Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auktionen der Zukunft: Mit Handy statt Handzeichen

06.06.2005


Forschungsprojekt "Morabit" arbeitet an neuen Strategien zur Qualitätssicherung mobiler Softwaresysteme



Immer mehr Deutsche nutzen PC und Internet zum bequemen Einkauf: Allein in Baden-Württemberg waren es im letzten Jahr innerhalb eines Quartals 2,7 Millionen Menschen. Sie können darauf vertrauen, dass sie genau die Ware erhalten, die sie bestellt haben. Dafür sorgen unter anderem spezielle Softwarekomponenten. Der Nutzer merkt davon nichts. Schwieriger wird es in verteilten Systemen mit vielen mobilen Endgeräten. Die Komponenten stammen aus verschiedenen Quellen, sind nicht aufeinander abgestimmt, und müssen sich untereinander "verstehen" und gegenseitig "vertrauen" - eine große Herausforderung für Softwareentwickler.



Bisher gibt es kaum geeignete Methoden und Werkzeuge, um die Qualität mobiler Anwendungen und ihre Verlässlichkeit zu testen. Das neue Forschungssprojekt "MORABIT" (Mobile Resource Adaptive Built-in Test) will hier Abhilfe schaffen. Informatiker des Heidelberger Forschungsinstituts EML Research, der Universität Heidelberg und der Universität Mannheim wollen eine Methode entwickeln und dazu eine Testumgebung aufbauen, die die Tests den jeweiligen Bedingungen mobiler Systeme anpasst. "MORABIT" wird mit rund 400.000 Euro für zwei Jahre von der Landesstiftung Baden-Württemberg gefördert. Die Projektleitung liegt bei Prof. Dr. Barbara Paech vom Institut für Informatik der Universität Heidelberg.

Das Szenario der Forscher: eine Auktion, auf der jeder anwesende Bieter mit seinem netzfähigen Handy statt mit Handzeichen steigert. Die Probleme dabei sind vielfältig: Neue Teilnehmer kommen mitten in der Versteigerung hinzu, die dazu gehörigen Softwarekomponenten müssen identifiziert und auf ihre Verlässlichkeit getestet werden. Ein wichtiges Merkmal mobiler Systeme: Die Übertragungsraten von Funknetzen sind niedriger als beim kabelbasierten Zugang zuhause, und die Leistungsfähigkeit der Endgeräte ist begrenzt. Die Verlässlichkeit muss also getestet werden, ohne dass der Datenstrom vom Handy des Bieters zum Veranstalter-PC unterbrochen wird. Wer bietet, will sicher sein, dass der richtige Bietbetrag beim Veranstalter eingeht. Und er möchte vielleicht zwischendurch bei der Bank ungestört seinen aktuellen Kontostand abfragen.

Jede Softwarekomponente hat ihre eigenen Qualitätsstandards, unter denen sie arbeitet. Aber jede Komponente lässt sich grundsätzlich testen. Bei Desktop-Rechnern oder Server-Systemen in Unternehmen kann der "Built-in-Test"-Grundsatz (BIT) verwendet werden. Die MORABIT-Forscher greifen diesen auf und weiten ihn auf mobile Systeme aus: Die Softwarekomponenten sollen von ihrer Umgebung zu jeder Zeit getestet werden können. Besonders wichtig ist den Wissenschaftlern dabei der Aspekt der "resource-awareness", das heißt, dass die Tests die eingeschränkten Bedingungen mobiler Endgeräte und Umgebungen berücksichtigen. Das Ziel des Projekts ist eine neue Konzeption für eine Testumgebung, die dann an verschiedenen Middleware-Technologien überprüft werden soll: zum Beispiel an der Agententechnologie RAJA, einer Entwicklung des European Media Laboratory (EML), und an einer Komponententechnologie wie Enterprise Java Beans (EJB).

Für das Szenario der Auktion ergäben sich mehrere Vorteile: Es ließe sich exakt dokumentieren, wer wann wie hoch gesteigert hat. Der Auktionator müsste nicht auf Handzeichen oder eventuell dubiose Signale achten. Es wären auch parallel stattfindende Auktionen vorstellbar, wie sie zum Beispiel auf Lebensmittelmärkten stattfinden. Denn hier muss, anders als bei online-Auktionen, der Bieter in jedem Fall die Ware sehen und direkt prüfen können. Wenn in einigen Jahren auf dem traditionellen Fischmarkt in Hamburg-Altona die Einkäufer der Restaurants ihre Meeresfrüchte mit dem Handy statt mit Handzeichen ordern, dann sind sie vielleicht mit Hilfe von MORABIT ins Netz gegangen - und können sicher sein, dass nicht nur der Fisch frisch, sondern auch die mobile Transaktion verlässlich war.

Projektpartner:

Der Lehrstuhl Software Systeme an der Universität Heidelberg wird von Prof. Dr. Barbara Paech geleitet. Er setzt die Arbeiten der Competence Center Quality Software Development (QSD) und Requirements and Usability Engineering (RUE) des Fraunhofer Institut für experimentelles Software Engineering (Fh IESE) zum Thema Softwarequalität fort. Dies umfasst sowohl nationale und internationale Forschungsprojekte also auch intensive Zusammenarbeit mit der Industrie in Forschungs- und Transferprojekten Ein wesentlicher Schwerpunkt der Arbeiten ist Requirements, Usability und Qualitäts-Engineering, insbesondere für Komponenten-basierte Software-Entwicklung.

Der Lehrstuhl für Softwaretechnik an der Universität Mannheim wird von Professor Dr. Colin Atkinson, geleitet. Das Hauptaugenmerk liegt sowohl auf der Verbesserung und Integration von fortgeschrittenen Softwareentwicklungsmethoden wie zum Beispiel Model-Driven Development, Service-Orientierte Entwicklung und Komponenten-Basierte Entwicklung als auch auf Product-Line Engineering. Diese Techniken können auf vielfältige Gebiete angewandt werden, die von E-Commerce und Mobile Business bis hin zu Echtzeit-Systemen reichen.

Die EML Research gGmbH ist ein gemeinnütziges Forschungsinstitut für Grundlagenforschung in der angewandten Informatik. Die Forscher arbeiten eng mit Universitäten zusammen. Die EML Research gGmbH wird von der Klaus Tschira Stiftung gGmbH (KTS) gefördert. Forschungsprojekte des Instituts werden auch durch die Europäische Union, die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Landesstiftung Baden-Württemberg unterstützt.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Dr. Peter Saueressig
EML Research gGmbH, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: +49-6221-533-245
Fax: +49-6221-533-198
peter.saueressig@eml-research.de

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:
Prof. Dr. Barbara Paech
Lehrstuhl Software Systeme, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Tel. +49-6221 / 54 - 5810
Fax: +49-6221 / 54 - 5813
paech@informatik.uni-heidelberg.de

Dr. Peter Saueressig | idw
Weitere Informationen:
http://www.eml-research.de/
http://www.eml-research.de/deutsch/presse/press_include_d.php?we_objectID=257
http://www.kts.villa-bosch.de

Weitere Berichte zu: Auktion Bieter Endgerät Engineering Handy Handzeichen Softwarekomponente

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder
19.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

nachricht Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab
18.01.2018 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Simulation: Neuartiger zweidimensionaler Schaltkreis funktioniert mit magnetischen Quantenteilchen

22.01.2018 | Physik Astronomie

Vogelmonitoring leicht gemacht: Erfassung der Brutvögel wird digitalisiert

22.01.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

22.01.2018 | Physik Astronomie