Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine DVD in fünf Sekunden

16.02.2006


Erfolgreiche Gigabyte-Verbindung im Rahmen des Global Grid



Das wissenschaftliche Grid Computing hat einen weiteren Meilenstein erreicht: Heute wird bei der internationalen Konferenz "Computing for High Energy and Nuclear Physics 2006" (CHEP’06) in Mumbai, Indien, die erfolgreiche Durchführung eines Datentransfertests bekannt gegeben. Während dieses Tests wurde ein stabiler Datentransfer vom europäischen Forschungszentrum CERN in Genf an 12 weltweit verteilte große Forschungszentren, darunter das Forschungszentrum Karlsruhe, mit einer Leistung von bis zu 1 Gigabyte pro Sekunde erzielt. Die Transferraten sind vergleichbar mit der Übertragung des Inhalts einer vollständig beschriebenen DVD im 5 Sekunden Takt. Dies ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu dem für 2007 geplanten Beginn der Experimente an dem weltweit größten Teilchenbeschleuniger, dem Large Hadron Collider am CERN, an dem auch viele deutsche Forschergruppen beteiligt sind.

... mehr zu:
»CERN »Computing »DVD »Grid »LHC »Schicht


Am europäischen Forschungszentrum CERN in Genf wird zur Zeit der größte Beschleuniger der modernen Teilchenphysik, der Large Hadron Collider (LHC), aufgebaut. Im kommenden Jahr werden mehrere Tausend Wissenschaftler aus aller Welt dort mit vier riesigen Detektorsystemen den Experimentierbetrieb aufnehmen. Die erwartete Datenflut ist nur zu bewältigen, wenn die Daten und die zugehörige Rechenleistung über die ganze Welt verteilt und die einzelnen Standorte über eine besonders leistungsfähige Internetstruktur miteinander verknüpft werden. Dieses globale Netz wird parallel zum LHC von einer internationalen Kollaboration als "Worldwide LHC Computing Grid" (WLCG) aufgebaut.

Beim Aufbau des WLCG wurde nun ein besonderer Meilenstein erreicht: Über einen Zeitraum von 24 Stunden wurden über das Netz Datenraten von bis zu einem Gigabyte pro Sekunde übertragen. Damit lässt sich eine voll beschriebene DVD in unter 5 Sekunden übertragen.

Die Daten wurden vom CERN bei Genf in der Schweiz zu zwölf großen weltweit verteilten Rechenzentren übertragen, unter anderem zum Grid Computing Centre Karlsruhe (GridKa) beim Forschungszentrum Karlsruhe, dem deutschen Knoten im Grid.

Die nun erreichten Ergebnisse stellen gegenüber dem letzten Test Anfang 2005 mit Datenraten von 600 Megabyte pro Sekunde zwischen sieben Zentren in Europa und den USA einen wichtigen Fortschritt dar.

Jos Engelen, der für die Forschung zuständige stellvertretende Direktor des CERN, kommentiert die Wichtigkeit der Ergebnisse: "Die Komponenten eines vollständigen Grid-Dienstes wurden vorher mit einer begrenzten Anzahl von Ressourcen getestet, was man ein bisschen mit getrennten Tests von Motoren und Flügeln eines Flugzeuges vergleichen kann. Der letzte Datenübertragungstest kann mit dem Jungfernflug für das LHC Computing verglichen werden. Erstmalig waren auch einige Zentren aus dem asiatischen Raum beteiligt, wodurch der Test wirklich die ganze Welt umspannte. Eine weitere Premiere war, dass echte physikalische Daten genau so versendet, gespeichert und bearbeitet wurden, wie dies nach dem Beginn der LHC-Messungen erwartet wird."

Die Daten-Infrastruktur ist in mehreren Schichten angelegt: Das CERN, definiert als Schicht 0, wo die Experimente durchgeführt werden, wird die Daten weltweit auf zwölf Rechenzentren der so genannten Schicht 1 verteilen, von dort laufen sie auf einige Dutzend Zentren der Schicht 2, bis sie schließlich mit Schicht 3 in wissenschaftliche Institute und mit Schicht 4 auf mehrere tausend Arbeitsplätze der beteiligten Wissenschaftler verteilt sind. Die deutsche Schaltstelle für das schnellste Rechnernetz der Welt - ein Knoten der Schicht 1 - ist das Forschungszentrum Karlsruhe.

"Das Forschungszentrum Karlsruhe gehört damit zu den weltweit führenden Zentren auf dem Gebiet des Grid Computing", freut sich Klaus-Peter Mickel, Leiter des Instituts für Wissenschaftliches Rechnen im Forschungszentrum Karlsruhe. "Für die an den Experimenten bei CERN beteiligten Forschungsinstitute in Deutschland bedeutet das, dass sie einen optimalen Zugriff auf Daten und Rechenleistung zur Auswertung bekommen."

Das Forschungszentrum Karlsruhe ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,1 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

Dr. Joachim Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.fzk.de

Weitere Berichte zu: CERN Computing DVD Grid LHC Schicht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Cybersicherheit für die Bahn von morgen
24.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Schutz vor Angriffen dank flexibler Programmierung
22.03.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE