Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf dem Weg zum dreidimensionalen Fernsehen

22.04.2008
Bremer Institut arbeitet im leistungsstarken europäischen Forschungsverbund an "Real3D".

Stellen wir uns einen Zylinder oder eine Halbkugel aus transparentem Material vor, in dessen Innern wir einen beliebigen Gegenstand in allen drei Dimensionen betrachten können: sei es ein technisches Modell, ein Lebewesen oder ein Kunstwerk.

Nehmen wir weiter an, dieser Gegenstand verändert sich dynamisch - ein sich bewegender Mensch, das Modell eines Flughafens mit den startenden und landenden Flugzeugen oder die inneren Organe während einer Operation: Dann haben wir dreidimensionales Fernsehen. Derartige Visionen bewogen mehrere europäische Wissenschaftler, gemeinsam in diese Richtung zu forschen; mit dabei auch das Bremer Institut für angewandte Strahltechnik (BIAS), enger Kooperationspartner der Universität Bremen.

Die vom Euro-Team erarbeitete Skizze für das Forschungs- und Entwicklungsprojekt "Real3D" war so überzeugend, dass die EU-Kommission im Rahmen des 7. Forschungs-Rahmenprogramms das Vorhaben fördert. Den beteiligten Forscherinnen und Forschern aus Finnland, Schweiz, Türkei, Italien, Polen, Irland und Bremen stehen für die nächsten drei Jahre 4,5 Mio. Euro zur Verfügung, um dem Forschungsziel, die Realität in voller Dreidimensionalität aufzunehmen und wiederzugeben, zum Durchbruch zu verhelfen.

Es gibt bereits zahlreiche technische Ansätze zur Realisierung eines dreidimensionalen Fernsehens. Bekannt ist die Verwendung von Brillen, die über Farb- oder Polarisationsfilter nur die für beide Augen unterschiedlichen Bilder durchlassen. Den gleichen Effekt erreicht man durch einen Helm, bei dem jedes Auge seinen eigenen Miniaturmonitor erhält - Stichwort Virtuelle Realität - oder über Prismenfolien vor dem Fernsehschirm, wobei jedem Auge über die ihm zugewandte Prismenfläche sein individuelles Bild geliefert wird. Die letztgenannte Lösung beschränkt sich aber im Allgemeinen auf einen einzigen Beobachter in fester Position.

Einer der meistversprechenden Lösungsansätze ist die Holographie. Mit dieser schon 1948 von Gabor vorgeschlagenen Methode werden die vollständigen dreidimensionalen optischen Wellenfelder aufgenommen und wiedergegeben. Dies steht im Gegensatz zur Fotographie, die nur zweidimensionale Projektionen der realen Szenen registriert und abbildet. Bewegt man den Kopf vor einem Foto, so ändert sich das Bild nicht; bewegt man den Kopf vor einem Hologramm, so kann man hinter vorher verdeckte Objektteile schauen.

Der holographische Ansatz soll im Projekt "Real3D" aufgegriffen werden, wobei die Aufnahme über ein CCD-Array erfolgt, wie es auch in modernen Digitalkameras Verwendung findet. Zur Rekonstruktion des Wellenfelds aus dem Hologramm wird dann ein räumlicher Lichtmodulator, zum Beispiel auf Flüssigkristallbasis, eingesetzt. Auch wenn klar ist, dass die zur Zeit am Markt erhältlichen Lichtmodulatoren bei weitem noch nicht die ausreichenden Leistungsdaten aufweisen, soll doch das Projekt einerseits der Industrie Hinweise geben, in welcher Richtung eine Weiterentwicklung laufen kann, andererseits die generelle Machbarkeit eines holographischen dreidimensionalen Fernsehens nachweisen.

Die BIAS-Arbeitsgruppe im Projekt "Real3D" verantwortet Privatdozent Dr.-Ing. Thomas Kreis, Abteilungsleiter am BIAS und Lehrbeauftragter im Fachbereich Physik der Universität Bremen. Seit der Gründung des BIAS ist die Holographie im Rahmen der Lasermesstechnik eines der wesentlichen Forschungs- und Entwicklungsfelder. So hat sich das Bremer Institut einen Namen als eines der weltweit führenden Institute auf dem Gebiet der holographischen Form- und Verformungsmesstechnik erarbeitet. Darüber hinaus ist das BIAS seit etwa drei Jahren Mitglied im von der EU finanziell geförderten Exzellenznetzwerk 3DTV, in dem die führenden europäischen Institutionen zusammenarbeiten, die die Zielsetzung des 3D-Fernsehens, auch mit nicht-holographischen Ansätzen, verfolgen.

Eberhard Scholz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bremen.de
http://www.bias.de

Weitere Berichte zu: BIAS Hologramm Holographie Lichtmodulator

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb
27.06.2017 | FOKUS - Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme

nachricht Überschwemmungen genau in den Blick nehmen
27.06.2017 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie