzinschlauch. Doch damit könnte in Zukunft Schluss sein. Der Autofahrer von morgen wird sein Autoradio befragen, wo es das günstigste Benzin auf der Reiseroute gibt. Diese Vorstellung erscheint visionär, könnte aber eines Tages Realität sein. SmartWeb-KFZ heißt das neue mobile Informationssystem, das sich mit dem Menschen im freien Dialog unterhalten kann.

Während der Fahrt trägt das System aus dem Internet alle Informationen zusammen, die für einen Autofahrer relevant sein könnten. Will er nun wissen, welche Tankstelle in Dortmund die günstigsten Benzinpreise anbietet oder wie viele Tore Schalke 04 geschossen hat, so kann er dies mit SmartWeb-KFZ via Spracheingabe von dem Informationssystem erfahren. Was simpel klingt, bedarf einer ganzen Zahl ausgefeilter Technologien, die zu einem funktionstüchtigen Ganzen verknüpft werden müssen. Experten aus dem Siemens-Bereich Corporate Technology (CT) in München und Ingenieure vom Fraunhofer-Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik (FIRST) in Berlin arbeiten an dem neuen System. Auf der Computermesse CeBIT in Hannover wird vom 9. bis 15. März in Halle 9 auf dem Mensch-Technik-Interaktionsstand A44 des BMBF erstmals der KFZ Prototyp des Projekts SmartWeb der Öffentlichkeit präsentiert. In dem vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) gerförderten Projekt SmartWeb arbeiten 15 Partner aus Industrie und Forschung unter der Leitung des Deutschen Forschungszentrums für künstliche Intelligenz (DFKI) an der Nutzung des Semantic Webs.

Das KFZ-System gliedert sich in drei wesentliche Bereiche: Zum einen ist dies die Analyse von Daten aus dem Internet und deren automatische Verarbeitung zu Sprachdialogsystemen. Dahinter verbirgt sich eine Software, die sowohl in der Lage ist, einzelne Informationen zu Sätzen zu verknüpfen, als auch gesprochene Sätze in semantische Einheiten zu zerlegen und so zu verstehen. Auf diese Weise sind natürliche Dialoge zwischen Mensch und Maschine möglich. Es entfällt die Notwendigkeit, sich bei Spracheingaben an ein vorgegebenes Menü zu halten. Der zweite Bereich deckt die Übermittlung dieser Informationen per Radiosignal mittels des digitalen Übertragungsstandards "Digital Multimedia Broadcasting" (DMB) in das Auto ab. Und der dritte Schritt im gesamten Prozess ist die Interaktion zwischen dem Fahrer und dem Gerät im Auto.

Die Münchener Forscher verwenden für die Erzeugung der Sprachdialogsysteme so genannte "Crawler". Derartige Programme fahnden im Internet gezielt nach bestimmten Informationen auf Websites. Entscheidend für SmartWeb-KFZ sind Informationen in Tabellenform - das können Bundesliga-Listen oder Tabellen mit den preisgünstigsten Tankstellen sein. Hat das System eine relevante Tabelle gefunden, dann erzeugt es daraus automatisch eine Sprachdialoganwendung. Hierfür greift das Programm auf ein phonetisches Lexikon zurück sowie auf ein Sprachmodell, das automatisch aus den Inhalten erzeugt wird, die es zuvor aus dem Internet zusammengetragen hat.

Die Übertragung der Sprachdialoganwendung erfolgt nicht mit klassischen analogen Radiosignalen, sondern mit dem neuen digitalen DMB-Standard, an dessen Erprobung und Erweiterung das Fraunhofer FIRST maßgeblich beteiligt ist

Eine klassische Suchmaschine, wie man sie ähnlich vom heimischen Rechner kennt, ist SmartWeb-KFZ nicht. Der Nutzer richtet sich nicht mit beliebigen Fragen an den Bordcomputer in seinem Auto. "Zukünftig können Radiostationen mit SmartWeb-KFZ-Technik neben den üblichen Verkehrsnachrichten Sprachdialoganwendungen übertragen - beispielsweise zu Verkehrskontrollen oder Benzinpreisen in der Region", betonte Dr. Hans Ulrich Block, bei CT Kompetenzfeldleiter "Natural Language Understanding". Wie das funktioniert, zeigt der SmartWeb-KFZ-Demonstrator auf der CeBIT. Sobald das Auto den SmartWeb-Empfangsbereich eines Radiosenders erreicht, erscheint auf der grafischen Oberfläche des Metadialogmanagers ein Internetsymbol. Will der Fahrer die Information abrufen, berührt er den Bildschirm oder spricht das Wort "Internet-Information" aus. Auf dem Bildschirm erscheint ein Informationsmenü mit all jenen Menüpunkten, die die Radiostation über digitale Rundfunktechnik anbietet. Wählt der Fahrer einen Unterpunkt, kann er per Spracheingabe die gespeicherte Information aus dem Bordgerät abrufen - "Welcher Fußballspieler hat in der laufenden Saison die meisten Tore geschossen?" oder "Wo befindet sich in Dortmund die billigste Tankstelle?". Die Dialogmaschine von Siemens antwortet mit vollständigen Sätzen. Bei SmartWeb-KFZ greift das einzelne Bordgerät also nicht bei jeder Nachfrage direkt auf das Internet zu. Es lädt vielmehr die im zentralen Server des Radiosenders gespeicherte Internet-Information einmal herunter und aktualisiert diese hin und wieder. Der Sprachdialog findet somit zwischen Fahrer und Bordgerät statt. Der Vorteil: Der Autofahrer erhält aktuelle, im Internet recherchierte Information, ohne kostenpflichtige Mobilfunk-Verbindungen nutzen zu müssen.

Was das System darüber hinaus auszeichnet, ist die Möglichkeit, auch Videodaten auf den Bildschirm zu holen. Künftig sollen Mitfahrer beispielsweise im Menüpunkt "Fernsehprogramm" stöbern und aktuell ausgestrahlte Sendungen sehen können. Während der CeBIT werden Besucher am Demonstrator zwischen zwei Programmen wählen können. Friedrich Schön, Abteilungsleiter Eingebettete Systeme beim Fraunhofer FIRST, erklärt: "Wir können durch den neuen DMB-Standard verschiedene Informationen, wie Verkehrsmeldungen, elektronische zeitungen und Videos übertragen. Mit der SmartWeb-Technologie gelingt es nun, die Daten intelligent zu verknüpfen. Der Fahrer kann die Information dann per Nachfrage einfach aus seinem Bordgerät abfragen." Block geht davon aus, dass die SmartWeb-Technologie im Auto in ungefähr zehn Jahren marktreif sein wird. Dem Fahrer wird das ein entspanntes Reisen bescheren - präzise Information zur Gegend, die er gerade durchfährt oder Neues aus der Welt des Sports im lockeren Gespräch mit dem Bordgerät.

Guido Weber | Siemens AG
Weitere Informationen:
http://www.siemens.com

Weitere Berichte zu: Autoradio Bordgerät CeBIT FIRST Radiosignal SmartWeb-KFZ Sprachdialoganwendung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Drohnen sehen auch im Dunkeln
20.09.2017 | Universität Zürich

nachricht Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix
18.09.2017 | FOKUS - Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik