Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Telebuddy - ein Avatar als Medium für den Internet-Chat

05.07.2000


Für kurze Zeit in den Körper eines anderen Menschen schlüpfen, die Welt durch seine Augen erleben oder gar durch seine Stimme sprechen: Aus diesem Stoff sind die Träume der Akteure im Film »Being John Malkovich«, der weltweit Millionen Kinobesucher faszinierte. Personen das Gefühl zu vermitteln an entfernten Orten präsent zu sein - diese Idee verfolgt ebenfalls eine interdisziplinäre Forschergruppe am Zentrum für Graphische Datenverarbeitung (ZGDV) in Darmstadt; beteiligt sind auch Wissenschaftler des Fraunhofer IGD in Rostock. Das kreative Team entwickelte einen so genannten »Telebuddy«, einen mobilen Kumpel, der von Menschen auf ihren Wegen durch Städte, Landschaften, Messen oder Ausstellungen mitgenommen werden kann. Der Telebuddy ist ein Medium, durch dessen Augen fremde Personen sehen, durch dessen Ohren sie hören und mit dessen Stimme sie sprechen können. Transportiert wie ein Rucksack, schaut die Figur seiner Trägerin über die Schulter und kommuniziert mit ihr, Passanten und Zufallsbekanntschaften. Der Dialog via Internet erreicht so völlig neue Dimensionen.
Wie eine Kreuzung aus Teddybär und Puppentrick sieht der Prototyp dieses physischen Avatars aus, doch sein Inneres steckt voller Spitzentechnik. »Wir haben in diesem Projekt verschiedene Technologieansätze zu einer völlig neuen, innovativen Anwendung verschmolzen«, so Norbert Gerfelder, Leiter der Abteilung Mobile Informationsvisualisierung am ZGDV. »Im Telebuddy werden mobile Webkamera und interaktive Videotechnologien kombiniert mit Technologien der Erweiterten Realität und der Internet-Kommunikation. Der fremde Körper als Medium erlaubt Menschen live und aktiv dabei zu sein, das Geschehen zu beeinflussen, gezielte Fragen zu stellen - und dies von einem beliebigen Ort aus.« Das Projekt, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, hat das Team in nur sieben Monaten realisiert.

Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird der Telebuddy auf der EXPO 2000 in Hannover während des dreitägigen »Global Dialogue« zum Thema »Science and Technology - Thinking the Future« vom 11. bis 13. Juli. Dann werden die Avatare auch in verschiedenen deutschen Forschungsinstituten unterwegs sein und den Web-Nutzern mittels Live-Übertragungen einen Besuch einzelner Ausstellungen oder Labore ermöglichen. Gleichzeitig können Interessierte via Internet durch die Sinne des Avatars in die Welt der EXPO in Hannover eintauchen. Zu welchen Exponaten auf der EXPO-Ausstellung »Go Basic« der Telebuddy sich begeben soll, was er erfragen soll, darüber stimmen sich die Internet-Teilnehmer im Chatroom ab.

»Menschen neue Formen des globalen Dialogs zu ermöglichen, mit denen sie sich informieren und austauschen können - auf eine Weise die Spaß macht und alle Sinne anregt« sind für Ulrike Spierling wichtige Ziele im Telebuddy-Projekt. Die Leiterin der Abteilung »Digital Storytelling« am ZGDV sieht gerade in der physischen und sichtbaren Präsenz des Avatars die entscheidende Komponente: »Im Gegensatz zur Telekommunikation über Handy oder Palmtop bleibt hier Technologie weitgehend unsichtbar. Die Avatar-Puppe wird zum realen Begleiter des Trägers, regt Außenstehende zum Kommunizieren an.« Der Telebuddy erscheint als multiple Persönlichkeit: Für Personen, die sich in einem Internet-Chat-Forum treffen, ist er Schlüsselfigur und Medium, um ihre virtuelle Unterhaltung in die Gemeinschaften der realen Welt auszudehnen. Dass dabei über ein spezielles Abstimmungsverfahren die Persönlichkeit des Telebuddy mit einem »kollektiven Bewußtsein« ausgestattet wurde, dafür sorgte Dr. Thomas Kirste vom Fraunhofer IGD in Rostock. Der Leiter der Abteilung Mobile Multimedia-Technologien ist einer der Urheber des Telebuddy, neben Norbert Gerfelder und Ulrike Spierling.

Den Telebuddy live erleben und über ihn kommunizieren können alle Interessierten via World Wide Web unter:


»http://www.telebuddy.de«

EXPO 2000: Thinking the Future

Technologien der Information und Kommunikation (IuK) beeinflussen immer stärker Ausbildung, Berufsalltag und Freizeit der Menschen. Folgerichtig gehört die IuK-Technologie zu den vier Leitthemen des Global Dialogue »Science and Technology - Thinking the Future«, der im Rahmen der EXPO 2000 stattfindet. International bekannte Experten diskutieren vom 11. bis 13. Juli in Hannover Zukunftsthemen aus Wissenschaft und Forschung.
So werden am 12. Juli unter dem Vorsitz von Prof. José L. Encarnação, dem Leiter des INI-GraphicsNet, Experten neue technologische Anwendungen für Wirtschaft und Konsumenten präsentieren. Für Prof. José L. Encarnação »geht der Trend hin zu einer menschzentrierten Technologie, die jeder Einzelne einfach und interaktiv nutzen kann. Die Systeme werden kaum mehr spürbar und sichtbar sein, werden Teil der Kleidung, des Interieurs; sie stellen sich auf die Fähigkeiten des menschlichen Dialogpartners ein - auch auf dessen Sprache, Gesten und Emotionen.« Die so genannte X-Reality, basierend auf einer Verschmelzung von Mobile Computing und Ubiquitous Computing, ist noch in den Anfängen. »Doch in dem Maße wie sich diese Technologie weiter entwickelt, erwarte ich, dass sie in sehr vielen Lebensbereichen Einzug halten wird«, so Prof. Encarnação. Wie schnell innovative technologische Lösungen von der Wirtschaft aufgegriffen werden, zeigen die Entwicklungen von Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR). Die Virtuelle Realität hat eine große Anzahl von Industriesektoren, beispielsweise die Fahrzeugentwicklung, bereits erobert. AR, die so genannte Erweiterte Realität, wird heute schon ansatzweise in der Montage eingesetzt und wird in naher Zukunft die Flugzeugmontagehalle, den Operationssaal und weitere komplexe Arbeitsbereiche nachhaltig verändern.

Das einzigartige, dreitägige Wissenschaftsforum schließt mit einer Podiumsdiskussion: Moderiert von Sabine Christiansen werden Margarita de Botero, José L. Encarnação, Eckard Minx und Katarzyna Stoklosa mit den Gästen die Visionen der Zukunft erörtern. Diskutieren werden die Teilnehmer dieser »Platform for the Future« grundsätzliche Fragen zum Umgang der Menschen untereinander, mit den natürlichen Ressourcen und der Umwelt. Tun wir heute in Wissenschaft und Technik das Mögliche oder nur das Nötigste, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden? Nutzen Wissenschaftler nur die Gesetze der Natur oder sehen sie zunehmend die Natur als Modell? Diese und weitere existenzielle Fragestellungen versprechen eine lebhafte Podiumsdiskussion, die zu einem der Höhepunkte des »Global Dialogue - Science and Technology« gehören wird.

Weitere Informationen finden Sie unter:
»http://www.GermanScience.de«

Das internationale Netzwerk der Graphischen Datenverarbeitung (INI-GraphicsNet) besteht aus dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD), dem Zentrum für Graphische Datenverarbeitung (ZGDV) e.V., beide in Darmstadt und Rostock, und dem Fachgebiet Graphisch-Interaktive Systeme (GRIS) der Technischen Universität Darmstadt. Weitere Institutionen des Netzwerkes sind das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Computergraphik in der Chemie und Pharmazie (AGC) in Frankfurt, das Fraunhofer Center for Research in Computer Graphics (CRCG) in Providence, Rhode Island (USA), das Fraunhofer Centre for Advanced Media Technology (CAMTech) in Singapur und das Centro de Computação Gráfica (CCG) in Coimbra (Portugal).


Innerhalb des Netzverbundes sind an den sechs Standorten über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie mehr als 450 wissenschaftliche Hilfskräfte beschäftigt. Bei einem Haushalt von zirka 70 Millionen DM bildet das INI-GraphicsNet weltweit den größten Forschungsverbund auf dem Gebiet der Graphischen Datenverarbeitung.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Bernad Lukacin |

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht
18.01.2017 | Technische Universität Berlin

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie