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"Mobile PayPal" kommt auf den deutschen Markt

30.01.2006


Key Pousttchi, Leiter der Augsburger Arbeitsgruppe Mobile Commerce und Veranstalter der 6. Konferenz Mobile Commerce Technologien und Anwendungen (MCTA) über Misserfolge und Hoffnungsschimmer in der deutschen Mobile Payment-Geschichte


Seit mehr als fünf Jahren warten die Verbraucher nun in Deutschland auf das Bezahlen mit dem Handy. Am Anfang stand die Paybox, dann kamen verschiedene Versuche von Banken und Mobilfunkanbietern, jetzt sind es wieder die spezialisierten Payment-Anbieter: Crandy und der mobile Zugriff auf das Bezahlverfahren PayPal sind derzeit die spannendsten Entwicklungen auf dem Markt. Wie sieht es ansonsten in Europa aus und was bringt die Zukunft für den deutschen Markt? Die Analyse dieser Fragen ist ein wichtiges Thema auf der 6. Konferenz Mobile Commerce der Universität Augsburg
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DEUTSCHE BANKEN UND MOBILFUNKANBIETER OHNE INNOVATIONSKRAFT FÜR M-PAYMENT


Zum M-Payment macht Dr. Key Pousttchi immer gern eine Anleihe bei alter Fernsehwerbung: "Die Geschichte des M-Payment in Deutschland ist eine Geschichte voller Missverständnisse", sagt der Leiter der Arbeitsgruppe Mobile Commerce am WI II-Lehrstuhl der Universität Augsburg. "Ich weiß feine Ironie durchaus zu schätzen, aber bei diesem Thema vergeht manchmal sogar mir der Humor. Denn ich kann nicht begreifen, weshalb auf dem deutschen Markt nicht möglich sein soll, was es z. B. auf dem spanischen Markt längst gibt", ist einer von Pousttchis harmloseren Kommentaren zur Entwicklung in Deutschland.

M-PAYMENT IN DEUTSCHLAND: STATIONEN EINER GESCHICHTE DES MISSERFOLGS

Pousttchi lässt diese Misserfolgsgeschichte Revue passieren: "So richtig angefangen hat es 1999 mit der Paybox, einem sprachbasierten Bezahlverfahren eines kleinen Startup-Unternehmens, mit dem man vor allem im Internet und bei E-Bay, aber auch im Taxi und bei einer Reihe anderer Akzeptanzstellen bezahlen konnte. Obschon das Geschäftsmodell schwierig war, gelang es dem Unternehmen in kurzer Zeit, hohe Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und eine Vielzahl von Nutzern zu erreichen - eine wichtige Voraussetzung. Doch im Zuge einer Portfoliobereinigung des wichtigsten Anteilseigners, einer großen Bank, fiel das Engagement bei Paybox hinten runter und wenige Monate später, Anfang 2003, musste der Dienst in Deutschland eingestellt werden. Eine Reihe weiterer M-Payment-Anbieter kamen zu dieser Zeit in lockerer Folge auf den Markt und verschwanden dann wieder. Allesamt waren vor allem auf das Bezahlen im Internet und in der ’realen Welt’ spezialisiert.

Auf diese erste Runde folgte dann ein stärkeres Engagement von Mobilfunkanbietern, die vor allem an Bezahlverfahren für mobile Dienste interessiert waren. Pousttchi: "Mit Vodafone m-pay und der Mobile Wallet von T-Mobile waren zunächst einzelne Initiativen zu sehen, mit Simpay schließlich eine konzertierte Aktion der großen Mobilfunkanbieter für ein gemeinsames Bezahlsystem auf europäischer Ebene. Die Mobile Wallet wurde von T-Mobile mangels Kundeninteresse eingestellt, Simpay zerplatzte mit lautem Knall im Juni 2005."

Pousttchi selbst leitete ab Herbst 2004 das "National Roundtable M-Payment", das vom Bundeswirtschaftsministerium im Zuge der MobilMedia-Initiative ins Leben gerufen worden war und bei dem die deutschen Mobilfunkanbieter und Banken erstmals an einem Tisch saßen. "Diese Initiative wurde nicht nur in Deutschland und Europa, sondern sogar bis nach Kanada und Taiwan sehr aufmerksam wahrgenommen", berichtet Pousttchi. "Beide Länder haben nach der Anwendbarkeit der Augsburger Modelle auf ihre Märkte gefragt und arbeiten inzwischen mit ähnlichen Initiativen, im Falle Taiwans noch ergänzt um große Einzelhandelsunternehmen. Nur die Beteiligten in Deutschland selbst haben die Chance verspielt, auf der M-Payment-Landkarte an die Spitze zu rücken."

DAS AUGSBURGER MOBILE-PAYMENT-REFERENZMODELL (MPRM)

Dabei hatten die Vorzeichen gut ausgesehen: Das an der Universität Augsburg entwickelte Mobile-Payment-Referenzmodell (MPRM) sah eine gleichgewichtige Beteiligung von Banken und Mobilfunkanbietern an einer Kooperationslösung vor, und zwar im großen Stil, aber mit wenig Aufwand. Durch die Verwendung und die Integration vorhandener Bezahlverfahren wie beispielsweise der EC-Karte hätte dies realisiert werden sollen. Beiträge wie der von E-Plus über die "Die Geldkarte auf dem Handy" auf der MCTA 2005 in Augsburg zeugten von einer Annäherung der Partner, die zuvor auf dem Markt noch nicht gesehen worden war. "Als es dann aber konkret wurde im Roundtable, setzten sich auf beiden Seiten nicht die innovativen Leute, sondern die Bedenkenträger durch. Im Ergebnis bleibt man zwar im Gespräch miteinander, aber vor allem auf bilateraler Ebene. Die große und kundenfreundliche Lösung, die mit dem MPRM angestrebt wurde, wird zumindest der deutsche Markt in dieser Form nicht sehen", resümiert Pousttchi diese jüngste Entwicklungsphase. "Gleichwohl arbeiten wir an einer Weiterentwicklung, die an dem einen oder anderen Hindernis vorbei realisiert werden könnte." Demnächst steht in diesem Zusammenhang die dritte große Studie mit der Online-Umfrage "Bezahlen mit dem Handy (MP3)" an. Interessierte finden den Link in den nächsten Wochen auf den Webseiten der Augsburger Arbeitsgruppe Mobile Commerce (http://www.wi-mobile.de).

HOHES KUNDENINTERESSE IN DEN BEREICHEN TICKETING UND AUTOMATENBEZAHLUNG

"Dass die große Lösung in dieser Form nicht kommt, ist schade", meint Pousttchi, denn die Nachfrage bei den Kunden sei nach wie vor groß. So habe eine Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums festgestellt, dass knapp die Hälfte (49,6 Prozent) der Bundesbürger das Handy gern für Zahlungsvorgänge nutzen würde. Bisherige Studien der Arbeitsgruppe Mobile Commerce belegen die stärkste Kundennachfrage für Ticketing-Lösungen im öffentlichen Nahverkehr und bei der Bahn, für M-Parking und für Zahlungsvorgänge an Automaten.

BEISPIEL ZIGARETTENAUTOMAT

Insbesondere Zigarettenautomaten sind hier ein interessantes Feld - für Kunden wie auch für Händler, denn ab Jahresende dürfen Zigaretten auch am Automaten nur noch gegen Altersnachweis verkauft werden. "Die einzige Alternative, die Zahlung per GeldKarte, ist ein Problem," sagt Pousttchi, "denn viele Banken und Sparkassen - enttäuscht vom bisherigen Misserfolg in zehn Jahren GeldKarte - haben das Merkmal zur Altersverifikation überhaupt nicht auf ihren Karten implementiert." Andererseits würden eingebaute Mobilfunkmodule dem Automatenbetreiber auch in anderen Bereichen nützen: "Durch die Einführung Mobil-integrierter Geschäftsprozesse könnten die Betreiber bis zu 20 Prozent Kostenersparnis realisieren", betont Pousttchi, dessen Arbeitsgruppe bereits vor drei Jahren entsprechende Studien durchgeführt hatte: "Sinnlose Fahrten zu funktionstüchtigen Automaten würden entfallen, es gäbe keine Automaten, die tagelang ausverkauft herumstehen und schließlich würde auch das teure Bargeld-Handling entfallen."

DURCHBRUCH DURCH SPEZIALISIERTE M-PAYMENT-ANBIETER?

Ob solche Vorteile zusammen mit dem nachgewiesenen hohen Kundeninteresse Deutschland einem weit verbreiteten M-Payment tatsächlich näher bringen werden? Pousttchi ist sich da nicht sicher, er sieht aber durchaus Chancen: "Zwar haben es Geschäftsbanken und Mobilfunkanbieter zusammen nicht geschafft, aber in einem anderen Bereich zeigen sich derzeit spannende Entwicklungen - bei den so genannten ’spezialisierten Intermediären’ nämlich, denjenigen Firmen also, die auf M-Payment spezialisiert sind."

HOFFNUNGSSCHIMMER I: CRANDY

Pousttchi verweist hier zum einen auf das Bezahlverfahren Crandy, das seit zwei Jahren auf dem Markt ist und bisher nur eine Nischenanwendung darstellt: "Dessen Gründer, Rolf Krause, beschreitet derzeit interessante Wege. So ist ihm auf dem französischen Markt eine Kooperation mit einer Bankengruppe gelungen, die uns durchaus zukunftsweisend scheint. Unsere Studien zeigen nämlich, dass die Kunden bei mobilen Bezahlverfahren eine Bank beteiligt sehen wollen. Wenn es einem spezialisierten Intermediär auf dem deutschen Markt also gelänge, das Label einer Bank auf seine Lösung zu bekommen, wäre das ein riesiger Schritt nach vorn."

HOFFNUNGSSCHIMMER II: PAYPAL

Der mobile Zugriff auf PayPal ist für Pousttchi ein weiterer Hoffnungsschimmer: "PayPal ist ein Internet-Bezahlverfahren, das ähnlich wie Paybox sehr wichtig für E-Bay-Transaktionen war. Als die Zukunft von PayPal fraglich wurde, wurde das Unternehmen 2002 kurzerhand von E-Bay gekauft. Zwar gab es schon damals eine Möglichkeit, auf das PayPal-Konto per WAP-Seite zuzugreifen, aber die war eher theoretischer Natur. Neuerdings jedoch bietet die britische Firma Bango, ein bekannter Abwickler von Bezahltransaktionen für mobile Inhalte, über seine Systeme die Bezahlung mobiler Inhalte über PayPal an. De facto wird PayPal dadurch zum mobilen Bezahlverfahren."

MOBILE PAYMENT AUF DER 6. KONFERENZ MOBILE COMMERCE

Bango-CEO Ray Anderson blickt daher optimistisch in die Zukunft. Auf der Konferenz MCTA 06, die am 6. und 7. Februar an der Universität Augsburg stattfindet, wird er erstmals in Deutschland Rede und Antwort zu "Mobile PayPal" stehen. Die neuesten Entwicklungen bei Crandy auf dem französischen wie auf dem deutschen Markt wird Crandy-Gründer Rolf Krause darlegen. Die Zukunft der Premium-SMS als Bezahlverfahren beleuchtet Andrew Bud, Executive Chairman von mBlox. Über den deutschen M-Payment-Markt im europäischen Vergleich werden Karim Taga, Associate Director bei Arthur D. Little Austria, der ein Update zu seinem Global M-Payment Report vorstellt, und Ivan Clemente Simòn, Operations Director von Mobipay, dem M-Payment-Zusammenschluss der spanischen Banken und Mobilfunkanbieter, diskutieren. "Mit diesem international hochkarätig besetzten M-Payment-Panel", so Pousttchi, "zeigt sich die Konferenz MCTA auch in diesem Jahr wieder als die führende Konferenz zum M-Payment im deutschsprachigen Raum."

WEITERE THEMEN DER MCTA 06

Weitere Themen der Konferenz, die von der Universität Augsburg in Zusammenarbeit mit der IHK Schwaben, der MobilMedia-Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums und der Gesellschaft für Informatik (GI) veranstaltet wird, sind "Zukunft des Mobilfunkmarktes - Discount versus Content", "MVNO", "Mobile Business Processes", "Mobile Marketing" und "Mobile Ticketing". Darüber hinaus werden innovative Forschungsprojekte zu Anwendungen, Plattformen und Systemen vorgestellt und diskutiert. Paneldiskussionen zu den Schwerpunktthemen runden das Vortragsprogramm (siehe http://www.mcta.de) ab.

PRESSEKONTAKT:
Dr. Key Pousttchi
Arbeitsgruppe Mobile Commerce
Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering (WI-SE)
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 49 (177) 6319508
key.pousttchi@wi-mobile.de

ZUR MCTA 06 ALLGEMEIN:
Max Schießler
Arbeitsgruppe Mobile Commerce
Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering (WI-SE)
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 49 (821) 598-4431
Fax +49 (821) 598-4432
max.schiessler@wi-mobile.de

Klaus P. Prem | idw
Weitere Informationen:
http://www.mcta.de
http://www.wi-mobile.de

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