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Geschäftsprozesse flexibel unterstützen mit ADEPT Adaptive Prozess-Management-Technologie aus Ulm

06.04.2004

Unternehmen, die am Markt erfolgreich sein wollen, müssen sich immer rascher auf neue Gegebenheiten einstellen. Vielfach führt dies zu Änderungen in den internen Strukturen und Abläufen einer Organisation, zu neuen Formen der Zusammenarbeit mit Partnern, Zulieferern und Kunden oder zu anderen mehr oder weniger gravierenden Veränderungen. Sehr oft betreffen diese Änderungen nur einen bestimmten Geschäftsfall bzw. Geschäftsprozess, möglicherweise sogar nur einen einzelnen Geschäftspartner.

Die Fähigkeit, Geschäftsprozesse (z. B. Bearbeitung eines Kreditantrags oder Behandlung eines Patienten) bei Bedarf zu individualisieren, wird zukünftig ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor sein, ähnlich wie kundenspezifisch konfigurierte Serien-Pkw, vor nicht allzu vielen Jahren noch undenkbar, heute eine Selbstverständlichkeit sind. Eine einzelfallbezogene bzw. individuelle Handhabung von Geschäftsprozessen lässt sich aber nur dann mit vertretbarem Verwaltungsaufwand und Fehlerrisiko bewältigen, wenn dies durch die eingesetzte Unternehmenssoftware in geeigneter Weise unterstützt wird. Insbesondere gilt es, die heute funktions- und datenzentrierten Sichten, bei denen Prozesse nur in den Köpfen der Mitarbeiter oder versteckt in der Anwendungssoftware vorhanden sind, konsequent aufzubrechen. Prozessänderungen sind in diesem Umfeld ansonsten nicht nur fehlerträchtig, sondern mit einem hohen Aufwand an Personal, Kosten und Zeit verbunden.

Benötigt wird eine Software-Technologie, die in umfassender, ganzheitlicher Weise Geschäftsprozesse ausführen, verwalten und überwachen kann. Die in Form von sogenannten Workflow-Management-Systemen derzeit kommerziell verfügbare Technologie wird diesem Anspruch ebensowenig gerecht wie gängige Branchensoftware. Beide greifen hinsichtlich der Funktionalität zu kurz. Auch Flexibilitäts- und Wartungsaspekte werden vernachlässigt. Insbesondere die starre Implementierung der Prozesse mit der Folge, dass von dem einmal hinterlegten Ablauf bei der Prozessausführung nicht mehr abgewichen werden kann, stellt für den praktischen Einsatz ein ernsthaftes Hindernis dar.

Die Antwort auf die Erfordernisse heißt adaptive Prozess-Management-Technologie, wie sie derzeit im ADEPT-Forschungsprojekt an der Universität Ulm entwickelt wird. Die ADEPT-Forschungsgruppe der Abteilung Datenbanken und Informationssysteme (Leitung Prof. Dr. Peter Dadam) arbeitet seit 1995 an einer innovativen Software-Technologie für die flexible Unterstützung und Steuerung von Geschäftsprozessen. ADEPT steht für Application Development Based on Pre-modeled Encapsulated Process Templates. Der ADEPT-Ansatz markiert derzeit - auch im internationalen Vergleich - die Spitze des technologischen Fortschritts im Bereich adaptiver Prozess-Management-Software.

Die von den Ulmer Forschern konzipierte und entwickelte ADEPT-Software bietet eine prozessorientierte Sicht- und Denkweise, erlaubt die rasche und kostengünstige Realisierung neuer Prozesse (Prozesstypen), integriert sowohl eigenentwickelte als auch zugekaufte Anwendungskomponenten prozessorientiert, gestattet einzelfallbezogene Abweichungen der Anwender vom vorgeplanten Prozess, ermöglicht es, Änderungen am Geschäftsprozess (Prozesstyp) auf bereits laufende Einzelprozesse dieses Typs zu übertragen und bietet umfangreiche Prozessunterstützungsfunktionen (z. B. für das Termin-Management und die Verwaltung von Arbeitslisten).

Glanzlicht der ADEPT-Arbeiten ist zweifelsohne der Ansatz für dynamische Prozessänderungen. Er ermöglicht es zum einen, notwendige Prozessanpassungen (z. B. infolge gesetzlicher Änderungen) rasch in die EDV-Systeme zu übertragen und sie im Prinzip »per Knopfdruck« auch auf bereits laufende Geschäftsfälle anzuwenden (sogenannte Prozessschema-Evolution). Zum anderen können autorisierte Anwender bei der Ausführung einzelner Geschäftsfälle (z. B. dem Behandlungsfall eines bestimmten Patienten) flexibel vom vorgeplanten Ablauf abweichen (z. B. durch Hinzunahme oder Überspringen von Prozess-Schritten). Dadurch kann softwareseitig auf Ausnahmesituationen reagiert oder der Prozess dynamisch erweitert werden. Auch für den Fall solcher dynamischen Prozessanpassungen wird sichergestellt, dass das prozessorientierte Informationssystem für den EDV-Laien bedienbar bleibt und kein Verlust an Robustheit und Stabilität eintritt.

Insgesamt bilden die ADEPT-Konzepte und -Methoden einen Meilenstein in der Weiterentwicklung heutiger Prozess-Management-Technologie. Derartige Software wird im Rahmen der IT-Infrastruktur von Unternehmen schon bald eine Schlüsselrolle spielen und sich als unverzichtbare, allgemein nutzbare Software-Technologie zur flexiblen Gestaltung und Steuerung von Geschäftsprozessen erweisen. Hervorzuheben ist insbesondere auch ihre Anwendungsneutralität: sie kann zur Modellierung und Steuerung von Geschäftsprozessen unterschiedlicher Anwendungsdomänen eingesetzt werden (so zum Beispiel für Prozesse aus dem Krankenhaus-, Finanzdienstleistungs- oder Entwicklungsbereich).

ADEPT ist das Flagschiff-Projekt der Ulmer Abteilung Datenbanken und Informationssysteme. Es bietet eine zukunftsträchtige Software mit einer technologischen Substanz, wie sie nur wenige Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit im Hochschulbereich vorzuweisen haben. Die ADEPT-Arbeiten haben sich mittlerweile in einem Vorproduktstatus erreichenden Prototyp niedergeschlagen, der von verschiedenen Forschungsgruppen aus aller Welt eingesetzt wird. Die in 2003 mit einem doIT-Software-Award des Landes Baden-Württemberg prämierte ADEPT-Software, die auch als Exponat auf mehreren CeBIT-Messen zu sehen war, weist die Implementierbarkeit und das Zusammenspiel der entwickelten Konzepte nach und zeigt, dass Flexibilität, Robustheit und Performanz keine Widersprüche sein müssen. Sie stellt funktional eines der mächtigsten Systeme seiner Art dar und markiert im Bereich adaptiver Prozess-Management-Software derzeit die Spitze des technologischen Fortschritts.

Eine Prozess-Management-Software à la ADEPT ersetzt nicht die Implementierung der eigentlichen Anwendungskomponenten (z. B. der Software-Bausteine für Angebotserstellung, Befundschreibung oder Rechnungsstellung). Vielmehr bietet sie die technologische Basis für deren flexible Verknüpfung und Steuerung, das heißt sie stellt gewissermaßen den »Kleber« für die Komposition der im Unternehmen bereits eingesetzten bzw. später hinzukommenden Software-Komponenten dar.

Bis heute ist nicht wirklich verstanden, wie Technologien für die Entwicklung und Ausführung von Anwendungskomponenten mit Prozess-Management-Systemen harmonisch zusammenwirken können. Dieser Fragestellung gehen die Ulmer Forscher derzeit in dem vom Land Baden-Württemberg für drei Jahre geförderten Verbundprojekt »AristaFlow« nach. Dabei arbeiten sie mit Partnern aus der Forschung und Industrie (Lehrstuhl für Softwaretechnik der Universität Mannheim, SAP AG, All for One Systemhaus AG, Wilken GmbH sowie DaimlerChysler AG) zusammen.

Peter Pietschmann | Úniversität Ulm
Weitere Informationen:
http://www.informatik.uni-ulm.de

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