Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Materialität und Taktilität" - Vom Tastsinn im Informationszeitalter

07.02.2006


Philosophie und Wahrnehmungspsychologie haben seit jeher Auge und Ohr privilegiert; als Hauptsinn galt das Sehen. Dinge erschließen sich jedoch nicht nur über das Visuelle, sondern vor allem durch den Tastsinn. Wir spüren Stoffe und Eigenschaften wie Dichte, Härte oder Glätte mit Haut und Hand. Dadurch "begreifen" wir buchstäblich unsere Umwelt und werden zugleich von ihr berührt.

Im Zeitalter der Informationstechnologie, der Digitalisierung und Virtualisierung scheint sich jedoch der Charakter des Taktilen nachhaltig verändert zu haben. Zu erleben ist einerseits eine neue Aufwertung des Bildes. Doch an der Schnittstelle von Mensch und Technik wird künftig auch das Haptische stärkere Beachtung finden müssen.


Dieses Problemfeld und seine Konsequenzen stehen im Mittelpunkt der interdisziplinären Tagung "Materialität und Taktilität im Informationszeitalter", die das Internationale Zentrum für Kultur- und Technikforschung (IZKT) der Universität Stuttgart vom 16. bis 18. Februar 2006 durchführt. Medienvertreter sind hierzu herzlich eingeladen.

Die Veranstaltungen starten mit einer Podiumsdiskussion am Donnerstag, 16. Februar um 20.00 Uhr im Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstraße 4. Unter dem Motto "Fingerübungen" gehen die Hamburger Literaturwissenschaftlerin Claudia Benthien, der Züricher Kulturtheoretiker Jörg Huber, Werner Sobek, Leiter des Instituts für Leichtbau, Entwerfen und Konstruieren der Universität Stuttgart, sowie der Karlsruher Medienwissenschaftler Peter Weibel dem Verhältnis von Dingen, Material und Tastsinn auf die Spur. Ein weiterer Höhepunkt ist der öffentliche Vortrag am Freitag, 17. Februar um 20.00 Uhr in der Stadtbücherei Stuttgart, Konrad-Adenauer-Straße 2. Hartmut Böhme, Professor für Kulturtheorie und Mentalitätsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, spricht über das Thema "Die Dinge und der Tastsinn".


Das eigentliche Symposium findet am 17. Februar von 9.30 Uhr bis 17.30 Uhr und am 18. Februar von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr im Alten Schloss statt. Erwartet werden 20 Referenten aus Deutschland, dem benachbarten Ausland sowie Kanada.

Die Wissenschaftler diskutieren die Konsequenzen, die aus den Begrenzungen des Visuellen zu ziehen sind. So ist erstens die taktil-haptische Wahrnehmung aus ihrem Schattendasein zu führen und gegenüber dem Vorrang der visuell-akustischen Welt aufzuwerten. Zweitens kann der taktile Sinn als unser "Existenzsinn" beschrieben werden. Das Sehen hält sich gegenüber seinem Gegenstand auf Distanz und das Hören trifft distinkte Unterscheidungen; dagegen erzeugt die Berührung auf ganz eigene Weise das Gefühl der Gewissheit, dass etwas existiert.

Besonderes Augenmerk wird auf die neuen Informationstechnologien gerichtet. Durch diese kommt den Oberflächen, Interfaces und Schaltern eine eigene und zentrale Bedeutung zu. Technische Medien funktionieren jedoch häufig über einfache taktile Strukturen wie Knopfdruck, Ein- und Ausschalten oder Mausklick. Der Trend geht deshalb zu einer stärkeren Beachtung des Haptischen an der Mensch-Technik-Schnittstelle durch haptische Displays, die komplexe Kommunikationen organisieren oder in Form von "Force Feedbacks", bei denen Widerstand als materiale Qualität empfunden wird.

Hier öffnet sich ein weites Feld für neue Fragen und Forschungen. Sie betreffen beispielsweise die Strukturen von Interaktionen, bei denen mehr als nur ein oder zwei Sinne angesprochen sind und zusammenspielen müssen, aber auch die Materialien, die neue, bislang noch unbekannte Eigenschaften aufweisen müssen.

Weitere Informationen und Programm bei Dr. Elke Uhl, Internationales Zentrum für Kultur- und Technikforschung der Universität Stuttgart, Tel. 0711/ 121 2379, e-mail elke.uhl@izkt.uni-stuttgart.de

Ursula Zitzler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-stuttgart.de/izkt
http://www.uni-stuttgart.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Sicheres Bezahlen ohne Datenspur
17.10.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Saarbrücker Forscher erstellen digitale Objekte aus unvollständigen 3-D-Daten
12.10.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise