Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Saarbrücker Informatiker machen Computer-Bilder realistisch

04.11.2004


Interaktive Darstellung eines Autoscheinwerfers mit komplexen Spiegelungen und Reflexionen mit Hilfe von Ray-Tracing. Heutige Graphiktechnologie kann solche Effekte gar nicht berechnen. Foto: Prof. Philipp Slusallek, Universität des Saarlandes und inTrace GmbH


Von detailgetreuen Computer-Prototypen bis hin zum Computerspiel: Eine neue Technologie, die an der Saar-Uni entwickelt wurde, ermöglicht fotorealistische Computergraphik.

... mehr zu:
»Computergraphik »Ray-Tracing

Obwohl erst Anfang letzten Jahres als Spin-off des Lehrstuhls für Computergraphik von Prof. Dr.-Ing. Philipp Slusallek und einigen Mitarbeitern gegründet, zählt die Firma inTrace GmbH heute bereits Großkonzerne wie Volkwagen, Audi und EADS/Airbus zu ihren Kunden und kooperiert mit bedeutenden US-Firmen wie Boeing, Intel und SGI. So wurde erst im letzten Monat ein Großauftrag für die Graphiktechnologie des neuen VW-Visualisierungszentrums in Wolfsburg erfolgreich abgeschlossen.

Das VW-Visualisierungszentrum, in dem das Top-Management seine virtuellen Design-Reviews durchführt, wurde weltweit erstmalig mit der neuen "Echtzeit-Ray-Tracing"-Technologie der Firma inTrace ausgestattet. Diese Technologie erlaubt es den Entscheidern von VW an Hand von interaktiv auf dem Computer erzeugten fotorealistischen Bildern das Design von neuen Automodellen schon in sehr frühem Stadium zu beurteilen, ohne dass erst zeitraubend teure 1:1-Modelle gebaut werden müssen. Dabei ist die Bildqualität der in Originalgröße dargestellten 3D-Modelle gegenüber früheren Lösungen so gut, dass es für das Management heute kein zurück mehr zu der alten Technik gibt. Statt dessen denkt VW über den Bau ähnlicher Zentren in China und an anderen Standorten des Konzerns nach. Inzwischen hat sich das auch bei der Konkurrenz herumgesprochen, so dass auch BMW, Daimler Chrysler und einige Zulieferer konkret über einen Einsatz der neuen Technologie aus dem Saarland nachdenken.


Die Produkte der Firma inTrace gehen auf die Forschungsergebnisse des Lehrstuhls für Computergraphik an der Universität des Saarlandes zurück. Als Prof. Slusallek 1999 von der Stanford University nach Saarbrücken wechselte, machte er es sich zur zentralen Aufgabe, die Technik des Ray-Tracings schneller zu machen: Diese schon seit 20 Jahren für ihre herausragende Bildqualität bekannte Methode lief sehr viel langsamer als die heute bei PCs übliche Rasterisierungstechnik und war so nicht marktfähig.

Seitdem hat sich Ray-Tracing zu einem ernsten Konkurrenten heutiger Graphiktechnologie entwickelt. Schon frühzeitig konnte die Geschwindigkeit um den Faktor 30 erhöht werden. Zusätzlich kann die Leistung durch das Zusammenschalten vieler PC fast beliebig gesteigert werden. So setzt VW zum Beispiel 39 Dual-Prozessor-PCs in seinem Visualisierungszentrum ein, um die dort notwendige Leistung zu erreichen. Allerdings ist man in den Forschungslabors von Prof. Slusallek schon viel weiter: Dort laufen die ersten Prototypen von neuartigen Graphikprozessoren (RPUs: Ray-Processing-Units), die noch höhere Leistungen auf einem einzigen kleinen und billigen Chip konzentrieren und so die neue Technologie auch für den Massenmarkt tauglich machen sollen.

Ray-Tracing kann aber nicht nur zur fotorealistischen Darstellung von Autos benutzt werden. Die Forscher um Prof. Slusallek nutzen diese Technologie bereits heute auch für die Visualisierung von medizinischen Volumendaten, für die interaktive Simulation von komplexen Beleuchtungsszenarien in beliebigen 3D-Szenen, für die Darstellung extrem großer Modelle wie einer kompletten Boeing 777 (Bildmaterial im Internet, s.u.). Die neue Technik ermöglicht auch ganz neue Arten von Computerspielen, die deutlich realistischer und interaktiver sein werden. Darüber hinaus gibt es auch eine ganze Reihe an Ray-Tracing-Anwendungen außerhalb der Computergraphik, die in Kooperation mit anderen Forschungsinstituten untersucht werden.

Die Firma inTrace ist nur ein Beispiel für die Innovationskraft der Saarbrücker Informatik. Gerade durch die enge Verzahnung der gesamten Innovationskette von der Grundlagenforschung über angewandte Forschung und Prototypenentwicklung bis hin zur kommerziellen Umsetzung können die in Deutschland oft beklagten Innovationshürden überwunden werden. Dazu haben sich die zahlreichen Forschungsinstitute rund um den Saarbrücker Campus kürzlich zu dem "Kompetenzzentrum Informatik Saarland" unter Leitung von Prof. Slusallek zusammengeschlossen. Interessierten Firmen kann so die ganze Palette innovativer Informatikforschung aus einer Hand angeboten werden. Erste Kooperationsgespräche mit Firmen wie IBM und Volkwagen bestätigen diese neue Strategie. Ganz nebenbei entstehen so natürlich auch hochqualifizierte Arbeitsplätze im Saarland.

Veranstaltungen zur neuen "Echtzeit-Ray-Tracing"-Technologie

Zum Thema "Realtime-Ray-Tracing für industrielle Anwendungen" wird am 18. November 2004 auf dem Campus ein Industrieseminar stattfinden. Nähere Informationen unter http://graphics.cs.uni-sb.de/Seminare

Das neue Ray-Tracing wird auch im Zentrum einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung zum Thema Computergraphik stehen, zu der Professor Slusallek am 6. Dezember 2004 um 16 Uhr in Gebäude 45, Hörsaal 2 auf dem Saarbrücker Campus einlädt. Mitdiskutieren werden unter anderem der Chief Scientist von Nvidia, dem weltgrößten Hersteller von (traditionellen) Graphikchips, David Kirk, und Peter Shirley von der University of Utah.

Sie haben Fragen? Dann setzen Sie sich bitte in Verbindung mit Prof. Philipp Slusallek Tel. (06 81) 3 02-38 31 oder Email: slusallek@cs.uni-sb.de

Claudia Ehrlich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-sb.de
http://graphics.cs.uni-sb.de/Seminare

Weitere Berichte zu: Computergraphik Ray-Tracing

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Roboter-Navigation über die Cloud
11.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Neuer Kaba Zylinder mit Service-Funktion: Zeitlich begrenzter Zutritt für Servicepersonal
07.12.2017 | dormakaba Deutschland GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Goldmedaille für die praktischen Ergebnisse der Forschungsarbeit bei Nutricard

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Nachwuchs knackt Nüsse - Azubis der Friedhelm Loh Group für Projekte prämiert

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen

11.12.2017 | Medizin Gesundheit