Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Privatsphäre beim Einsatz von Funk-Etiketten

13.08.2004


HU-Forscherteam empfiehlt Lösung zum Schutz der Privatsphäre beim Einsatz von RFID-Etiketten



"Und hier haben wir noch die passende Krawatte zu dem Jackett, dass sie vor zwei Wochen in unserer Münchener Filiale gekauft haben." - Wenn sich der Kunde jetzt wundert, wie gut die Verkäuferin in der Berliner Zweigstelle des Geschäfts informiert ist, könnte die Antwort darauf RFID heißen.



RFID steht für Radio-Frequenz-Identifikation, einem Verfahren, dass die bekannte Barcode-Technik durch kleine Funk-Chips ersetzen soll. Diese sogenannten RFID--Tags identifizieren jeden gekauften Gegenstand eindeutig und vor allem dauerhaft, da der Funk-Chip ohne Batterie auskommt. In Kombination mit leistungsfähigen Datenbanken lässt sich der Weg eines jeden Artikels lückenlos nachvollziehen. Diese für die Logistik sehr nützlichen Informationen bergen aber erhebliche Gefahren für den Datenschutz: Alle Informationen bis hin zur Seriennummer lassen sich ohne geeignete Gegenmaßnahmen per Funk auslesen, je nach Frequenzbereich über relativ große Distanzen und vor allem unbemerkt.

Die Wissenschaftler des Berliner Forschungszentrums Internetökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin empfehlen daher ein passwortbasiertes Verfahren, dass es dem Verbraucher erlaubt, über die Lesbarkeit der RFID-Informationen nach dem Kauf selbst zu bestimmen. Die Informationen werden nach dem Einkauf nicht einfach gelöscht, sondern nur deaktiviert. Durch Eingabe eines Passwortes in ein RFID-Lesegerät (z.B. ein spezielles Handy) kann er "seine" Tags nach Bedarf reaktivieren oder deaktivieren. So liegt die Macht über die Nutzung der Daten nach dem Kauf alleine in der Hand des Verbrauchers. "Das von uns entwickelte Verfahren gewährleistet einen verlässlichen Schutz der Privatsphäre." bestätigt Dipl. Inf. Oliver Berthold vom Institut für Informatik an der Humboldt-Universität. "Allerdings ist es notwendig, dass die Industrie bereit ist, mehr in die für den Massenmarkt vorgesehenen Chips zu investieren."

Einige Anbieter nehmen den Schutz der Privatsphäre ihrer Kunden bereits heute schon sehr ernst. So gibt es beispielsweise im Metro Future Store, der die RFID-Technologie testet, eine eigene Station zum Löschen der hier versuchsweise eingesetzten RFID-Tags. Doch werden dabei die im Chip vorhandenen Informationen nach dem Einkauf unwiederbringlich gelöscht. Bei einem solchen Verfahren gehen deshalb auch die Vorteile von RFID für den Endverbraucher verloren. Da jedoch schon heute viele Dienstleistungen, wie etwa intelligente Heimanwendungen oder Produktrecycling auf Basis von ’lebenden’ Chips geplant werden, kann, so ist das Berliner Forschungsteam überzeugt, das Löschen der Chips nicht die Antwort sein. "Es ist entscheidend, dass sich ein standardisierter Prozess für das Deaktivieren aller Chips am Ladenausgang durchsetzt. Zu viele Insellösungen könnten dazu führen, dass Investitionen in den technischen Datenschutz versanden", sagt Dr. Sarah Spiekermann, Geschäftsführerin des Forschungsprojekts.

Kontakt: Dipl.-Ing. Clemens Rath, Forschungszentrum Internetökonomie, Institut fuer Wirtschaftsinformatik, Tel. (030) 2093 5662, crath@wiwi.hu-berlin.de

Heike Zappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.hu-berlin.de

Weitere Berichte zu: Datenschutz Einkauf Internetökonomie Privatsphäre RFID

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Geheime Datensammler auf dem Smartphone enttarnen
21.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Wafer zu Chip: Röntgenblick für weniger Ausschuss
21.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie