Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

3D-Welten für den Internet-Shop

13.01.2003


Mit dem neuen Multimedia-Frontend auf Basis des MPEG 4 Standards haben die Siemens-Forscher in München-Perlach im Rahmen eines EU-geförderten Projekts eine attraktive Benutzeroberfläche für das Einkaufen im Internet geschaffen. Er kann zusätzliche Informationen per Videoclip abrufen und per Videokonferenz mit dem Verkäufer direkt verhandeln. Entschließt er sich zum Kauf, stellt das Multimedia-Frontend eine Verbindung zur entsprechenden E-Commerce-Software her und wickelt den Kaufvorgang ab. Zu diesem Zweck enthält es eine Schnittstelle, die mit den gängigen E-Commerce-Systemen kommunizieren kann. Damit hat der Kunde ein „Look and Feel“, das dem Einkauf in einem natürlichen Laden sehr nahe kommt.

Der dreidimensionale E-Business-Shop nutzt die Möglichkeiten, die der MPEG 4 –Standard für die Übertragung von Multimedia-Informationen bietet. Er wurde unter wesentlicher Mitarbeit der Siemens-Forscher entwickelt und hat zum Ziel, einen umfassenden Standard für Multimedia, d.h. Audio, Video, virtuelle Realitäten sowie virtuelle Personen (so genannte Avatare), zu bieten. MPEG 4 ermöglicht es, komplexe Szenen aus einzelnen Objekten, wie zum Beispiel einer Videosequenz und künstlichen Szenen zu komponieren. Die Objekte lassen sich dabei getrennt erzeugen und aus ihrem Umfeld herausgelöst, gleichsam ausgeschnitten, wieder an anderer Stelle zusammensetzen. Sie können in einem neuen Kontext gedreht, gekippt, vergrössert, eingefärbt usw. werden. Das gilt insbesondere für Videofilme. So ist es mit MPEG 4 möglich, bei einem Video den Vordergrund, zum Beispiel eine Person, vom Hintergrund getrennt zu übertragen, völlig auf den Hintergrund zu verzichten, oder diesen sogar auszutauschen. So kann in einen virtuellen Verkaufsraum das Live-Videobild eines Verkäufers eingeblendet werden, der dann mit dem Käufer eine Live-Videokonferenz führt. Durch die Trennung vom Hintergrund kann man, ähnlich der Blue-Screen-Technik, den Verkäufer perfekt in eine virtuelle Szene hineinsetzen. Ein eingefügtes Objekt kann aber auch selbst wieder eine Videosequenz sein, die auf einem Bildschirm abläuft, der sich gerade in der Szene befindet. Alle diese Vorgänge können durch die hohe Kompression der Datenraten im MPEG 4-Standard über das Internet ablaufen. Auf diese Weise stellt der MPEG 4-Standard dem Designer von Videoszenen und Internetauftritten nahezu unendliche Variationsmöglichkeiten zur Verfügung.

Für eine vollständige E-Commerce-Anwendung reicht der MPEG 4-Standard allein aber nicht aus. Hier kommt es vielmehr darauf an, dass die gezeigten Kundeninformationen auch mit den logistischen Abläufen der E-Commerce–Software und den Enterprise Ressource Planning- (ERP) Systemen reibungslos zusammenarbeiten, somit eine Prozessintegration in bestehende Verfahrenslandschaften stattfindet . Deshalb haben die Siemens-Forscher, zusammen mit Spezialisten von Siemens Business Services für Enterprise-Application-Integration, zum einen für das Multimedia-Frontend eine Schnittstelle zu gängigen Komponenten von E-Business-Systemen (wie z.B. Websphere Commerce Suite), und zum andern als Back-end eine Prozessintegration in SAP R/3 entwickelt . Mit dem neuen Interface kann das E-Business-System MPEG 4-Anweisungen über das bewährte Internetprotokoll HTTP an das Multimedia-Frontend schicken.

Für die Prozessintegration nutzten die Entwickler SAP-Standardmechanismen und setzten sowohl synchrone (Echtzeit-Integration!) als auch asynchrone Kommunikationsszenarien ein. Somit lässt sich die Lösung hervorragend und hoch flexibel erweitern, aber auch leicht in vorhandene Electronic Data Interchange- (EDI) Szenarien einbinden. Darüber hinaus lässt sie sich jederzeitig an neue Standards anpassen und ermöglicht den offenen Austausch von Geschäftsbelegen. Durch die konsequente Nutzung von Enterprise-Application-Integration-Technologien lassen sich Customer Relationship Management (CRM)-, Call-Center- und anderen Applikationen schnell und einfach anbinden.

Das Multimedia-Frontend wurde in dem EU-Projekt "Portals of Next Generation" (kurz SoNG) entwickelt. Es befindet sich derzeit in der Testphase und wird zusammen mit Siemens Business Services sowie der in München ansässigen Firma Bitmanagement Software GmbH bis zur Marktreife entwickelt.


Der Kunde kann in einem virtuellen dreidimensionalen Shop herumspazieren und die angebotenen Objekte von allen Seiten betrachten.



Weitere Informationen:



Pressereferat Corporate Technology
Dr. Hartmut Runge

D-81730 München
Telefon: (089) 636 - 49030
Telefax: (089) 636 - 49220
E-Mail: hartmut.runge@siemens.com

Dr. Hartmut Runge | Siemens
Weitere Informationen:
http://www.siemens.com/ct-bild/internetshop

Weitere Berichte zu: MPEG Multimedia-Frontend Prozessintegration

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0
07.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Wenn das Handy heimlich zuhört: Abwehr ungewollten Audiotrackings durch akustische Cookies
07.12.2016 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie