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Pünktlicher Fahrgast steht im Mittelpunkt

07.03.2005


Professor Dr. Wilfried Koch von der Fachhochschule Ravensburg-Weingarten erhält den Wolfgang Heilmann-Preis für sein Computerprogramm RegiDisp, das ein intelligentes Management für verspätete Züge ermöglicht. Das Programm wird bereits bei der Hohenzollerischen Landesbahn eingesetzt.



Wer oft mit der Bahn reist, der weiß von Verspätungen und verpassten Anschlusszügen ein Lied zu singen. Ein Computerprogramm, das Professor Dr. Wilfried Koch entwickelt hat, soll die Fahrpläne im Falle einer Verspätung optimieren. Für seine Arbeit erhält Koch den Wolfgang Heilmann-Preis.



Für die Hohenzollerische Landesbahn hat der Informatik-Professor der Fachhochschule Ravensburg-Weingarten das Programm "RegiDisp. Ein Werkzeug zur Optimierung der Betriebsführung und Erhöhung der Kundenzufriedenheit im ÖPNV" geschrieben, mit dessen Hilfe die Betriebsleitung flexibel auf Verspätungen reagieren kann. So würden sich Anschlüsse unter Berücksichtigung der Auswirkungen auf das gesamte Netz optimieren lassen, berichtet Koch. "Ich kann mit dem Rechner keine verloren gegangene Zeit zurückholen", sagt er, "aber man kann die Betriebsführung optimieren, das heißt, man kann Puffer im Fahrplan nutzen."

Schwierig sei die Entscheidung, ob man besser einen Anschlusszug warten lasse, der dann wiederum eine Verspätung bekomme, oder nicht. "Betrachtet man die Auswirkungen auf das gesamte Bahnnetz, so ist die Aufgabe kompliziert wie ein Schachspiel", sagt Koch. Im Programm RegiDisp könnten nicht nur die unterschiedlichen Prioritäten von Zügen, Stationen und Anschlüssen berücksichtigt und im laufenden Betrieb angepasst werden. Es würden außerdem die Folgewirkungen auf wartende Anschlusszüge und die Reiseziele der einzelnen Fahrgäste mit betrachtet. "Was mich interessiert, ist nicht so sehr der pünktliche Zug sondern vielmehr der pünktliche Fahrgast." Der Computer als Krisenmanager mit künstlicher Intelligenz soll dafür sorgen, dass möglichst viele der Fahrgäste im Falle einer Verspätung dennoch pünktlich ankommen. Das Programm entwickelt für den Fahrdienstleiter jeweils einen neuen Fahrplanvorschlag, der deadlockfrei ist. Der Zustand, dass viele mit Fahrplanabweichungen verkehrende Züge einen Bahnhof blockieren, tritt also nicht ein.

Der Professor für Software-Engineering und Künstliche Intelligenz entwickelt schon lange Computerprogramme für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV). Mit der Hohenzollerischen Landesbahn, die im Bereich Herbertingen, Tuttlingen, Tübingen verkehrt, hatte Koch 2000 einen Partner gefunden, der an der konkreten Umsetzung seiner Ideen interessiert war. In dem 250 Kilometer langen Streckennetz wird RegiDisp mittlerweile erfolgreich eingesetzt. Es eignet sich aber auch für andere Bahnnetze. Das Projekt wurde mit rund 70.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und mit rund 45.000 Euro vom baden-württembergischen Ministerium für Umwelt und Verkehr gefördert.

Der Wolfgang Heilmann-Preis wird von der Integrata Stiftung für humane Nutzung der Informationstechnologie vergeben. Wie die Stiftung mitteilt, ist der Preis gedacht für herausragende Beiträge zur Umsetzung der modernen Informationstechnologie im Sinne ihrer humanen Nutzung, also für Arbeiten, die einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung des Arbeits- und Erwerbslebens leisten und damit zu einer Steigerung der Lebensqualität führen. Es sollen vor allem Arbeiten gefördert werden, die praktische Gestaltungsvorschläge enthalten. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wurde auf insgesamt drei Preisträger verteilt. Die Preisverleihung soll auf dem Verkehrstelematik-Kongress am 12. April in Stuttgart stattfinden.

Professor Koch lehrt seit 1987 an der Fachhochschule Ravensburg-Weingarten. Zuvor war er sieben Jahre Projekt- und Laborleiter im Geschäftsbereich Industrielle Messtechnik bei Carl Zeiss. Der gebürtige Heidenheimer hat an der Universität Stuttgart mit einer Arbeit zum Thema über Spezifikationssprachen für Automatisierungssysteme promoviert.

Arne Geertz M.A. | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-weingarten.de/iaf

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