Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pilotprojekt für die gesamte Bundesrepublik: Online-Wahlen an der Hochschule Bremerhaven

06.09.2000


"Deutschland 21 - Aufbruch in das Informationszeitalter" heißt eine Initiative der Bundesregierung. Die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten des Internet und die Einbindung breiter Bevölkerungsschichten in die
virtuelle Welt stehen dabei im Vordergrund. So soll auch die Beteiligung der Bürger an politischen Prozessen mittels Online erhöht werden. Geplant ist, bei Wahlen neben dem Urnengang oder der Briefwahl auch die Stimmabgabe übers Internet anzubieten. Dazu sind jedoch technische Systeme erforderlich, die Betrug unmöglich machen, zuverlässig gegen Angriffe und Ausfälle geschützt sind und den hohen Anforderungen an Wahlen gerecht werden. An der Hochschule Bremerhaven werden nun - als Pilotprojekt für die gesamte Bundesrepublik - Online-Wahlen durchgeführt. Alle Gremien werden künftig auch online gewählt. Das ist bisher an keiner Hochschule in Deutschland möglich. Einzig die Universität Osnabrück hat schon das Studierendenparlament online wählen lassen, aber nicht alle Hochschulgremien.
Die Wahlen zum AStA, zum Akademischen Senat und zu den Fachbereichsräten im Herbst werden erstmals auch online per digitale Signatur möglich sein. "Wir arbeiten zurzeit an der Überarbeitung der Wahlordnung der Hochschule. Sie muss angepasst werden", erklärt dazu Professor Dr. Hans-Albert Kurzhals, Rektor der Hochschule Bremerhaven. Er erhofft sich von der Online-Wahl eine verbesserte Wahlbeteiligung der Studenten. Die liegt derzeit bei 10 Prozent. Wer bei der Online-Wahl dabei sein will, braucht eine Chipkarte und ein Lesegerät. "Beides wird in nächster Zeit zu erschwinglichen Preisen an unsere Studenten herausgegeben", sagt Heinz Feldmann, Kanzler der Hochschule Bremerhaven. Die Chipkarte wird nach seinen Angaben rund 10 Mark kosten, das Lesegerät 20 Mark.

Um die Nutzung digitaler Signaturen zu erproben und zu fördern, schrieb die Bundesregierung im Jahre 1998 den Städtewettbewerb Multimedia "Media@Komm" aus. In einem Feld von 136 Teilnehmern setzte sich Bremen als einer von drei Preisträgern durch. Mit Bundesmitteln wird seither die praktische Umsetzung von Online-Diensten geprobt. Zentraler Ansatzpunkt sind die Bedürfnisse und Lebenslagen der Bürger. Die Entwicklung elektronischer Dienste für Studierende ist ein Teilprojekt. Es wird von Projektgruppen an der Universität Bremen sowie der Hochschule Bremen und der Hochschule Bremerhaven bearbeitet. Ziel ist es, die Verwaltungsangelegenheit der Studenten durch Online-Dienste zu erleichtern, sie jeder Zeit zugänglich zu machen. So sollen in Bremerhaven schon zum Ende dieses Jahres die Anmeldung zu Prüfungen, Bibliotheksdienste, der Ausdruck von Bescheinigungen und Leistungsnachweisen etc. online möglich sein.

Dass das Pilotprojekt der Bundesregierung zur Online-Wahl nun in Bremerhaven durchgeführt wird, hat mehrere Gründe. Die umfassenden Erfahrungen im Lande Bremen im Rahmen des "Media@Komm"-Projektes spielten ein Rolle. Des Weiteren ist die Hochschule Bremerhaven mit seinen rund 1.500 Studenten zum Wintersemester 2000/2001 ein kleines, überschaubares Testfeld. Die anderen Hochschulen im Lande Bremen lehnen noch Online-Wahlen ab. Vor allem die Studenten der Universität Bremen sowie der Hochschule Bremen haben große Vorbehalte, fürchten um den Datenschutz. "Wir haben damit keine Probleme, sind vom Stand der Technik überzeugt", meint dagegen Christina Meyer, Erste Vorsitzende des AStA-Bremerhaven.

Das Projekt zur Vorbereitung von Wahlen im Internet ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Neben der Hochschule Bremerhaven haben weitere Partner aus Wirtschaft, Verwaltung, Parteien und Verbänden der Teilnahme zugestimmt. So wird es zum Beispiel Online-Abstimmungen bei den Wahlen zur Vollversammlung der IHK Bonn, zur Arbeitnehmerkammer Bremen und zur Oberbürgermeisterwahl in Cottbus geben.

Zum Stichwort "Digitale Signatur": Digitale Signaturen beruhen darauf, dass eine Person einen geheimen privaten und einen öffentlichen Schlüssel besitzt. Mit dem privaten Schlüssel auf der Chipkarte wird nach Eingabe einer sechs- bis zehnstelligen PIN eine personen- und dokumentspezifische Signatur erzeugt. Diese wird dem Dokument wie ein Siegel angehängt. Der Empfänger kann jederzeit mit dem öffentlich abrufbaren Schlüssel des Absenders die Signatur überprüfen und feststellen, von wem das Dokument tatsächlich stammt und ob während der Übertragung nicht manipuliert worden ist. Digitale Signaturen erhöhen die Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit im elektronischen Geschäftsverkehr. Die Trennung von privatem und öffentlichem Schlüssel erlaubt rechtsverbindliche Aktionen mit unterschiedlichen Partnern, ohne sich jedes Mal persönlich identifizieren zu müssen. So könnte die Flut an Plastikkarten und PIN-Codes bald der Vergangenheit angehören. Zur Nutzung einer digitalen Signatur braucht man eine Chipkarte, einen PIN und ein Lesegerät.

Dipl.Pol. Daniela Krause-Behrens |

Weitere Berichte zu: Chipkarte Lesegerät Online-Wahl PIN Signatur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht
18.01.2017 | Technische Universität Berlin

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik