Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltweiter Zugriff auf neues "Superhirn"

20.01.2005


Als wohl einzige Hochschule weltweit hat die Universität Leipzig jetzt einen Großrechner in Betrieb genommen, auf den Studenten und Wissenschaftler aus der ganzen Welt kostenlos zugreifen können. Das neue "Superhirn" mit der offiziellen Bezeichnung Multiprise 3000-Server ist für das Institut für Informatik die ideale Ergänzung zum bereits vorhandenen Multiprise 2003.



Allein in Deutschland nutzen momentan außer der Universität Leipzig weitere acht Universitäten und Fachhochschulen den Service, erklärt Dr. Paul Herrmann vom Institut für Informatik. Zu den "Kunden" zählen die Universität Tübingen, die Technische Universität Chemnitz, die Fachhochschulen Bochum, Darmstadt, Lüneburg, Schmalkalden, Frankfurt/Main und die IT-Akademie Augsburg. Möglich wurde die Neuanschaffung durch eine Sachspende des Computerherstellers IBM (Zentraleinheit) und der Firma Comparex (Externer Speicher) im Wert von rund 1,8 Millionen Euro.

... mehr zu:
»Gigabyte »Großrechner »Weltweit


Im boomenden Markt der Personal Computer (PC) wurden Großrechner bereits vor rund 15 Jahren totgesagt. "Großrechner wurden als Dinosaurier abgetan. Als Ersatz wurden PC-Server-Farmen - das sind mehrere, miteinander gekoppelte PC-Server - propagiert", erinnert sich Dr. Herrmann. Alle Hochschulen deutschland-weit stellten 1990 die Ausbildung auf diesem Fachgebiet ein. Nach dem Motto "The mainframes are dead, long live the mainframes" eroberten jedoch schon kurze Zeit später die Großrechner besonders auf dem Internet-Markt verloren geglaubtes Terrain zurück und verdrängten zunehmend PCs und Workstations in dem Bereich der Client/Server-Architekturen. Große Unternehmen wie Banken, Versicherungen und Versandhäuser änderten aber ihre IT-Strategie keinesfalls. Fehlende universitäre Ausbildung führte mittelfristig dazu, dass die Fachleute auf dem Mainframe-Sektor in der Wirtschaft knapp wurden.

"Die Anzahl der bereits bestehenden und geplanten Mainframe-Installationen in den Geschäftsbereichen e-economy und e-business übertrifft weltweit inzwischen alle Erwartungen", sagt Herrmann. Dies wird auch an der Universität Leipzig deutlich. Als erste Hochschuleinrichtung nahm die Universität Leipzig auf Initiative von Prof. Wilhelm G. Spruth im Jahr 2000 die Mainframe-Ausbildung wieder auf. "Neben Vorlesungen und Übungen im Sommer- und Wintersemester werden von uns zahlreiche Diplom-Arbeiten zum Thema ’Internetanwendungen unter z/OS und OS/390’ betreut. Zusätzlich bieten wir Nutzer-Service weltweit an. Unsere Absolventen stellen der Wirtschaft wertvollen Nachwuchs auf dem Großrechnersektor zur Verfügung. Aber leider gibt uns die Industrie wenig zurück. Wir brauchen finanzielle Unterstützung aus der Wirtschaft, um die Ausbildung personell auf diesem Niveau zu halten und weiter zu verbessern", beklagt Herrmann.

Um so erfreulicher ist die Spende von IBM, die der Universität Leipzig bereits den zweiten Großrechner kostenlos zur Verfügung stellt. Neben der Hardware im Wert von knapp 400 000 Euro umfasst die Spende auch Software für rund 1,4 Millionen Euro. Der neue Hochleistungs-Server hat eine externe Speicherkapazität von zirka einem Terabyte (1000 Gigabyte), einen Arbeitsspeicher von 4 Gigabyte und bietet drei verschiedene Betriebssysteme an: z/OS, zLinux und OS/390. Während Personal-Computer über sehr beschränkte Ein- und Ausgabe-Möglichkeiten verfügen, bringt es der IBM-Rechner auf stattliche 256-512 Ein/Ausgabe-Kanäle. Dadurch können bisher über 200 Nutzer von Leipzig bis China von zuhause aus gleichzeitig Internetanwendungen entwickeln und testen oder auf dem Server abgelegte Übungen absolvieren: jedi.informatik.uni-leipzig.de

"Die IBM-Rechner zeichnen sich durch eine extrem hohe Verfügbarkeit und Datensicherheit aus", sagt Experte Herrmann. Die Ausfallwahrscheinlichkeit liegt unter 0,1 Promille, weshalb auch Banken, Versicherungen und große Versandhäuser diese Technologie ohne Unterbrechung nutzten. Die Kompetenz der Leipziger Großrechner-Experten ist nicht nur im Internet, sondern auch seit rund zwei Jahren zum Nachlesen als Lehrbuch zum Thema "z/OS und OS/390" (Verlag Oldenbourg, 2. Auflage) sowie zum Thema "Rechnerarchitektur" (Verlag Vieweg, 3. Auflage) verfügbar.

Besondere Verdienste bei der Anschaffung des neuen Großrechners haben sich Prof. Wilhelm G. Spruth, ehemaliger Entwicklungsleiter im IBM-Labor Böblingen und Honorar-Professor der Universitäten Leipzig und Tübingen, sowie Prof. Udo Kebschull, Leiter des Lehrstuhls "Technische Informatik", erworben.

Weitere Informationen:

Dr. Paul Herrmann
Telefon: 0341 97-32215
E-Mail: paul@informatik.uni-leipzig.de

Volker Schulte | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Berichte zu: Gigabyte Großrechner Weltweit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Klick-Tagebuch: App-Projekt der HdM erlaubt neuen Ansatz in Entwicklungsforschung
11.01.2017 | Hochschule der Medien Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie