Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr als eine intelligente Suchmaschine

19.04.2001


... mehr zu:
»AR-SA »New »Time
„Alert-System“ erkennt Themen in Multimedia-Daten

Mercator-Universität präsentiert neue Software auf der Hannover Messe

Gleich mit drei Exponaten ist die Gerhard-Mercator-Univer­sität Duisburg diesmal auf der weltgrößten Industriemesse, der Hannover Messe (23.-28. April), vertreten. Der Erdgasre­former zur netzunabhängigen Stromversorgung aus der Brennstoffzellentechnologie und das „intelligente“ Stö­rungsfrühwarnsystem TELIS gehörten bereits im letzten Jahr zu den Exponaten. Erstmals in Hannvover präsentiert wird eine Software, die ungeahnte Möglichkeiten der In­formationsbeschaffung bzw. -filterung eröffnet. Denn mit dem „Alert-System“ lassen sich nicht nur Internetseiten durchsuchen, sondern auch Radio- und TV-Sendungen be­obachten, auswerten und archivieren.

Das Fachgebiet Technische Informatik (Fachbereich Elektrotech­nik) der Duisburger Hochschule beschäftigt sich mit Sprach- und Bilderkennung. Besonderes Interesse gilt dabei den zwei großen Anwendungsbereichen „Mensch-Maschine-Kommunikation“ und „Intelligente Multimedia-Informationsverarbeitung“. Viele Projek­te haben die Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Gerhard Rigoll bereits realisiert. Jetzt haben sie ein einzigartiges System zur automatischen Themenerkennung in Multimedia-Daten ent­wickelt. Das „alert system for selective dissemination of multi­media information“, kurz Alert-System, hilft dem Nutzer, aus dem übergroßen und oft unüberschaubaren Informationspool von Radio, Fernsehen und Internet die für ihn relevanten Aussagen herauszufiltern und weiterzuverarbeiten. 

Computer analysiert Sendungen

Noch geschieht die Informationsgewinnung aus TV- und Radiosen­dungen auf klassischem Wege: Ein Mensch sieht, hört, liest und wertet aus. Das ist enorm zeitaufwändig und für eine Firma, die beispielsweise die Konkurrenz beobachten oder ihre Medienprä­senz dokumentieren lassen möchte, auch sehr teuer. Beim Alert-System wird durch die automatische Analyse des Computers nicht nur Zeit und Geld gespart, sondern es können sogar gleichzeitig mehrere Programme rund um die Uhr beobachtet werden.

Doch wie funktioniert „Alert“? Beispiel TV-Nachrichtensendung: Alles, was gesagt wird, sei es vom Nachrichtensprecher, Reporter oder Interviewten, wird durch die automatische Spracherkennung in Text umgewandelt. Themen und Schlüsselwörter werden dabei erkannt und in einer Liste gespeichert. Die speziellen Interessen des Nutzers, die dieser per Schlüsselwörter definieren kann,

werden mit den registrierten Themen und Schlüsselwörtern aus der Sendung verglichen. Gefundene Übereinstimmungen werden angezeigt und dem Benutzer automatisch mitgeteilt (=alert). Da das System Themengrenzen wie auch die verschiedenen Teile einer Sendung (Moderation, Reportage etc.) erkennen kann, werden keine unnötigen oder gar unerwünschten Informationen versendet.

Für die Umwandlung von Sprache in Text wurde die Alert-Soft­ware gründlich trainiert. Aus Zeitungstexten, Audio- und Video-Material wurden bislang rund 350 Millionen Wörter verarbeitet. Ganz fehlerfrei ist der automatisch gewonnene Text nicht, und das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern. Denn Musiküberlagerungen oder starke Hintergrundgeräusche bei Reportagen führen zu Ungenauigkeiten bei der Textumwandlung.

Deshalb haben die Duisburger Wissenschaftler Methoden entwic­kelt, die weit über die herkömmliche Suche nach Schlüsselwörtern hinausgehen und einen inhaltsorientierten Zugriff ermöglichen. So wird man in Zukunft nach Radio- und Filmbeiträgen, etwa zum Thema „Ölpreis“, suchen können und dabei auch solche Ergeb­nisse erhalten, die ‑ ohne dass das Wort überhaupt auftaucht ‑ thematisch passen. Das Alert-System liest sozusagen zwischen den Zeilen.

„Alert“ ist dreisprachig

Sollte „Alert“ irgendwann marktreif sein (das System lässt sich auf jedem handelsüblichen PC installieren), könnte es vielfältig einge­setzt werden: bei der Medienanalyse, beim sogenannten Beobach­ten (Monitoring) tagesaktueller Informationen, aber auch bei be­ruflichen oder privaten Recherchen in großen Film- und Nachrich­tenarchiven. Und das alles in drei Sprachen, denn die Uni Duisburg entwickelt das System seit März letzten Jahres zusammen mit Partnern aus Deutschland, Frankreich und Portugal. Auch die EU hängt finanziell mit drin: rund 1,5 Mio Euro Fördergelder kommen aus Brüssel.

Das Projekt läuft noch bis Mitte 2002, aber schon jetzt versuchen die Wissenschaftler es auszuweiten. Die Voraussetzungen dazu haben sie bereits mit anderen Forschungsprojekten geschaffen. Etwa mit der Gesichtserkennung. So könnte „Alert“ darauf pro­grammiert werden, Personen in Filmen und Bildern zu registrieren und per Suchbefehl auch zu finden. Viele weitere interessante An­wendungen sind denkbar.

Das Alert-System wird während der Hannover-Messe auf dem Ge­meinschaftsstand „Forschungsland NRW“, Halle 18, Stand M12, präsentiert. Weitere Info im Internet unter http://alert.uni-duis­burg.de

Kontakt: Prof. Dr. Gerhard Rigoll, Tel 0203/ 379-4221, und Andre­as Kosmala, Tel. 0203/ 379-4223.

19 |

Weitere Berichte zu: AR-SA New Time

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze
25.05.2018 | Universität Ulm

nachricht Diagnose per Computer: Gefährliche Krankheitserreger mithilfe maschinellen Lernens erkennen
23.05.2018 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics