Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Sicherheitssystem enttarnt "Netz-Maulwürfe"

22.07.2003


Der "Feind" lauert überall - vor allem in der eigenen Organisation: Nicht Hacker-Angriffe von außen sind nach Ansicht von Dr.-Ing. Andreas Rieke, ISL Internet Sicherheitslösungen GmbH in Hagen, die größte Gefahr für e-Business, sondern Gedankenlosigkeit, technische Unwissenheit, Neugier oder böse Absicht der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.



ISL ist ein innovatives Unternehmen, das von ehemaligen Mitarbeitern der FernUniversität in Hagen gegründet wurde und das in Zusammenarbeit mit deren Fachleuten eine Software-Lösung gegen das Ausspähen, Manipulieren und Löschen auch geheimer Daten entwickelt hat. "ARP-Guard" enttarnt zudem sofort den Rechner des Angreifers. Der Ursprung der Aktivitäten liegt in den Arbeiten am Lehrgebiet Kommunikationssysteme, bei der theoretischen Konzeptentwicklung wirkten Wissenschaftler des Lehrgebietes mit, u. a. Prof. Dr.-Ing. Firoz Kaderali. Das Universitätsrechenzentrum testete als Pilotanwender in der Entwicklungsphase verschiedene Anwendungen in der Praxis. Aufgrund der fachlichen und räumlichen Nähe konnten die Ergebnisse sofort in die weitere Entwicklung einfliessen.



Bis zu 80 % aller schädlichen Angriffe per PC kommen aus der geschädigten Organisation selbst, meldete die Unternehmensberatung KPMG im Jahre 2002. Das Gefahrenpotential dürfte zunehmen, weil aus Kostengründen immer mehr Unternehmen IP-Netze (Internet-Protokoll-Netze) einsetzen, die standardisierte, ungesicherte Protokolle haben. In IP-Netzen werden mit dem ARP-Protokoll (Address Resolution Protocol) die vorhandenen Netzwerkkarten-Adressen jedem Rechner eines Netzsegments bekannt gegeben. Im Internet frei verfügbare Software-Tools ermöglichen es auch weniger versierten Angreifern, mit einem Rechner innerhalb dieses Netzsegments die gesamte Kommunikation eines anderen Rechners zu protokollieren und auf dem Bildschirm darzustellen. Dabei wird der ARP-Cache bzw. die ARP-Tabelle - die die Zuordnung zwischen IP-Adresse und Adresse der Netzwerkkarte von Rechnern enthält - manipuliert ("vergiftet"). So ist es möglich, über einen als "ARP-Poisoning" bezeichneten internen Angriff einen anderen Rechner oder ein gesamtes Netzsegment zu blockieren, einen anderen Rechner abzuhören, Passwörter zu lesen (auch verschlüsselte) und Daten zu manipulieren. Jeder Mitarbeiter eines Unternehmens kann seinem Chef oder Kollegen praktisch den ganzen Tag über die Schulter schauen und alles nachvollziehen, was dieser am PC tut. Dies kann katastrophale Folgen für jede e-Business-Transaktion - wie z. B. Homebanking - haben.

Nach Angaben von Dr. Rieke ist ARP-Guard das erste Software-Tool überhaupt, das solche Angriffe zuverlässig erkennen kann. Als Frühwarnsystem analysiert es ständig alle ARP-Meldungen, alarmiert in Echtzeit und identifiziert bei Angriffen deren Quelle. Das System besteht aus Sensoren, die in einzelnen Netzsegmenten ARP-Poisoning-Angriffe aufdecken und einem Managementsystem zur Auswertung melden. Jeder Sensor kann bis zu acht LANs (lokale Netzwerke) überwachen. Die Sensoren werden auf separaten PC/Workstations oder auf vorhandenen, nicht ausgelasteten Rechnern eingerichtet und an jeden LAN-Switch angeschlossen. Das System selbst ist gegen interne Angriffe geschützt. Im Managementsystem werden die eingehenden Meldungen der Sensoren analysiert und im Angriffsfall die Sicherheitsbeauftragten per e-Mail oder SMS automatisch informiert. Es ist kompatibel mit allen gängigen Software-Ausstattungen, benötigt nur relativ einfache Hardware - z. B. Pentium III oder vergleichbar - und lässt sich problemlos in andere IT-Sicherheitsumgebungen (Firewalls, Virenscanner) einbinden.


Gerd Dapprich | idw
Weitere Informationen:
http://www.isl.de

Weitere Berichte zu: Angreifer Managementsystem Netzsegment Rechner Sensor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Cybersicherheit für die Bahn von morgen
24.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Schutz vor Angriffen dank flexibler Programmierung
22.03.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise