Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Virtuelle Zeitreise für Skulpturen

04.08.2003


Was wollen uns Kunstwerke sagen? Wenn Skulpturen nicht mehr in ihrer ursprünglichen Umgebung stehen, ist die Frage schwer zu beantworten. Außer man versetzt digitale Modelle von Figurengruppen wie die des Barockbildhauers Bernini in künstlich erzeugte Räume.



"Regisseur des Barock" war eine Ausstellung über Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) betitelt. In der Tat beherrschte der Bildhauer, Städtebauer, Architekt und Maler den Kunstbetrieb Roms über sechs Jahrzehnte. Einige seiner Skulpturen dienen seit einem Jahr als Grundlage für ein interdisziplinäres Forschungsprojekt von Kunsthistorikern, Informatikern und Medienwissenschaftlern. Es trägt den Titel "Virtualisierung von Skulptur" und ist Teil des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG geförderten Forschungskollegs 615 "Medienumbrüche, Medienkulturen und Medienästhetik zu Beginn des 20. Jahrhunderts und im Übergang zum 21. Jahrhundert". Als virtuelle Bildhauer betätigen sich Forscher des Fraunhofer-Instituts für Medienkommunikation IMK mit Kollegen vom Bereich Kunstgeschichte der Universität Siegen bis Juli 2005: Sie digitalisieren Skulpturen Berninis aus der Villa Borghese in Rom. Dazu projizieren sie auf die Statue ein Gitterraster, das Stück für Stück fotografiert wird. Jedes Einzelbild dient als Baustein einer dreidimensionalen, virtuellen Kopie.

... mehr zu:
»Bildhauer »Skulptur


Dreidimensionale Statuen im Computer zu rekonstruieren, klingt zunächst vielleicht wie ein Zeitvertreib für Informatiker. Jedoch geben die Figurengruppen, die Bernini seinerzeit speziell für die Villa Borghese anfertigte, erhebliche Rätsel auf. "Die Villa wurde im Laufe der Jahrhunderte umgestaltet und nur aus literarischen Quellen ahnt man, wie das Gebäude im Inneren ursprünglich gestaltet war", erklärt Roland Kuck vom IMK-Kompetenzzentrum "Virtuelle Umgebungen".

Am Computer versetzen die Wissenschafler deshalb die Figuren Berninis wieder in die Villa Borghese. Dadurch erhoffen sie sich Aufschlüsse über die eigentliche Wirkung, die der Künstler mit seinem Werk beabsichtigte. "Wir haben uns für Bernini entschieden, weil gerade seine Figuren installativ, also mit dem Raum zusammen gesehen werden müssen", betont Projektleiter Professor Gundolf Winter von der Uni Siegen. Durch das Projekt soll der virtuelle Besucher der Villa Borghese eine Vielfalt sehen können, die physikalisch nicht mehr vorhanden ist. "Die Qualität der virtuellen Skulptur in feinen Details und aus jeder Perspektive ist dabei für uns die größte Herausforderung", betont Kuck. Er und seine Kollegen wollen noch einen Schritt weiter gehen: Indem sie ihren Figuren virtuell Leben einhauchen, wird das Standbild zum Film. Ein wesentliches Ziel des Projekts ist auch die Darstellung in immersiver, virtueller Realität. Vor einer großen 3-D-Leinwand werden dann nicht nur Kunstgeschichtler in die Villa eintauchen können.

Ansprechpartner:
Dipl.-Inform. Roland Kuck, Telefon 02241 - 14-2132, Fax -2040, Roland.Kuck@imk.fraunhofer.de
Prof. Dr. Gundolf Winter, Telefon 0271 - 740-3368, winter@kunstgeschichte.uni-siegen.de

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw
Weitere Informationen:
http://www.imk.fraunhofer.de
http://www.fk615.uni-siegen.de
http://www.fraunhofer.de/mediendienst

Weitere Berichte zu: Bildhauer Skulptur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Datenbrille erleichtert Gehörlosen die Arbeit in der Lagerlogistik
23.02.2018 | Technische Universität München

nachricht Verlässliche Quantencomputer entwickeln
22.02.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics