Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuartige Internet-Plattform verknüpft Softwarefunktionen und Computer-Leistung

30.03.2005


Die Bordelektronik eines Autos meldet einen Schaden per Mobilfunk an die nächstgelegene Werkstatt. Der Fahrer wird von seinem Navigationssystem automatisch dorthin geführt und erfährt, dass der Werkstatt-Computer das benötigte Ersatzteil bereits übers Internet bestellt und die Reparatur in den Arbeitsablauf eingeplant hat. Später bucht das Abrechnungsprogramm die Reparatur-Kosten vom Kreditkartenkonto des Fahrers ab. Dass dies nicht eine kühne Zukunftsvision bleibt, daran tüfteln derzeit sieben Wissenschaftler des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) in Potsdam. Zusammen mit 21 Partnern aus sechs EU-Ländern und aus Australien arbeiten sie an einem Technologieschub in der Software-Entwicklung: Bei besonders wissensintensiven Geschäftsprozessen soll eine neuartige Plattform übers Internet Softwarefunktionen miteinander verknüpfen und weltweit verteilte Rechnerleistungen nutzbar machen.



"Pünktlich nach sechs Monaten Projektarbeit haben wir nun den ersten Meilenstein hinter uns gelassen", berichtet Professor Mathias Weske, Leiter des Fachgebiets "Business Process Technology". Er steuert das 11,5 Millionen Euro kostende Projekt von Potsdam aus. An der virtuellen "Baustelle" zur Verknüpfung von Software arbeiten auch sein Kollege Prof. Andreas Polze, Leiter des Fachgebiets "Betriebssysteme und Middleware", und mehrere Doktoranden des HPI mit. Administrativ wird das Projekt, in das Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen einbezogen sind, von der Uni Potsdam betreut. Die EU fördert es mit 7,5 Millionen Euro. Im Herbst 2006 soll ein Prototyp der weltweit nutzbaren Plattform für den laufenden Betrieb bereit stehen.



"Wir wollen zwei Informationstechnologie-Welten miteinander verknüpfen, die bisher so gut wie keine Berührungspunkte haben", erläutert Prof. Weske das ehrgeizige Ziel. Es geht vor allem darum, für Geschäftsprozesse, die viele Informationen und viel Wissen benötigen, das so genannte "Semantic Web" zu erschließen. Um die damit verbundenen aufwändigen Berechnungsaufgaben lösen zu können, müssen innerhalb von Netzwerken Computer zusammengeschaltet werden (Grid Computing). Dafür im Projekt die notwendige Infrastruktur zu schaffen, ist unter anderem die Aufgabe von HPI-Professor Andreas Polze.

"Im Semantic Web wird ein Inhalt mit einer präzise definierten Bedeutung versehen, die ein Computer verstehen und interpretieren kann. Durch diese Erweiterung des World Wide Web wird der Mensch künftig in der Lage sein, effizienter mit dem Rechner zu kommunizieren", sagt Prof. Weske. Zum Beispiel gelingt es durch die Technologien des Semantic Web, komplexe Beziehungsgeflechte darzustellen, die es innerhalb großer Mengen digital gespeicherter Daten gibt. Das Wissen und die Informationen können je nach individuellem Bedarf und abhängig von dem jeweiligen Bedeutungszusammenhang recherchiert und aufbereitet werden.

Kombiniert werden die beiden "Welten" der Semantic Web Services und des Grid Computing durch eine offene, anpassungsfähige Softwareentwicklungs-Plattform mit dem Namen "Adaptive Services Grid" (ASG). Wirtschaftlich besonders interessante Anwendungen für eine derartig flexible Software-Plattform gibt es nicht nur in der Verkehrstelematik, sondern beispielsweise auch in der Telekommunikation. So soll künftig der Aufenthaltsort von Personen, mit denen man per Mobiltelefon verbunden ist, im Display angezeigt werden können. Vorteile liefert die serviceorientierte Plattform auch für betriebswirtschaftliche IT-Systeme: Geschäftsprozesse in Unternehmen lassen sich vereinen, Systeme, Netzwerke und Anwendungen integrieren. Dank Grid-Technologie werden verfügbare IT-Ressourcen so genutzt, dass überall im Unternehmen viel größere Softwareanwendungen ausgeführt werden können. Höhere Zuverlässigkeit und Flexibilität sind die Folge.

Eine wichtige Rolle spielt bei solchen Funktionen die so genannte "Web-Services"-Technologie. Computerprogramme können damit im Internet Softwarefunktionen ausfindig machen oder dynamisch erzeugen und bereitstellen - eben als Dienste oder Services. Auf der Basis bestimmter Standards für den Informationsaustausch können somit Anwendungen und Geschäftsprozesse über das Netz geteilt werden. "Web-Services bieten die Möglichkeit, über das Internet Software-Komponenten zu integrieren und zu ganz neuen Anwendungen zu verknüpfen - unabhängig von dem jeweiligen umgebenden IT-System oder der verwendeten Sprache für die Implementierung", berichtet Prof. Weske.

Unternehmen, die ihren Kunden Software bezogene Anwendungs-Services bieten wollen, können künftig übers Internet nachfragen, ob über die ASG-Plattform solche Dienste verfügbar sind. "Ist dies noch nicht der Fall, versucht die Plattform, die gewünschten Aufgaben dadurch erledigen zu lassen, dass bereits vorhandene und verfügbare Softwarefunktionen entsprechend kombiniert werden", beschreibt HPI-Professor Mathias Weske das Modell. Das Ergebnis wird von der Plattform wieder übers Internet bereitgestellt und abgerechnet.

Alle sechs Monate berichtet das von Prof. Weske geleitete Team über die Projektfortschritte. Die aus Deutschland, Österreich, Irland, Norwegen, Finnland, Polen und Australien stammenden Teilnehmer haben sich bereits sieben Mal zu gemeinsamen Arbeitssitzungen getroffen. Vom 20. bis 22. April werden Beiträge zum Projekt in Poznan (Polen) auf der achten internationalen Konferenz über Business Information Systems und vom 19. bis 22. September in Erfurt auf der zweiten internationalen Konferenz zum Thema "Grid Services Management and Engineering" präsentiert.

Katrin Augustin | idw
Weitere Informationen:
http://www.hpi.uni-potsdam.de/

Weitere Berichte zu: Geschäftsprozess Grid Plattform Semantic Softwarefunktion

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Volle Konzentration am Steuer
25.11.2016 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Warum Reibung von der Zahl der Schichten abhängt
24.11.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie