Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mobile Agenten auf Bewährungsprobe im Daten-Dschungel

03.08.2005


Jenaer Informatiker entwickeln den persönlichen elektronischen Assistenten



Er arbeitet absolut selbstständig, hat nur seine Aufgabe im Blick, findet dafür überraschend intelligente Lösungen und ist dabei ungeheuer beweglich - er ist de facto der ideale Agent. Er ist nur nicht so eine stattliche Erscheinung wie "007" und wird deshalb nicht wie dieser ständig von weiblichen Mit- oder Gegenspielern von seinem eigentlichen Auftrag abgelenkt. Solche menschlichen Schwächen hat das Softwareprogramm "MobiSoft" nicht, das Informatiker der Friedrich-Schiller-Universität entwickeln und gemeinsam mit Partnern aus Unternehmen in Jena als "persönlichen elektronischen Assistenten" in den Datendschungel schicken wollen.



"Das Besondere an unserem Assistenten ist, dass er nicht wie schon bekannte elektronische Agenten von einem festen Rechner aus agiert, nach spezieller Aufgabenstellung Daten aus dem weltweiten Netz zieht und dann bearbeitet", erklärt Prof. Dr. Wilhelm Rossak von der Jenaer Universität. Der elektronische Assistent, den das Team des Lehrstuhlinhabers für Praktische Informatik für den Praxiseinsatz fit machen will, ist mobil. Er braucht keine feste Rechner-Basis mehr, sondern kann von jedem Handy oder elektronischen Notizbuch aus agieren.

Um ihre Entwicklung so leistungsfähig zu machen, haben die Jenaer jetzt finanzielle Unterstützung des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Technologie und Arbeit erhalten. Über 550.000 Euro fließen dafür in den kommenden zwei Jahren an das Universitätsinstitut für Informatik sowie die Industriepartner Godyo AG und the agent factory GmbH, eine junge Ausgründung aus der Universität. "Gemeinsam wollen wir Prototypen der persönlichen elektronischen Assistenten entwickeln, die nicht mehr nur im Forschungsmaßstab, sondern kommerziell und in der industriellen Praxis funktionieren", sagt Rossak.

Basis für das Verbundprojekt ist die in den vergangenen vier Jahren am Institut entwickelte Software "Tracy 2". Dabei handelt es sich um "eins von nur drei weltweit verfügbaren Werkzeugen für solche Aufgaben, das bereits industriell funktioniert". Das soll jedoch so klein und kompakt werden, dass es ohne Probleme auf minimalen Plattformen wie in Mobiltelefonen läuft. Zudem müsse die Software kompatibel für unterschiedliche Anwendungen, etwa verschiedene Handyhersteller, sein. Dabei muss der "Agent" selbst so abgesichert werden, dass eine Manipulation durch andere Instrumente unmöglich wird.

"Soll der Agent zum Beispiel für seinen Auftraggeber im Internet oder den Datennetzen von Fluggesellschaften nach dem günstigsten Flug zu einem bestimmten Zielort suchen, so muss ausgeschlossen werden, dass etwa Wettbewerber die Konkurrenz blockieren", erklärt Rossak. Hier seien die Programmierer gefragt. Sicherheit spiele überhaupt für potenzielle Auftraggeber und Nutzer der virtuellen Assistenten eine große Rolle. "Den größten Bedarf an solchen effektiven Helfern, auf die man zeitaufwändige Recherchen im Datennetz delegieren kann, scheint es nicht von Privatleuten, sondern im Bereich des Intranets zu geben", erklärt Rossak. So versprechen sich große internationale Unternehmen deutliche wirtschaftliche Effekte von den mobilen Agenten, die beispielsweise den Geschäftsverkehr mit Kunden und Zulieferern im internen Netzwerk recherchieren, organisieren und abwickeln könnten.

"Und auch für den Mittelstand, besonders in Thüringen, ist unsere Entwicklung interessant", sagt Rossak. Der Wettbewerb fordere von diesen Unternehmen immer höhere Mobilität, flexible Organisations- und Teamstrukturen. "Sie müssen sowohl die Prozesse im eigenen Unternehmen beherrschen als auch sich nahtlos in die immer komplexer werdenden Prozessketten und Netzwerke einbinden können". Bei diesen Herausforderungen an die IT-Prozesse in den Unternehmen könnten die persönlichen elektronischen Assistenten wichtige Unterstützung geben, ist sich Rossak sicher.

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Agent Assistent Bewährungsprobe Datennetz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0
07.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Wenn das Handy heimlich zuhört: Abwehr ungewollten Audiotrackings durch akustische Cookies
07.12.2016 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie