Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Desktop-Supercomputer setzt auf Grafikkarten

30.05.2008
Für Tomografie so leistungsstark wie hunderte normale CPUs

Forscher der Universität Antwerpen haben einen Desktop-Supercomputer gebaut, der im wesentlichen auf Gaming-Hardware setzt. Mit nur vier Grafikkarten bietet der Super-PC "FASTRA" für die tomografische Bildrekonstruktion die gleiche Rechenleistung wie hunderte herkömmliche PCs, so die Wissenschaftler.

Aufwendige Rekonstruktionen dreidimensionaler Bilder, die auf einem herkömmlichen Rechnern mehrere Wochen dauern würden, seien mit FASTRA in wenigen Stunden möglich. Dabei kostet das System unter 4.000 Euro und ist somit ein Billig-Supersystem wie ein PS3-Cluster. "Die Gemeinsamkeit ist, dass beide Ansätze Endverbraucher-Hardware auf eine hochparallele Art nutzen", bestätigt Joost Batenburg vom Vision Lab der Universität Antwerpen im Gespräch mit pressetext.

"Wir haben versucht, ein möglichst kompaktes System zu schaffen", beschreibt Batenburg. In einem etwas geräumigeren Gaming-Tower-Gehäuse vereint der Super-PC vier Grafikkarten zu je zwei Grafikprozessoren (GPUs) vom Typ MSI 9800GX2 - ein anlässlich der CeBIT 2008 vorgestelltes High-End-Modell. Die FASTRA-Konfiguration mit acht GPUs lässt aber nicht nur Gamer-Herzen höher schlagen, sondern stellt ihre 3D-Grafikpower in den Dienst der Wissenschaft.

Die Berechnungen, um per Tomografie hochdetaillierte dreidimensionale Bilder aus Röntgenaufnahmen zu rekonstruieren, können mit geeigneter Programmierung hochparallel durchgeführt werden und die GPUs sind dafür optimal geeignet. Daher kann das FASTRA-System mit seinen vier Grafikkarten die Berechnungen für die Tomografie ebenso schnell ausführen, wie es 350 moderne CPU-Rechenkerne könnten - also beispielsweise 175 PCs mit aktuellen Dual-Core-Prozessoren.

Verschiedene Arten der Tomografie und damit die medizinische Anwendung seien nicht die einzig denkbaren Einsatzgebiete des günstigen Desktop-Superrechners. "Jedes wissenschaftliche Problem, das hoch parallelisiert werden kann, läuft auf solch einem System", meint Batenburg. Als Beispiel nennt er die Auswertung von Satellitendaten zur Fernerkundung. Generell sieht er den Fokus der Arbeit am Vision Lab auf Anwendungen, die für eine breite Öffentlichkeit von Interesse sind. Für kompakte Systeme beispielsweise in der Tomografie in Spitälern sieht der Wissenschaftler die GPUs als sehr gut geeignet. Damit sei der Schwerpunkt etwas anders gelagert als bei Supercomputing-Anwendungen des PS3-Prozessors Cell.

"Cell-Prozessoren sind sehr gut geeignet für Scientific Computing", betont Batenburg und sieht ihr Einsatzgebiet eher bei größeren Systemen. Diese Einschätzung kommt nicht von ungefähr. Beispielsweise haben hunderttausende PS3-Konsolen Folding@home als größtes Distributed-Computing-Netzwerk in Guiness-Buch der Rekorde gebracht. Bald könnte auch der stärkste einzelne Supercomputer der Welt Cell-Prozessoren nutzen. Der "Roadrunner" am Los Alamos National Laboratory gilt unter Experten als heißer Kandidat, die nächste Top-500-Supercomputer-Liste anzuführen, die Mitte Juni in Dresden vorgestellt wird - möglicherweise als erster Petaflop-Superrechner der Welt.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://fastra.ua.ac.be
http://visielab.ua.ac.be
http://folding.stanford.edu

Weitere Berichte zu: Desktop-Supercomputer GPUs Tomografie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht
18.01.2017 | Technische Universität Berlin

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie

Vom Feld in die Schule: Aktuelle Forschung zu moderner Landwirtschaft für den Unterricht

23.01.2017 | Bildung Wissenschaft

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten