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Computer werden "lebensnah"

17.07.2003


In einem gemeinsamen Positionspapier haben die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (ITG) und die Gesellschaft für Informatik (GI) eine Vision zu den Rechner- und Systemarchitekturen des Jahres 2010 entwickelt. Danach werden künftige Rechnergenerationen zunehmend von “Organischen Computern” beherrscht. Im Gegensatz zu den heutigen Rechnern werden diese in der Lage sein, sich den jeweiligen Umgebungen dynamisch anzupassen. Darüber hinaus sollen sie sich auch selbst konfigurieren, optimieren, heilen und schützen.



“Organic Computing ist die logische Fortsetzung des Ubiquitous Computing,” erläutert Prof. Dr.-Ing. C. Müller-Schloer vom Institut für Systems Engineering – System- und RechnerArchitektur der Universität Hannover. Die Informationstechnik befinde in einem Übergangszustand, der in einigen Jahren zum allgegenwärtigen Rechner führe. Bis dahin müssten jedoch Organisations- und Bedienungskonzepte geschaffen werden, um diese Systeme handhabbar und beherrschbar zu machen. Mit “monolithischen” Betriebssystemen sei diese Aufgabe vermutlich nicht zu lösen. “Vielmehr sehe ich eine Auflösung der Betriebssysteme in einzelne Komponenten, die sich dynamisch zusammenfügen,” prophezeit der Wissenschaftler.



Gemeinsam haben ITG und GI bereits eine Fülle von künftigen Anwendungsszenarien für den organischen Computer entwickelt. Diese erstrecken sich von der “Smart Factory” bzw. “Smart Warehouses und Networks” über die Athropomatik bis hin zum “vertrauenswürdigen Computer” und “Robotern im Haushalt”.

Während in einer “Smart Factory” autonome Roboter mit Hilfe spontaner Vernetzung Föderationen bilden, um anstehenden Aufgabe zu bewältigen, erkennt und überwacht das “Smart Warehouse” die einzelnen Artikel. Bereits in wenigen Jahren sollen Regale, Vorratsbehälter, Waren, Einkaufswagen und elektronische Einkaufszettel miteinander kommunizieren, um beispielsweise automatisch den Inhalt des Einkaufswagens zu ermitteln und den Kunden zu den noch fehlenden Artikeln zu lenken. Das Internet soll wiederum die Anwender des Jahres 2010 als weltweiter, heterogen aufgebauter Parallelrechner (Grid) mit Rechnerleistung versorgen. Derartige Smart Networks können sich selbständig organisieren, konfigurieren, heilen und optimieren.

In der Antropomatik zielt der allgegenwärtige und umfassende Einsatz der Informatik zum Beispiel auf den Ausgleich individueller Leistungseinbußen ab, die krankheits- oder altersbedingt auftreten können. Der organische Computer soll mit seinen “lebensähnlichen” Eigenschaften die Basis für solche Anwendungen liefern. Eine neuartige Kombination aus Schutz durch Hardware-Maßnahmen und durch Kryptographie soll wiederum die Basis für den “vertrauenswürdigen Computer” schaffen. Ein Zugriff von außen kann nur erfolgen, wenn eine explizite Interaktion des berechtigten Benutzers über die Benutzerschnittstelle vorangeht. Im Bereich der Haushaltsroboter gehen GI und ITG davon aus, dass es innerhalb weniger Jahre zu einem Durchbruch kommen wird. Im Rahmen der Entwicklung wird der biologisch inspirierten Informationsverarbeitung (Informationsbionik) eine Schlüsselrolle zukommen. “Organic Computing wird die IuK-Technologie des Jahres 2010 menschenfreundlich gestalten,” ist sich Prof. Dr. Hartmut Schmeck vom Institut für Angewandte Informatik und Formale Beschreibungsverfahren der Universität Karlsruhe heute bereits sicher.


VDE – Technisch-Wissenschaftlicher Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik, Stresemannallee 15, 60596 Frankfurt, Tel: 069-6308-284; Fax: 069-631-2925; e-mail: presse@vde.com





Dr. Rolf Froböse | VDE

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