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EU-Kommissarin Reding und Google-Vorstand Cerf rufen zum Übergang auf neues Internet auf

07.05.2008
Mit Ansprachen von EU-Kommissarin Viviane Reding und Internetpionier Dr. Vinton Cerf hat am Mittwoch ein Gipfeltreffen zur Einführung der neuen Internetgeneration begonnen.

Cerf (64), der als einer der Väter des weltweiten Rechnernetzwerkes gilt und Vorstandsmitglied beim Suchmaschinen-Anbieter Google ist, appellierte an die Computernutzer, bei den Internetanbietern auf die zügige Einführung des neuen Technikstandards IPv6 zu drängen.

Das Kürzel IP steht für "Internet-Protokoll" und bezeichnet das Verfahren, mit dem sich Computer und Geräte im weltweiten Netz verknüpfen. Die für Informationsgesellschaft und Medien zuständige EU-Kommissarin Reding kündigte einen Aktionsplan der Europäischen Union zur beschleunigten Einführung der nächsten Internetgeneration an. Beide machten ihre Aussagen in Video-Botschaften an die Teilnehmer der am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam stattfindenden Expertentagung.

Auf dem zweitägigen "IPv6 Summit" befassen sich rund 70 Experten aus dem In- und Ausland mit der Frage, wie der Übergang auf die neue Internetgeneration IPv6 in Deutschland vorangetrieben werden soll.

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Reding sagte, die Kommission werde den Mitgliedsstaaten in Kürze Maßnahmen vorschlagen, um den entscheidenden Schritt in die neue Welt der Internetversion IPv6 bis zum Jahre 2010 zu schaffen. In Bezug auf die zunehmend knapper werdenden Adressen im Bereich der alten Internetversion IPv4 sprach die Kommissarin von einem "Korsett, das uns die Luft abschnürt" und von einer "Sackgasse". Viele Innovationen kämen nicht zu Stande, weil zu viel Kapazität darauf verwendet werde, die Knappheit des IPv6-Adressraumes zu verwalten. "Das muss nicht sein. Und wir werden dies, so denke ich, gemeinsam ändern", sagte die EU-Kommissarin an die Tagungsteilnehmer in Potsdam gewandt.

Sie gab Ihrer Freude Ausdruck, dass der deutsche IPv6-Rat eine nationale Initiative zur Einführung der neuen Internetgeneration auf den Weg gebracht habe. Reding lobte die deutsche Bundesregierung ausdrücklich für ihr Engagement. "Sie wird IPv6 auf den Weg bringen und ich freue mich auf die Zusammenarbeit", sagte die EU-Kommissarin in ihrem Grußwort.

Cerf, der bei Google "Chief Internet Evangelist" ist, mahnte ebenfalls zur Eile beim Übergang auf die neue Internetversion. Er schätzt, dass "irgendwann zwischen 2010 und 2011" keine alten IPv4-Adressen mehr verfügbar sein dürften, um neue Router und Webserver ans Internet anzubinden. Cerf, der in den siebziger Jahren eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung der Protokolle für die Datenverkehrsregelung im Internet spielte, wies darauf hin, dass der neue Internetstandard IPv6 von den meisten Softwareunternehmen schon seit einigen Jahren in Betriebssysteme und Anwendungen eingebaut worden sei. Jedoch hätten die Internetserviceanbieter ihre Router, also die Verbindungsglieder der einzelnen Netzwerke im weltumspannenden Internet, noch nicht unbedingt auf den Nachfolger des seit 1981 geltenden Standards IPv4 eingestellt.

Das neue Internetprotokoll bietet nach Ansicht von Tagungsleiter Prof. Christoph Meinel, Direktor des Hasso-Plattner-Instituts und Vorsitzender des deutschen IPv6-Rats, "große Innovationschancen". Verbraucher könnten dank IPv6 leicht über viele eigene Netzanschluss-Adressen verfügen, eigene private Netzwerke betreiben und von außen auf Einrichtungen und Geräte im Haushalt zugreifen. Die neue Technologie mache werde viele Internet-Anwendungen einfacher und damit wirtschaftlicher machen, unterstrich Meinel. Experten versprechen sich von IPv6 vor allem mehr Sicherheit, höhere Leistung, bessere Fähigkeit zur Anpassung an neue Anforderungen und leichtere Erweiterbarkeit.

Der zweitägige Gipfel in Potsdam bietet rund 30 Vorträge und Workshops rund um den Einsatz der neuen Internettechnologie. Am Mittwoch, 7. Mai, stehen zunächst die weltweiten IPv6-Strategien im Mittelpunkt des Programms. Vor allem wird der Stand der Vorbereitungen in Europa, den USA, China, Japan, Süd-Korea und Indien beleuchtet. Am Donnerstag, 8. Mai, wird über die Perspektiven von IPv6 aus der Sicht von Netzbetreibern und Zugangsanbietern sowie von öffentlichen Institutionen, zum Beispiel in den Bereichen Verwaltung, Bildung und Militär, diskutiert. Parallel zum Konferenzprogramm am 8. Mai wird ein halbtägiges IPv6-Tutorium angeboten.

Frieder Bechtel | idw
Weitere Informationen:
http://www.ipv6council.de/media
http://www.hpi.uni-potsdam.de/

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