Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Dimension im Mobilfunk: 360 MBit/s übertragen

22.09.2004


Mit einer Kombination zweier Funktechniken haben Siemens-Forscher eine neue Dimension bei der Datenübertragung im Mobilfunk erreicht: Sie übertrugen bis zu 360 Megabit pro Sekunde (MBit/s), das ist rund hundertmal schneller als der leistungsfähigste DSL-Anschluss. Zudem vergrößerten sie die Reichweite der Funkzelle deutlich. Die Forscher verwendeten dazu die OFDM-Technik und das Multi-Hop-Verfahren, das mit speziellen drahtlosen Basisstationen arbeitet. Die Versuche sind ein Schritt in Richtung hohe Datenraten, die nach Expertenansicht in etwa zehn Jahren zum Standard gehören werden.


Forschung bei Siemens - Labor- und Feldtest liefert Spitzengeschwindigkeit für Mobilfunk von bis zu 360 Megabit pro Sekunde



Die Forscher übertrugen mit diesen Techniken Videos, Audio-Dateien und eine Konferenz mit Microsoft Netmeeting, die besonders hohe Anforderungen an die Übertragungsqualität stellt. Als Grundfrequenz wählten sie fünf Gigahertz. Das ist ein Bereich, in dem zukünftige kommerzielle Übertragungskanäle liegen dürften. Die Bandbreite von 100 Megahertz (MHz) teilten sie in 256 eng benachbarte Trägerfrequenzen auf, die sich gegenseitig nicht stören. Dieses Orthogonal Frequency Division Multiplexing (OFDM) schützt die Signale weitestgehend vor Störungen wie Echos, die durch Reflexionen an Gebäuden entstehen. Das seit langem bekannte Verfahren ist neu für den Mobilfunk, wird aber heute bei Wireless LAN oder dem digitalen Fernsehen (DVB) und Rundfunk (DAB) angewandt.

... mehr zu:
»Bandbreite »Basisstation »MHz »Mbit/s »Mobilfunk


Neu ist auch die Kombination mit dem Infrastruktur-Konzept des Multi-Hop, das eine Weiterleitung von Signalen ermöglicht, wenn eine direkte Übertragung zwischen Basisstation und Handy unmöglich ist. Da die Wellenausbreitung bei fünf Gigahertz von Gebäuden oder beweglichen Hindernissen stärker gestört wird als etwa bei den Übertragungsfrequenzen von GSM oder UMTS, muss die Funkabdeckung vergrößert werden. Dazu dienen die Multi-Hop-Stationen, die als Mischung aus Basisstation, Verstärker und Router konzipiert sind und bei Bedarf Signale von Zelle zu Zelle weiterreichen.

Bei einem Feldversuch in der Münchner Innenstadt arbeiteten die Forscher mit einer Basisstation mit vier Meter hohen Antenne, dessen Signal über eine Multi-Hop-Station in eine belebte Einkaufsstraße weitergeleitet wurde. Die Bandbreite betrug hier 20 MHz. Dadurch erreichten sie eine maximale Übertragungsrate von 72 MBit/s. Trotz der geringen Sendeleistung von 200 Milliwatt konnten selbst zu einem 500 Meter entfernten Endgerät noch drei MBit/s übertragen werden. Derzeit arbeitet das Forscherteam an Verfahren mit mehreren Antennen im Empfänger und Sender, um die Datenrate weiter zu steigern. Außerdem wollen sie die noch beschränkte Mobilität des Endgeräts erhöhen.

Das bei den Versuchen verwendete Mobilteil hat wenig Ähnlichkeit mit einem heutigen Handy. Das Gerät wiegt mehrere dutzend Kilogramm und steckt in einer großen Box. Das Experimentalsystem wurde im Rahmen des Projekts Coverage gebaut und wird nun im Projekt 3GET eingesetzt, das etwa zur Hälfte vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. An dem bis 2007 laufenden Projekt sind neben Siemens weitere führende Mobilfunkausrüster wie Nokia oder Ericsson beteiligt.

Dr. Norbert Aschenbrenner | Siemens InnovationNews
Weitere Informationen:
http://www.siemens.com

Weitere Berichte zu: Bandbreite Basisstation MHz Mbit/s Mobilfunk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Sparsame Zeitsynchronisierung von Sensornetzen mittels Zeitreihenanalyse
24.01.2017 | Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

nachricht Viele glauben, Industrie 4.0 kann man kaufen
24.01.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie