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Digitale Assistenten für Jedermann: Uni Kassel sichert Datenschutz

08.12.2004


Die Universität Kassel bearbeitet den rechtwissenschaftlichen Teil eines kooperativen Forschungs- und Entwicklungsprojekts, dessen Ziel es ist, Software-Assistenten zu entwickeln, die die Vorlieben ihrer Benutzer kennen, Informationen zusammentragen und den Menschen bei der Entscheidungsfindung unterstützen.


"Solche Assistenten können lästige Routinearbeiten übernehmen, die Freizeit durch passende Informationen bereichern oder den Nutzer abhängig von seinem Aufenthaltsort oder seinen Arbeitszusammenhängen an etwas erinnern", sagt Professor Roßnagel, der das Projekt an der Universität Kassel leitet. "Schließen sie für den Nutzer zum Beispiel Verträge ab, entstehen jedoch bisher noch ungelöste rechtliche Probleme. Speichern sie Profile des Nutzers, sind spezifische Risiken des Datenschutzes zu bewältigen. Daher ist es gut, dass in diesem Projekt durch die Beteiligung von Rechtswissenschaftlern von Anfang an die Technik so gestaltet wird, dass rechtliche Probleme und Gefährdungen des Nutzers ver-mieden werden." Das Forschungsprojekt VESUV (Verteilte Software-Agenten für sichere, rechtsverbindliche Aufgabendelegation in mobilen, kollaborativen Anwendungen) nahm im November seine Arbeit auf. Seine ehrgeizigen Visionen will das Projekt in den nächsten 30 Monaten umsetzen. Hierfür wurden zwei repräsentative Anwendungsfelder ausgewählt, in denen die Technik auch realisiert werden soll.

Einsatz als Fremdenführer und bei Behördengängen


In der Hansestadt Rostock sollen die digitalen Assistenten zukünftig in der Verwaltung ange-wendet werden, um häufig wiederkehrende Behördengänge zu erledigen. Ziel ist es, Bürgern, Sachbearbeitern und Entscheidungsträgern in Städten und Kommunen regelmäßig anfallende, komplexe Geschäftsprozesse zu erleichtern. Konkrete Einsatzbereiche sind das gewerbliche Meldewesen und die Organisation von Großveranstaltungen. An beiden Vorgängen sind zahlreiche Ämter und Behörden beteiligt; mit VESUV können diese Vorgänge schneller und billiger durchgeführt werden. Für den Bürger wird der Behördengang damit einfach und zeitsparend.

In der Stadt Görlitz wirken die digitalen Assistenten als Fremdenführer. Jeder Besucher kann über einen PDA (Personal Digital Assistent) mit einem dynamischen Tour-Guide spontan interagieren und erhält so an Ort und Stelle auf sein persönliches Anforderungsprofil abgestimmt attraktive Informationen zu Kunst, Kultur, Geschichte und Architektur. Oder der hilfreiche Assistent ermittelt online einen freien Restaurant-Tisch und reserviert ihn rechtzeitig für den gelungenen Abschluss des Stadtrundgangs.

Das mit fast drei Millionen Euro durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit geförderte Projekt wird von einem Konsortium aus neun Partner durchgeführt. Die wissenschaftlichen Arbeiten werden das Europäische Microsoft Innovation Center, die Hochschule Zittau/Görlitz, die Siemens AG, das Zentrum für Graphische Datenverarbeitung in Rostock und die Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung an der Universität Kassel (provet) leisten. Konsortialführer ist das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) in Darmstadt. Als mittelständisches Unternehmen stellt die Firma NetCommunity GmbH den Kontakt zu den regionalen Anbietern her. Die Städte Rostock und Görlitz bringen durch ihre aktive Mitarbeit im Projektkonsortium die neuen Technologien zur Anwendung.

Die in VESUV eingesetzten Software-Assistenten sind in der Lage zu kommunizieren, zu verhandeln, Sachlagen zu bewerten und eigene Entscheidungen zu treffen. Falls zur Erledigung ihrer Aufgabe erforderlich, können sie sogar zwischen verschiedenen Computern im Internet hin- und herreisen. Bei ihren Entscheidungen berücksichtigen sie die Vorlieben ihres Besitzers. Dabei wird die informationelle Selbstbestimmung des Nutzers bewahrt und die Transaktionen werden sicher und rechtsverbindlich durchgeführt.

Die Einbindung rechtswissenschaftlicher und sicherheitstechnischer Kompetenz garantiert in diesem interdisziplinären Forschungsprojekt, dass die digitalen Helfer Datenschutz- und Sicherheitsinteressen der Nutzer berücksichtigen. Gewährleistet wird dies durch die Umsetzung technischer und organisatorischer Sicherheitsmaßnahmen wie Verschlüsselung, gesetzeskon-former Signaturverfahren und Pseudonymisierung.

Das Projekt VESUV baut auf den technischen Ergebnissen des Leitprojektes des Bundes "Multi-media-Arbeitsplatz der Zukunft (MAP)" auf, welches ebenfalls durch das BMWA gefördert wurde. An diesem war die Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung (provet) der Universität Kassel ebenfalls beteiligt. VESUV führt somit aktuelle Forschungsergebnisse in die Anwendung.

Die Arbeit des interdisziplinären Projektteams orientiert sich stark an den individuellen Bedürf-nissen und Möglichkeiten der Anwender: So können Fremdenverkehrsbetriebe, Städte und Gemeinden die in VESUV integrierten Technologien nutzen, um ihren Bürgern und Besuchern qualitativ hochwertige mobile Informationen anzubieten.

Stefanie Fischer-Dieskau | Universität Kassel
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de
http://www.vesuv-projekt.de

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