Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rundum virtuell

07.02.2005


Die digitale Litfaßsäule läd zum Eintauchen, Erleben und Gestalten in computersimulierte Welten ein. Forscher vom Fraunhofer-Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik FIRST präsentieren das runde Display für zwei- oder dreidimensionale Bilder und Filme auf dem Gemeinschaftstand der CeBIT in Halle 9, Stand B36.



"Wir haben die Technologie aus dem dunklen Projektionsraum herausgeholt. Designer, Architekten und Ingenieure sind beim Modellieren virtueller Objekte nicht wie bisher von dreidimensionalen Bildern umgeben. Jetzt können sie die realitätsgetreue Nachbildung in die Säule hinein stellen, darum herumgehen und sie bearbeiten. So erhalten sie den Eindruck, ihr Werkstück sei ein Hologramm," erklärt Ivo Haulsen, Wissenschaftler am Fraunhofer FIRST.

... mehr zu:
»FIRST »Projektion »X-Rooms


In der digitalen Litfaßsäule steckt eine Weiterentwicklung der X-Rooms?-Technologie. Das neue Virtual-Reality-System läuft wie sein Vorgänger auf handelsüblichen PCs und ist auch für kleine und mittlere Unternehmen erschwinglich. Der Prototyp entstand in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt "LaserCave". "Mit den X-Rooms? haben wir eine kostengünstige und hochwertige Variante zu den bis dahin aufwändigeren Caves entwickelt", so der Forscher. Viele Unternehmen nutzen schon lange diese Simulationstechnologie für ihre Produktentwicklung. Ingenieure entwerfen Autos, Bühnenbildner testen Lichteinstellungen, Architekten präsentieren geplante Neubauten. Das ist weitaus kostengünstiger, als immer wieder neue Prototypen herzustellen und zu modifizieren.

Das neuartige Display ist für Werbe- und Präsentationszwecke konzipiert. Seine Form erinnert an die Berliner Litfaßsäulen vor 150 Jahren. Die High-Tech-Säule ist zwei Meter hoch und hat einen Durchmesser von 1,60 Meter. Die vielseitige virtuelle Vitrine kann zum Beispiel Autos, die es noch nicht gibt, auf Messen präsentieren, im Kino- und Theaterfoyer Filmtrailer oder Szenen einer Inszenierung zeigen oder eine antike Vase für eine Ausstellung nachbilden. Bewegte Bilder in leuchtenden Farben ziehen die Blicke der Passanten an und laden ein, in die bunte Welt einzutauchen. Durch eine versteckte Tür in der Litfaßäule verschwinden, wie Orson Wells in dem Filmklassiker der "Dritte Mann", können sie allerdings nicht. Das Innenleben der Säule besteht aus einer Kombination bewährter Technik: Acht handelsübliche Projektoren und vier Spiegel für die Rückprojektion sind im unteren Teil eingebaut. Die semitransparente Sichtfläche für die Bilder ist um den oberen Teil der Säule gewickelt. Die Säule wird von fünf Standardrechnern mit ausgeklügelter Kalibrierungssoftware gesteuert.

Für dreidimensionale Präsentationen hält der Wissenschaftler stereoskopische Brillen bereit. "Der 3-D-Effekt wird über eine doppelte Projektion erzeugt. Von jedem Bild werden zwei farbig abgesetzte Varianten erzeugt, die dann wieder mit Hilfe der Spezialbrille zusammengesetzt werden und dem Betrachter den dreidimensionalen Eindruck vermitteln. Für dieses Verfahren benötigen wir insgesamt acht Projektoren, jeweils ein Viertelsegment der Säule wird von innen her von einem Projektorenpaar angestrahlt", so Haulsen.

Gemeinsam mit der Berliner Firma Ideea haben die Forscher den Prototyp am FIRST in Berlin entwickelt. Der Kooperationspartner benutzt das System, um Messestände und Bühnenbauten zu konstruieren: Mit einem Personal Digital Assistant als Steuerinstrument und der 3-D-Brille auf der Nase kann der Aussteller schon im Vorfeld den geplanten Stand inspizieren. Auf diese Weise bleiben bleiben ihm böse Überraschungen beim realen Standaufbau im Messetrubel erspart. Er kann die kostenintensiven Aufbauten aus jeder Perspektive begutachten, über den zukünftigen Stand laufen, Ausschnitte größer oder kleiner zoomen oder im Handumdrehen die Farbgebung verändern. Ist der Standbauer "getrackt", das heißt an ein Sender-Empfänger-System gekoppelt, fließen zusätzlich die Informationen über seine Blickrichtung die Bildberechnung ein. Dazu ist ein Sender an seiner Kleidung befestigt, der mithilfe eines magnetischen Felds seinen Standort an die Säule funkt. So kann das auf der Säule dargestellte Bild in Echtzeit auf die momentane Blickrichtung des Betrachters angepasst werden. Exakt ausgerichtete Toneinspielungen ergänzen die optische Illusion bei Bedarf.

"Uns ist es jetzt gelungen, das Bild um die ganze Säule herumzu- projizieren. Ursprünglich setzten sich die dreidimensionalen Darstellungen der Caves aus Projektionen auf gerade Flächen zusammen. Das Licht strahlt hier auf die Wände des begehbaren ’High-Tech-Würfels’. Im nächsten Schritt konnten wir Bilder ohne Verzerrungen auf gekrümmte Flächen werfen. Zum Beispiel entstehen bei Projektionen auf halbrunde Leinwände schiefe Bilder, die wir mit spezieller Software wieder gerade rücken", beschreibt Haulsen die Entwick-lungsgeschichte. Ein Autokalibrierungssystem berechnet und korrigiert die Verzerrungen bei der 360-Grad-Projektion und fügt die Bilder exakt und schnell zusammen. Auch unregelmäßige Farbgebung, Helligkeit, ungewollte Überschneidungen und langwierige Feineinstellungen sind passé.

Die Wissenschaftler entwickeln die Technologie für variabel einsetzbare Leinwände in unterschiedlichen Formen weiter. Den Kundenwünschen sind scheinbar keine Grenzen gesetzt. Sowohl 3-D oder HDTV-Filme als auch Live Videos oder Dias können jetzt schon automatisch synchronisiert abgespielt werden.

Ansprechpartnerin:
Mirjam Kaplow
Telefon: 0 30 / 63 92-18 23, Fax: -18 05
mirjam.kaplow@first.fraunhofer.de

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw
Weitere Informationen:
http://www.first.fraunhofer.de
http://www.cebit2005.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: FIRST Projektion X-Rooms

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Plattformübergreifende Symbiose von intelligenten Objekten im »Internet of Things« (IoT)
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB

nachricht Von Fußgängern und Fahrzeugen: Uni Ulm und DLR sammeln gemeinsam Daten für das automatisierte Fahren
09.12.2016 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie