Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Organische Computer

25.09.2003


Organic Computing an der Universität Hannover



Durch die Fortschritte auf dem Gebiet der Rechnerarchitekturen seit Beginn der sechziger Jahre werden Computer bei gleichen Kosten immer leistungsfähiger oder bei gleichbleibender Leistung immer kleiner und schneller. Dabei nimmt auch die Komplexität der Systeme zu. Dies erfordert ein neues, mehr am Menschen als an der Technik orientiertes Nutzungs- und Kooperationsmuster. Daher müssen Computersysteme zukünftig stark an die Belange menschlichen Lebens und Zusammenlebens angepasst werden. Sie werden flexibler und autonomer - das heißt lebensähnlich -aufgebaut sein. Daher stammt die Bezeichnung "organisch".



Ein "organischer Computer" ist definiert als ein selbstorganisierendes System, das sich den jeweiligen Umgebungsbedürfnissen dynamisch anpasst. Organische Computer sind selbst konfigurierend, selbst optimierend, selbst heilend und selbst schützend.

Am Institut für Systems Engineering - Fachgebiet System- und Rechnerarchitektur (SRA - Prof. Dr. Christian Müller-Schloer) des Fachbereichs Informatik der Universität Hannover wurden in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Informatik (GI) und der Informationstechnischen Gesellschaft im VDE (ITG) Anwendungsszenarien für den "organischen Computer" entwickelt, wie sie etwa im Jahr 2010 erwartet werden.

Typische Anwendungsgebiete organischer Computer verdeutlichen, wie diese sich selbst heilen, schützen, optimieren und konfigurieren:

· Smart factory: Autonome Roboter können mit Hilfe spontaner Vernetzung Föderationen bilden, um anstehende Aufgaben zu erledigen. Dies kann beispielsweise im Falle von Energiemangel geschehen, der durch Zusammenschlüsse verhindert wird.

· Smart Warehouse: In einem intelligenten Warenhaus führt der elektronische Einkaufszettel den Kunden zu den preiswertesten Produkten. Der Einkaufswagen berechnet den Wert seines Inhalts und meldet ihn an die Kasse.

· Smart Network: Das Internet wird Anwender im Jahr 2010 als weltweiter, heterogen aufgebauter Parallelrechner (Grid) flexibel und anpassungsfähig mit Rechenleistung versorgen.

· Der vertrauenswürdige Computer: Seine Basis ist die Kombination aus Schutz durch Hardware-Maßnahmen und Kryptografie. Der vertrauenswürdige Computer kann auf eine Chipkarte reduziert werden, die über biometrische Sensorik fest an einen Benutzer gekoppelt ist.

· Der liebenswürdige Computer: Nicht mehr der Mensch bedient den Computer, sondern der Computer den Menschen. Ein Computer kennt das typische Nutzerverhalten und passt sich an. Und er verschwindet, wenn er gerade nicht gebraucht wird. Beispielsweise wird eine Benutzeroberfläche per Beamer an eine Wand projiziert und bei fehlendem Bedarf einfach ausgestellt - sie verschwindet.

Am SRA laufen bereits Forschungsarbeiten, die zur Realisierung des organischen Computers beitragen: Adaptive Ampelsteuerungen optimieren den Verkehrsfluss ohne zentrale Hilfe, indem sie aus der Vergangenheit lernen und künftige Situationen voraussagen. Adaptive Kommunikationsmechanismen erlauben es Laptops oder Handys, sich spontan drahtlos zu vernetzen und Daten auszutauschen. Mobiltelefone ändern und optimieren ihr Kommunikationsverhalten je nach Land. Transportcontainer verfolgen aktiv ihre Route und führen ein Tagebuch über besondere Ereignisse. Elektronische Anschlagtafeln erkennen ihre Besucher und passen ihre Inhalte entsprechend an.

Dr. Stefanie Beier | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

Weitere Berichte zu: Adaptiv Organisch Rechnerarchitektur SRA

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Verbesserung des mobilen Internetzugangs der Zukunft
21.07.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

nachricht Affen aus dem Weltraum zählen? Neue Methoden helfen die Artenvielfalt zu erfassen
21.07.2017 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten