Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uni Ulm in Second Life: Im virtuellen Hörsaal Vortrag für Avatare

15.01.2008
Der Professor in einem Hotelzimmer irgendwo auf der Welt, seine Studenten im heimischen Wohnzimmer, auf einer sonnigen Campus-Wiese oder unterwegs im ICE - die Vorlesung der Zukunft oder eher Utopie?

"Im Gegenteil", sagt Professor Wolfgang Minker vom Institut für Informationstechnologie und Dialogsysteme der Universität Ulm, "das wäre bei uns schon heute jederzeit machbar". Second Life (SL) macht's möglich, die virtuelle Welt im Internet, ein dreidimensional angelegtes, seit 2003 online verfügbares System mit weltweit zwischen fünf und zehn Millionen potenziellen Nutzern. Präsent ist hier inzwischen auch die Universität Ulm. Realisiert hat den SL-Auftritt, einen virtuellen Hörsaal inklusive, Stefan Smischek, ein Absolvent der Uni im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit.

In relativ kurzer Zeit übrigens, vor allem im Hinblick auf den hohen Programmieraufwand und die detaillierte Beschreibung des Projekts. "Im Frühjahr 2007 hat das Land Baden-Württemberg eine offizielle Repräsentanz in Second Life eingerichtet, um den Hochschulen einen frühzeitigen Einstieg in die Thematik zu ermöglichen", berichtet Smischek, 28 und seit 2003 Student der Telekommunikations- und Medientechnik.

Der Erwerb eines virtuellen Grundstücks für das Uni-Gebäude sei kein Problem gewesen, so der junge Wissenschaftler, wohl aber die Architektur. Nur zu gerne hätte er sie dem Ulmer Campus präziser nach gestaltet. Der beschränkten Fläche wegen blieb indes nur eine Kompromisslösung. Dem Zweck des Unterfangens aber habe das keinen Abbruch getan, so Stefan Smischek, nebenbei seit zehn Jahren schon als selbständiger Unternehmer in der EDV-Branche tätig, mit einem festen Kundenstamm zwischen Ulm und München.

... mehr zu:
»Avatar »Life »Second

"Realisierung einer virtuellen Präsenz für die Universität Ulm", war die Aufgabenstellung für die Abschlussarbeit. So hat der gebürtige Augsburger denn allerlei Wissenswertes über die Ulmer Uni nicht in der für die Institutsgebäude der Ingenieurwissenschaften markanten Südschiene platziert, sondern in einem fiktiven Turm. Und diverse Infrastruktur-Einrichtungen dazu. Wie den bereits erwähnten Hörsaal eben.

Wer dort allerdings Platz nehmen will, muss erst einmal in die Rolle eines so genannten Avatars schlüpfen, eines grafischen Stellvertreters des SL-Nutzers und beliebig zu gestalten, von der Kleidung bis zur Haarfarbe. Einzige Voraussetzung: Eine Zugangsberechtigung zum System, kostenlos zu erhalten beim amerikanischen Erfinder und Betreiber von Second Life, der Firma Linden Lab in San Francisco. Auf dem Weg zum Hörsaal im zweiten Obergeschoß erwarten den Avatar bereits verschiedene Facetten des Uni-Betriebs: Eine Eingangshalle mit Basis-Informationen, einen Präsentationsbereich für Forschungsergebnisse und eine Etage höher gibt es dann auch noch ein Versuchslabor. Nicht zu vergessen die Dachfläche mit einem Erholungsbereich samt Ausblick auf den virtuellen Schwarzwald.

Das allein freilich entspräche noch keinesfalls den Kriterien einer Bachelor-Arbeit. Bemerkenswert daran sind vielmehr die von Stefan Smischek programmierten Verknüpfungen und operativen Möglichkeiten: Der Start eines Uni-Videos und weiterer Präsentationen etwa, die Integration von E-Learning-Angeboten oder Links zu Webseiten und die variable Gestaltung des Hörsaals von der Möblierung und Beleuchtung bis zur Kommunikationstechnik.
Letztere ermöglicht auch die eingangs erwähnte Internet-Vorlesung, von Avatar zu Avatar sozusagen, aber immerhin im Originalton und mit Zwischenfragen aus dem Auditorium. Mit Bild- und Textunterstützung ebenfalls, versteht sich. "Das Ganze sieht recht verspielt aus", weiß Professor Wolfgang Minker, "aber das war eine sehr anspruchsvolle Arbeit". Auch mit praktischer Bedeutung für den Uni-Alltag? "Das ist schwer einzuschätzen", meint Stefan Smischek. Noch habe das System einige Mängel, die ausgeräumt werden müssten. "Sonst sehe ich schwarz."

Unabhängig davon plant der Betreuer seiner Arbeit schon eine Weiterentwicklung.

Sein Institut hat bereits eine Master-Arbeit ausgeschrieben, in deren Rahmen der virtuelle Uni-Auftritt mit automatischen Dialog-Systemen verknüpft werden soll, einem Forschungsschwerpunkt Minkers. Für Stefan Smischek ein interessanter Ansatz: "Für reine Website-Informationen ist Second Life eher ungeeignet, aber für die Kommunikation von Avataren untereinander ist es gut."

Weitere Informationen: Prof. Wolfgang Minker, Tel. 0731/50-26254 oder Stefan Smischek, Tel. 0179/7958580

Willi Baur | idw
Weitere Informationen:
http://www.secondlife.mfg-innovation.de/?p=36

Weitere Berichte zu: Avatar Life Second

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Cybersicherheit für die Bahn von morgen
24.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Schutz vor Angriffen dank flexibler Programmierung
22.03.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise