Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lernen mit Hilfe des Internets anhand kritischer Ereignisse in der Altenpflege

13.02.2008
Mit dem Online-Berichts- und Lernsystem "Aus kritischen Ereignissen lernen" betreibt das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) ein Qualitätsentwicklungsinstrument für die Altenpflege, das in Deutschland einzigartig ist", sagte KDA-Geschäftsführer Klaus Großjohann auf der Pressekonferenz des Kuratoriums anlässlich der Fachmesse Altenpflege+ProPflege 2008 in Hannover.

"Nach nur vier Monaten Betriebszeit ist im System durch die Veröffentlichung von in der Pflegepraxis auftretenden Problemen ein beachtlicher Pool an aktuellem Pflegewissen entstanden. Damit hält die Altenpflege an eine internationale Entwicklung Anschluss, in der ein multiprofessioneller Austausch und Lernen mit modernen Methoden die Regel sein wird", freute sich Großjohann. Nun gelte es, neben dem Berichten kritischer Ereignisse das Lernen mit Hilfe des Systems verstärkt in den Altenpflegeeinrichtungen und der Altenpflegeausbildung zu verankern.

Hannover (KDA) - 13. Februar 2008 - Mit dem Online-Berichts- und Lernsystem "Aus kritischen Ereignissen lernen" betreibt das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) ein Qualitätsentwicklungsinstrument für die Altenpflege, das in Deutschland einzigartig ist", sagte KDA-Geschäftsführer Klaus Großjohann auf der Pressekonferenz des Kuratoriums anlässlich der Fachmesse Altenpflege+ProPflege 2008 in Hannover. "Nach nur vier Monaten Betriebszeit ist im System durch die Veröffentlichung von in der Pflegepraxis auftretenden Problemen ein beachtlicher Pool an aktuellem Pflegewissen entstanden. Damit hält die Altenpflege an eine internationale Entwicklung Anschluss, in der ein multiprofessioneller Austausch und Lernen mit modernen Methoden die Regel sein wird", freute sich Großjohann. Nun gelte es, neben dem Berichten kritischer Ereignisse das Lernen mit Hilfe des Systems verstärkt in den Altenpflegeeinrichtungen und der Altenpflegeausbildung zu verankern.

Derzeit sind rund 150 Berichte, 850 Kommentare sowie 50 Stellungnahmen von Experten auf der Internetseite http://www.kritische-ereignisse.de nachzurecherchieren. "Eine erste Analyse hat ergeben, dass die eingereichten Berichte immer drei Kategorien zugeordnet werden können: der Pflegefachlichkeit, rechtlichen sowie ethischen Aspekten", verdeutlichte Projektleiter und KDA-Referent Heiko Fillibeck an einem aktuellen Beispiel aus dem System: Eine Praktikantin beobachtete, wie ein Pfleger einer Bewohnerin mit neurologisch bedingten Schluckstörungen beim Anreichen des Essens die Nase zuhielt, damit sie die passierte Nahrung schneller schluckte. Er forderte die Praktikantin dazu auf, dies ebenfalls so zu tun. "Anhand dieses Berichts sieht man erstens ganz klar, dass hier fachlich falsch gehandelt wurde, weil die Bewohnerin der Gefahr ausgesetzt wurde, Nahrung zu aspirieren", erklärte Fillibeck.

... mehr zu:
»Altenpflege »KDA

"Zweitens: Nicht nur die gewaltsame Verabreichung der Nahrung, sondern auch die möglichen Folgen wie Erstickungsanfälle oder eine Lungenentzündung können den Pfleger rechtlich belangbar machen." Drittens sei die Haltung, die der Pfleger an den Tag gelegt habe, nämlich Zeitdruck auf Kosten der Bewohnerin auszubügeln, mit den ethischen Aspekten des Altenpflegeberufes unvereinbar, so der KDA-Referent für Pflegepraxis. In einer Stellungnahme auf der Internetseite werden die drei Aspekte von den KDA-Pflegeexperten aufgegriffen. Sie beschreiben dort ethische Gesichtspunkte und rechtliche Konsequenzen, die in dem berichteten Ereignis von Bedeutung sind. Zudem weisen sie auf pflegerische Interventionsmöglichkeiten hin, beispielsweise, dass das Kauen und Schlucken der Bewohnerin dadurch angeregt werden kann, indem ihr nicht die gesamte Mahlzeit passiert angereicht wird. Nachzulesen ist aber auch, dass die Pflegeorganisation so angepasst werden sollte, dass der Bewohnerin ausreichend Zeit zum Essen bleibt.

Dieser Fall zeigt zugleich die Möglichkeiten auf, das System als Lernplattform zu nutzen: "Jede Altenpflegelehrerin kann an Beispielen wie diesen für ihren Unterricht Fälle bereitstellen, anhand derer realitätsnahes Lernen in Lernfeldern möglich ist", führte Projektmitarbeiter Andreas Kutschke aus.

Einzigartig an der Internetseite sei dabei, dass alle Berichte und Kommentare durch das Expertenteam des KDA begleitet werden. "Dies soll verhindern, dass falsches Wissen verbreitet wird, wie dies beispielsweise in allgemeinen Internetforen für die Pflege geschehen kann", hob der Referent für Pflegeorganisation hervor. Aber nicht nur die Altenpflegeausbildung könne von dem leicht zugänglichen System profitieren, es könne auch hervorragend für die Qualitätsentwicklung und einrichtungsinterne Pflegestandards genutzt werden, so Kutschke: "Denn kritische Ereignisse, die gerne sehr emotional diskutiert werden, sind im KDA-System auf eine fachliche Diskussion heruntergebrochen, was Voraussetzung für den Lerneffekt ist."

Dass die Internetseite "ein gutes Medium ist, um Pflegewissen zu transportieren", findet auch Helmut Wallrafen-Dreisow, Geschäftsführer der Sozial Holding GmbH, einem Heimträger aus Mönchengladbach und der erste Partner des KDA-Projektes, der die Lernmöglichkeiten des Systems in der Praxis erprobt. Wallrafen-Dreisow hat einige Berichte mit Kommentaren und Stellungnahmen aus dem System ausdrucken lassen und sie den Pflegeteams bei den Übergaben zum Schichtwechsel als Diskussionsgrundlage zur Verfügung gestellt. "Mir wurde mitgeteilt, dass in den Teams angeregt darüber diskutiert wurde, ob solche Fälle auch bei uns vorkommen könnten und ob die Lösungsvorschläge umsetzbar erschienen. Die meisten Teams meldeten zurück, dass sie die darin enthaltenen Informationen für praxistauglich und nützlich für ihr Fachwissen hielten", berichtete Wallrafen-Dreisow. Seine Mitarbeitenden hätten dadurch ihre Arbeitsabläufe reflektiert und ihren Blick auf risikobehaftete Arbeitsbereiche geschärft, lautete seine Bewertung. So könnten schon im Vorfeld Maßnahmen ergriffen werden, damit solche kritischen Ereignisse gar nicht erst auftauchten. "Ich kann mir sehr gut vorstellen, die Inhalte der Internetseite weiterhin systematisch zu nutzen, indem beispielsweise einmal in der Woche den Teams die fünf aktuellsten Berichte zur Diskussion zur Verfügung gestellt werden", so Wallrafen-Dreisow.

Dass sich die Internetseite in der Praxis bewährt, freut die KDA-Mitarbeiter. "Dabei ist Mönchengladbach nur ein Beispiel, wie die Lernplattform "Aus kritischen Ereignissen lernen" genutzt werden kann. Für die Zukunft stellen wir uns vor, weitere Test- und Anwendungs-Partner mit ins Boot zu holen und auf der Internetseite auch die verschiedenen Lernmöglichkeiten, die das System bietet, zu präsentieren", so Projektleiter Heiko Fillibeck.

Kontakt und Informationen:
Kuratorium Deutsche Altershilfe
Harald Raabe
Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 02 21/93 18 47-39
E-Mail: publicrelations@kda.de

Klaus Großjohann | idw
Weitere Informationen:
http://www.kritische-ereignisse.de
http://www.kda.de

Weitere Berichte zu: Altenpflege KDA

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Saarbrücker Forscher erstellen digitale Objekte aus unvollständigen 3-D-Daten
12.10.2017 | Universität des Saarlandes

nachricht Big Data: Flächendeckendes Messnetz für Feinstaub
09.10.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

17.10.2017 | Physik Astronomie

Partnervermittlung mit Konsequenzen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungsnachrichten