Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die IT-Forensik wird immer wichtiger

30.04.2008
Hochschüler trainieren elektronische Spurensicherung

Während vorbeugende IT-Security als Thema in aller Munde ist, wurden IT-forensischen Methoden im Kampf gegen die Cyberkriminalität bisher weniger Beachtung geschenkt. "IT-Forensik ist eine Beweismittelsicherung um festzustellen, was auf einem Computer passiert ist", erklärt Johann Haag, Studiengangsleiter IT Security an der Fachhochschule (FH) St.Pölten.

Dabei kann es um eine Analyse von Angriffen aus dem Internet ebenso gehen wie um die Informationssicherung durch Behörden. Die Rekonstruktion von Dateien und Informationen ist ein wesentlicher Teil der Arbeit. Zukünftige Spezialisten aus sechs Nationen haben in diesem Monat an einem Erasmus-Intensivprogramm zum Thema IT-Forensik teilgenommen.

"Wenn ein Angriff passiert ist, wird eine Analyse notwendig", beschreibt Haag eine der Kernaufgaben der IT-Forensik. Dabei müssten auf einem System etwaige Nachwirkungen wie geöffnete Backdoors oder installierte Malware aufgespürt werden. Eine entscheidende Frage sei ferner: "Wie ist ein Angreifer in ein System eingedrungen?" Die Sicherheitslücken, die bei einer Attacke genutzt wurden, müssten ermittelt werden. Gerade in Zeiten, in denen Cybercrime immer größere Ausmaße annehme, sei es entscheidend, Systeme gegen eine erneute Nutzung bekannter Angriffsvektoren abzusichern. "Daher wird die IT-Forensik immer wichtiger", meint Haag.

Ob nach Angriffen oder bei der Suche nach belastendem Material auf behördlich sichergestellten Computersystemen - Datenwiederherstellung ist ein wichtiger Aspekt der Spurensicherung. "Eine Datei zu löschen heißt nicht, dass sie wirklich weg ist", betont Haag. Was für die Spurensicherung gut ist, macht in der Wirtschaft bisweilen Probleme. Dort sei es häufig wichtig, Daten unwiederbringlich zu vernichten. Dabei könne davon ausgegangen werden, dass nur Dateien, die ein IT-Forensiker nicht mehr aufspüren kann, auch wirklich sicher gelöscht wurden. Auch der Inhalt des Arbeitsspeichers ist bei der Spurensuche wichtig. "Es gibt teils Lücken in Betriebssystemen, die für die forensische Analyse genutzt werden können", meint Haag in diesem Zusammenhang. Konkret würden in einem Fall beim Schreiben auf Festplatten Blöcke mit Informationen aus dem Arbeitsspeicher aufgefüllt. Diese könnten daher auch Tage später noch rekonstruierbar sein.

Die Aufgabe des IT-Forensikers gestaltet sich besonders anspruchsvoll, wenn eine Analyse auch für ein juristisches Verfahren verwertbar sein soll. "Es ist ein wesentlicher Aspekt, Daten so zu sichern, dass sie vor Gericht anerkannt werden", betont Haag. Konkret würden in der Praxis Prüfsummen verwendet, damit nachgewiesen werden kann, dass sichergestellte Daten nicht verändert wurden. Nur so kann Beweismaterial aus der forensischen Analyse auch in Prozessen verwertet werden.

"Angriffe können von überall her erfolgen und machen nicht vor Grenzen halt", hält Haag fest. Daher sei eine frühzeitige internationale Vernetzung für Experten im Bereich der IT-Security und IT-Forensik von besonders großer Bedeutung, um in der Praxis rechtzeitig reagieren zu können. Dieser Vernetzung diente ein Erasmus-Intensivtraining zur IT-Forensik im polnischen Zamosc vom 14. bis 25. April. Sieben Studierende der FH St. Pölten konnten gemeinsam mit Studenten aus Belgien, Spanien, Portugal und der Türkei sowie dem Gastgeberland nicht nur von einer großen Zahl internationaler Vortragender, sondern auch von praktischen Übungen in international zusammengestellten Teams profitieren. "Im Training am Computer konnten wir sehen, welche Zugangsweisen Studenten anderer Hochschulen an Problemstellungen haben. Das war neben dem Lehrstoff ein echter Erfahrungsgewinn", meint Thomas Konrad, Student der IT-Security an der FH St. Pölten.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.fh-stpoelten.ac.at

Weitere Berichte zu: IT-Forensik IT-Forensiker IT-Security Spurensicherung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Cybersicherheit für die Bahn von morgen
24.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Schutz vor Angriffen dank flexibler Programmierung
22.03.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise