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Wissenschaftsorganisationen starten Schwerpunktinitiative zur "Digitalen Information"

12.06.2008
Open-Access-Plattformen und virtuelle Forschungsumgebungen sollen dabei helfen, Informationen besser auszutauschen

Die "Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen" hat auf ihrer Sitzung am 11. Juni 2008 die neue Schwerpunktinitiative "Digitale Information" beschlossen.

Deren Ziel ist es, eine integrierte digitale Forschungsumgebung zu schaffen. Diese soll die Möglichkeiten der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Informationen digital zu erstellen und auszutauschen, weiter verbessern. Der Allianz gehören an: die Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren sowie die Hochschulrektorenkonferenz, die Leibniz-Gemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft und der Wissenschaftsrat.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Forschende und Lehrende haben von ihren Arbeitsplätzen uneingeschränkten Zugriff auf alle Informationen und Plattformen, die sie für ihre Arbeiten und Studien benötigen - von der digitalisierten Handschrift des 15. Jahrhunderts über Forschungsprimärdaten und die elektronischen Zeitschriften ihrer Disziplinen bis hin zu den virtuellen Arbeits- und Kommunikationsumgebungen. Das ist die Vision einer modernen Informationsversorgung für die Wissenschaft. Die Allianz-Initiative "Digitale Information" ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, diese Vision zu verwirklichen.

Die Allianz-Partnerorganisationen werden zwischen 2008 und 2012 ihre Aktivitäten im Bereich der digitalen wissenschaftlichen Informationssysteme intensiver koordinieren und weiter ausbauen. Dabei haben sie sich auf sechs gemeinsame Aktionsfelder verständigt:

(1) Nationale Lizenzierungen

Seit dem Jahr 2004 existiert das Modell der Nationallizenzen, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) initiiert wurde. Das Modell soll unter Einbeziehung der Allianz-Organisationen weiter entwickelt werden.

(2) Open Access

Open Access hat zum Ziel, das weltweite Wissen in digitaler Form ohne finanzielle, technische oder rechtliche Barrieren zugänglich zu machen. Die Allianz will den sogenannten "Grünen Weg" des Open Access durch den Ausbau institutioneller und disziplinärer digitaler Archive und Publikationsserver (sogenannte Repositorien) stärken. Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, den "Goldenen Weg" des Open Access fördern. Dazu gehört die Weiterentwicklung von Geschäfts- und Fördermodellen und deren gemeinschaftlicher Finanzierung. In Modellprojekten soll auf eine Umschichtung der Subskriptionskosten auf Publikationskosten hingewirkt werden.

(3) Nationale Hosting-Strategie

Eine leistungsfähige Infrastruktur zum Speichern digitaler Volltexte wird aufgebaut, die den nachhaltigen Zugriff auf elektronische Veröffentlichungen und Daten sichern soll. Die dafür notwendigen neuen Strukturen sind nach Überzeugung der Allianz-Organisationen von ähnlich grundlegender Bedeutung wie der Aufbau elektronischer Datenbanksysteme in früheren Jahren.

(4) Forschungsprimärdaten

Alle Wissenschaftsorganisationen sehen einen dringenden Handlungsbedarf für die systematische Sicherung von im Forschungsprozess erzeugten Daten. Auch hier gilt es, in den jeweiligen Disziplinen angemessene Strukturen und Prozesse zu etablieren, um Forschungsprimärdaten zu sichern, zu archivieren und für eine Nachnutzung bereit zu stellen.

(5) Virtuelle Forschungsumgebungen

Erste Ansätze für vernetzte Forschungsumgebungen bieten die Helmholtz-Gemeinschaft mit den virtuellen Helmholtz-Instituten, die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit dem Förderprogramm "Themenorientierte Netzwerke" sowie die Max-Planck-Gesellschaft und die Leibniz-Gemeinschaft in den gemeinsamen eSciDoc-Entwicklungen. Diese Ansätze werden weiter verfolgt. Dazu werden - wo möglich - gemeinsame Projekte entwickelt.

(6) Rechtliche Rahmenbedingungen

Der Aufbau einer digitalen Forschungsumgebung wird derzeit vor allem durch zwei Faktoren gehemmt: durch das jüngst novellierte Urheberrecht sowie durch unterschiedlich hohe Mehrwertsteuersätze für Printpublikationen (7 Prozent) und für digitale Publikationen (19 Prozent). Die Allianz fordert den reduzierten Mehrwertsteuersatz auch für digitale Produkte. Bei einer zukünftigen Novellierung des Urheberrechts verfolgen die Allianz-Organisationen das Ziel eines "Grundrechts" für Autoren, ihre Ergebnisse im Sinne eines freien Zugangs der Wissenschaft zu Informationen im Open Access publizieren zu können.

Michael Frewin | idw
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/
http://goto.mpg.de/mpg/pri/20080612/

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