Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RUB-Arbeitsgruppe findet Sicherheitslücke im iTAN-Verfahren

11.11.2005


o Phishing bleibt gefährlich


o Schutz nur in Verbindung mit SSL
o RUB-Arbeitsgruppe findet Sicherheitslücke im iTAN-Verfahren

... mehr zu:
»Angreifer »RUB »Sicherheitslücke »TAN »Webseite


Phishing bleibt gefährlich. Immer mehr Online-Banking-Kunden fallen auf gefälschte Mails herein, die ihre Daten ausspionieren (Phishing). Sicherheit versprechen sich die Banken vom iTAN-Verfahren - dabei benutzt der Kunde nicht eine beliebige TAN (Transaktions-Nummer) aus seiner Liste, sondern eine bestimmte TAN wird von der Bank anhand ihrer Indexnummer vorgegeben. Nun konnte nachgewiesen werden, dass auch dieses Verfahren durch Phishing überwunden werden kann: Mitgliedern der Arbeitsgruppe Identitätsschutz im Internet (AI3) der RUB ist es gelungen, mit Hilfe eines "Man-in-the-Middle"-Angriffs über eine gefälschte Webseite den symbolischen Betrag von 1,- Euro auf ein beliebiges anderes Konto transferieren. Schutz besteht nur bei einer überprüften SSL-Verbindung. Über den Angriff und die analysierten Sicherheitslücken berichtet das HANDELSBLATT in seiner heutigen Ausgabe.

iTAN soll sicher sein

"Phishing" ist der Begriff für E-Mails, mit denen Betrüger versuchen, PIN und TAN auszuspionieren. Die E-Mail scheint von der Bank zu kommen, lockt die Empfänger aber aufs Glatteis, zum Beispiel auf eine betrügerische Website, die der Seite der Bank täuschend ähnlich sieht. Hier geben die Kunden ihre PIN und TAN in ein Formular ein, wodurch die Geheimnummern in die Hände der Betrüger geraten. Abhilfe soll das iTAN-Verfahren schaffen: Der Kunde verwendet nicht mehr die jeweils nächste TAN auf der Liste, sondern eine ganz bestimmte, die ihm von der Bank jeweils vorgegeben wird. Der Kunde bekommt so zum Beispiel die Aufforderung, TAN Nr. 123 aus seiner Liste einzugeben. Auf dieses Verfahren setzen seit kurzem die Postbank und Sparkassen, weitere Banken wollen es einführen.

Und so funktioniert der "Man-in-the-Middle"-Angriff

Beim "Man-in-the-Middle"-Angriff sendet der Angreifer eine klassische Phishing-Mail an das Opfer. Dieses wird mit einer falschen, aber plausiblen Begründung dazu gebracht, auf einen in der E-Mail enthaltenen Hyperlink zu klicken, und wird so mit der Webseite des Angreifers verbunden. Die aufgerufene Webseite sieht einer echten Webseite einer Bank zum Verwechseln ähnlich. "Das Opfer könnte den Unterschied zwar durch Klicken auf das Schlosssymbol - das so genannte SSL-Verfahren - im unteren Rand des Browsers erkennen", sagt Prof. Dr. Jörg Schwenk (Horst-Görtz-Institut für IT-Sicherheit der RUB), "dies unterblieb bei allen bisher bekannt gewordenen Phishing-Fällen in Deutschland aber aus Unwissenheit". Die gefälschte Webseite fordert das Opfer zunächst auf, Kontonummer und PIN einzugeben. Sobald diese Daten beim Server des Angreifers eingetroffen sind, baut dieser eine Verbindung zum echten Bankserver auf. Die bei einer Transaktion gestellte Frage nach einer bestimmten iTAN wird dann automatisch an das Opfer weitergeleitet. So erhält der Angreifer genau die von der Bank gewünschte iTAN und kann zum Beispiel eine Überweisung tätigen. Auf die theoretische Möglichkeit dieses Angriffs hatte auch das "RedTeam" der RWTH Aachen hingewiesen.

Aufklärungsarbeit am Kunden

"Auf die Anfälligkeit des iTAN-Verfahrens gegen Man-in-the-Middle-Angriffe wurde nach Einführung dieses Verfahrens auch von AI3 wiederholt hingewiesen", so Prof. Dr. Georg Borges (Juristische Fakultät der RUB). "Wir betonen ausdrücklich, dass sowohl TAN als auch iTAN-Verfahren bei korrekter Überprüfung der SSL-Verbindung sicher sind. Allerdings haben bisherige Phishing-Angriffe gezeigt, dass die Betroffenen den Schutzmechanismus SSL schlichtweg ignorieren oder ihn einfach nicht verstehen." Das iTAN-Verfahren könne kein Ersatz für SSL sein, sondern dieses Verfahren nur ergänzen. Borges: "Hier ist bei den Kunden weitere Aufklärungsarbeit zu leisten." Die Bochumer Arbeitsgruppe hat das iTAN-Verfahren übrigens- mit einem nicht spezialisierten Programmierer - binnen eines Tages überwunden.

AI3

Unter anderem gegründet vom Juristen Prof. Dr. Georg Borges und dem IT-Sicherheitsexperten Prof. Dr. Jörg Schwenk ist AI3 eine fachübergreifende Arbeitsgruppe, die das Thema "Phishing" umfassend angeht. Im Juni hat die AG ihr Online-Portal freigeschaltet; es ist die gemeinsame Plattform für interdisziplinäre Forschung und zugleich Beratungseinrichtung für Betroffene. Das Portal ist im Internet erreichbar unter
http://www.a-i3.org

Weitere Informationen

Prof. Dr. Georg Borges, Juristische Fakultät der RUB, Tel. 0234/32-26775, E-Mail: georg.borges@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.a-i3.org
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Berichte zu: Angreifer RUB Sicherheitslücke TAN Webseite

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht TU Ilmenau entwickelt Chiptechnologie von morgen
20.04.2017 | Technische Universität Ilmenau

nachricht Datenschutzwächter sichert Smart Homes
20.04.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten