Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

PREMIUM schafft neue Märkte für digitale Güter

30.08.2004


Darmstädter Wissenschaftler erforschen innovative Mehrwertdienste im Kontext von Preis- und Erlösmodellen für das Internet



Wissenschaftler vom Fachgebiet Sicherheit in der Informationstechnik der TU Darmstadt entwickeln unter der Leitung von Prof. Dr. Claudia Eckert im Rahmen des durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts PREMIUM (Preis- und Erlösmodelle für das Internet - Umsetzung und Marktchancen) innovative Mehrwertdienste für Preis- und Erlösmodelle für das Internet. Das Projekt startete Ende 2003 und ist auf vier Jahre angelegt.



Wenn Informatiker von Mehrwertdiensten sprechen, denken sie allerdings nicht an Karl Marx. Der Begriff bezeichnet vielmehr solche Dienste, die nicht zum Kern einer Dienstleistung gehören, sondern für den Kunden einen darüber hinaus gehenden Mehrwert oder zusätzlichen Nutzen haben. Ein Beispiel hierfür ist das Telefonnetz, das ursprünglich nur zum Telefonieren verwendet wurde. Später kamen Mehrwertdienste hinzu wie Fax und Datenübertragung, die aber mittlerweile selbst zum Kernangebot gehören.

Erlösmodelle bestimmen ihrerseits die Art und Weise, wie die Güter angeboten werden. Ein Beispiel für ein Erlösmodell ist ein Abonnement. Preismodelle betreffen dagegen grundsätzlich die Festlegung von Preisen für die angebotenen Produkte. Die zentrale Frage ist nun, auf welche Art welche Güter/Dienstleistungen zu welchem Preis angeboten werden. Güterkombinationen wie z. B. Flug, Unterkunft und Auto und deren optimale Preisgestaltung werden dabei ebenfalls betrachtet. Der Preis kann sich aber auch dynamisch entwickeln wie etwa bei der Internetbörse eBay.

Projektziele

Das Projekt PREMIUM zielt darauf, innovative Technologien, insbesondere Sicherheitstechnologien, zu entwickeln und bereitzustellen, die neue Geschäftsmodelle im Internet möglich machen. Dabei geht es vor allem darum, Vertrauen zwischen den Geschäftspartnern zu schaffen. Das kann Gewissheit über den sicheren Erhalt von Geld bzw. Ware bedeuten, kann aber auch Aspekte des Datenschutzes wie z. B. die Vermeidung von Datenmissbrauch umfassen.

Die zu entwickelnden Mehrwertdienste sollen die Akzeptanz neuer Preis- und Erlösmodelle sowohl für die Kunden als auch für die Anbieter steigern. Um dieses Ziel zu erreichen, werden auf IT-Sicherheitstechnologie basierende, neuartige Konzepte entwickelt, die bestehende Geschäftsmodelle sinnvoll ergänzen und erweitern, so zum Beispiel Konzepte für innovative Kundenbindungssysteme, Digital Rights Management und Reputationsmanagement für P2P-Netze.

Kundenbindungssysteme

In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Sichere Telekooperation (SIT) in Darmstadt entwickelt das Projektteam Kundenbindungssysteme, die sowohl die Interessen der Händler als auch die der Kunden berücksichtigen. Analog zu Rabattsystemen in der realen Welt wurden für das Internet digitale Wertmarken entwickelt, die vom Händler zur besseren Kundenbindung an seine Kunden verteilt werden können. Um die Akzeptanz bei Kunden zu steigern, steht die datenschutzfreundliche Gestaltung dieser Systeme im Vordergrund. Dies soll u. a. verhindern, dass die gesammelten Informationen zu "gläsernen Kunden" führen und entsprechend missbraucht werden können. Im Rahmen von PREMIUM werden nachweisbar sichere Protokolle entworfen und implementiert, die diese Gefahr abwehren.

Digital Rights Management

Ein weiterer Themenschwerpunkt ist die technische Umsetzung von Erlösmodellen für digitale Güter (Digital Rights Management). Hier geht es vor allem um die Wahrung der Interessen der Urheber, also um die Ausweitung des Urheberschutzes auf digitale Medien.

Digitale Güter wie etwa Musik oder Software haben spezifische Eigenschaften; sie. können z. B. im Gegensatz zu physischen Gütern auf einfache Art und Weise vervielfältigt (kopiert) und verbreitet werden. Wenn ein Kunde ein digitales Gut kauft, erwirbt er i. d. R. das Recht, über dieses Gut verfügen zu können. Ungeklärt sind bislang in diesem Zusammenhang Fragen der Übertragbarkeit digitaler Rechte. Dazu gehört u. a. die Frage, in welcher Form, an wen und wofür digitale Rechte z. B. durch Weiterverkaufen oder Verschenken übertragen werden können. Zu klären ist auch, auf welche Weise diese Übertragung technisch so abzusichern ist, dass sich niemand unbefugt diese Rechte aneignen kann zu Lasten der Kunden oder Anbieter. Die Beantwortung dieser Fragen sowie die Erhebung von Kunden- und Anbieterinteressen werden u. a. im Projekt PREMIUM bearbeitet.

Reputationsmanagement für P2P-Netze

Das dritte zentrale Thema ist das Reputationsmanagement für P2P-Netzwerke, das in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe KOM Multimedia Communications der TU Darmstadt unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Ralf Steinmetz bearbeitet wird. P2P steht für Peer-To-Peer und beschreibt eine technische Umgebung, in der die Teilnehmer direkt miteinander kommunizieren. Bekannt wurde P2P durch das Entstehen von Tauschbörsen, z.B. Napster, in denen digitale Inhalte wie Musik und Software zum Herunterladen bzw. Tauschen bereitgestellt werden.

Reputationsmanagement hat dabei zum Ziel, durch entsprechende Mechanismen in offenen und u. U. anonymen Netzen Vertrauen zu schaffen. Im P2P-Kontext bedeutet dies, dass Kommunikationspartner sich einerseits verlässlich über ihre Gegenüber und andererseits über die angebotenen Dienstleistungen informieren können. Das Bewertungssystem von eBay ist beispielsweise eine Ausprägung von Reputationsmanagement.

PREMIUM zielt hier auf die Entwicklung von Diensten, welche die kommerzielle Nutzung von P2P-Technologien ermöglichen. P2P-Netze zeichnen sich durch ihre hohe Dynamik und Offenheit aus, zu der aber ein gewisses Maß an Anonymität gehört. Letzteres ist sicher auch ein Grund dafür, dass Vertrauen von Nutzern in Dienste, die über P2P-Netze angeboten werden, noch nicht in ausreichendem Maß vorhanden ist. Das macht den Start eines kommerziellen Dienstes im Internet für Anbieter u. U. problematisch.

Um Vertrauen zu schaffen, müssen Kommunikationspartner deshalb die Möglichkeit haben, einerseits die Identität ihres Gegenübers verlässlich feststellen zu können, andererseits brauchen sie Gewissheit im Hinblick auf die Qualität der in P2P-Netzen angebotenen kommerziellen Gütern und Dienstleistungen. Diese beiden Teilaspekte sind die Säulen des Reputationsmanagements für P2P-Netze. Die Entwicklung von Mechanismen für ein solches Reputationsmanagement in P2P-Netzen rundet die inhaltlichen Schwerpunkte des PREMIUM-Projekts ab.

Kontakt: Omid Tafreschi, Fachgebiet Sicherheit in der Informationstechnologie, Fachbereich Informatik der TUD, e-Mail: omid.tafreschi@sec.informatik.tu-darmstadt.de, Tel. 06151/869705

Sabine Gerbaulet | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-darmstadt.de

Weitere Berichte zu: Erlösmodell Güter P2P-Netz PREMIUM Reputationsmanagement

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb
27.06.2017 | FOKUS - Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme

nachricht Überschwemmungen genau in den Blick nehmen
27.06.2017 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

Plants are networkers

19.06.2017 | Event News

Digital Survival Training for Executives

13.06.2017 | Event News

Global Learning Council Summit 2017

13.06.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive