Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Sapphire"-Wurm: Pfennigsartikel hätte immense Schäden verhindern können

29.01.2003


Die Milliardenschäden, die der Computerwurm "Sapphire" - auch "Slammer" oder "SQ hell" genannt - gerade in aller Welt angerichtet hat, beweisen nach Ansicht der Professoren Wolfgang Halang (FernUniversität in Hagen) und Robert Fitz (Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg), dass sich der Schutz von Computern und IT-Systemen in eine völlig falsche Richtung entwickelt hat: "Die heute allgemein verwendeten Schutzsysteme auf Software-Basis einschließlich Firewalls können prinzipbedingt keinen wirklichen Schutz gegen Schadensprogramme bieten." Jeder vernetzte Rechner sei für diese ein Einfallstor. Kostengünstig per Hardware geschützte Systeme schicken Viren, Würmer, Trojanische Pferde und Co. dagegen sicher in Quarantäne.



Prof. Dr. Dr. Wolfgang A. Halang, Inhaber des Lehrstuhls für Informationstechnik an der


FernUniversität, befasst sich seit 15 Jahren mit Hardware-Sicherungen: "Software kann nur die elektronischen Schädlinge erkennen, auf die sie programmiert wurde. Sie muss daher bei völlig neuen Schädlingen versagen." Und solche greifen fast täglich an.

Hardware-Lösungen können dagegen auch gegen noch unbekannte und noch gar nicht existierende Viren schützen: Sie verhindern, dass Computer die Schädlinge überhaupt verarbeiten. Grundlegend dafür ist, Daten und Befehle konsequent zu trennen. Dies jedoch ist in der heute allgemein üblichen, von John von Neumann 1946 entwickelten und als Princeton-Architektur bezeichneten Rechnerarchitektur nicht vorgesehen. Halang: "Im Speicher liegen Programme und Daten wie Kraut und Rüben durcheinander! Viren, Würmer usw. verbreiten sich in einem solchen homogenen Biotop in Nullkommanichts." Dies umso mehr, als die marktführenden Soft- und Hardware-Hersteller ihre Produkte oft aufeinander abstimmen.


In seiner von Halang betreuten Dissertation über den Schutz von IT-Systemen und Rechnernetzen durch gerätetechnisch unterstützte Maßnahmen kehrte Robert Fitz daher zur von Konrad Zuse bereits zehn Jahre vor von Neumann entwickelten und später Harvard-Architektur genannten Rechnerorganisation mit getrennten Speichern zurück. Will der Prozessor einen Befehl holen, adressiert dabei jedoch einen Bereich im Datenspeicher, so bricht ein einfaches Gatter die Programmausführung ab und bringt den Rechner in einen sicheren Zustand. Da Viren so nicht in den gesicherten Programmspeicher gelangen und nie aus dem Datenspeicher gelesen werden können, richten sie auch keine Schäden an.

Eine sichere Netzanbindung baute Fitz auf der Grundlage einer Erfindung aus dem Jahre 1992 auf. Ein simpler Zweiwegeschalter sorgt dafür, dass Daten aus dem Internet nie direkt ins System gelangen. Zunächst werden sie in einem Netzschnittstellenrechner gespeichert, wo sie völlig gefahrlos analysiert werden können. Erst dann öffnet der Schalter die Verbindung zum Intranet bei gleichzeitiger Unterbrechung der Verbindung zum Internet.

Die notwendigen Programme werden bei der Produktion des Rechners eingegeben und können später entweder gar nicht mehr geändert werden (Nurlesespeicher) oder das Schreiben in den Programmspeicher wird besonders geschützt. Neue oder veränderte Programme können auf fertig produzierten Speichermedien wie z.B. Flash-Cards angeliefert und einfach in den Rechner gesteckt werden.

Diese sichere Architektur lässt sich ohne große Umstände und Kosten auch auf einem von Neumann-Rechner realisieren: Selbst bei nachträglichem Einbau ist dafür nur ein Pfennigsartikel nötig.

Robert Fitz, inzwischen selbst Professor in Hamburg, und Wolfgang Halang haben auf ihre gemeinsamen Entwicklungen fünf Patente angemeldet, von denen das Erste bereits erteilt wurde.

Gerd Dapprich | idw

Weitere Berichte zu: Pfennigsartikel Rechner Schädling Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Datenbrille erleichtert Gehörlosen die Arbeit in der Lagerlogistik
23.02.2018 | Technische Universität München

nachricht Verlässliche Quantencomputer entwickeln
22.02.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics