Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Finden statt Suchen - TU-Forscherinnen arbeiten an intelligenter www-Suchsoftware

11.01.2008
In einem Forschungsprojekt an der TU Darmstadt arbeitet ein Team von Informatikerinnen an Software-Werkzeugen, die dem Nutzer hilfreiche Antworten auf in natürlicher Sprache gestellte Fragen liefern soll. Dabei nutzen die Wissenschaftlerinnen das kollektive Wissen von Internet-Gemeinschaften, um Informationen mittels intelligenter Software im Internet zu finden.

"Was schützt meinen Computer vor Trojaner-Attacken?" oder "Wie finde ich einen guten Kindergarten?": Herkömmliche Suchmaschinen im Internet liefern oftmals tausende Webseiten auf eine Frage zurück. Darin die gesuchte Antwort zu finden bleibt dem Suchenden überlassen, eine zeitaufwändige, arbeitsintensive und unbeliebte Tätigkeit. Obwohl fast alle erwachsenen Internet-Nutzer Suchmaschinen benutzen, findet nur ein kleiner Teil die relevanten Informationen gleich beim ersten Suchversuch.

Kollaborativ erstellte Frage-Antwort-Plattformen im Web 2.0 sollen das ändern. In diesen Plattformen finden sich selbst auf schwierigste Fragen oft Antworten höchster Qualität. Die Popularität von Frage-Antwort-Plattformen, wie beispielsweise Yahoo!Answers, WikiAnswers oder AnswerBag, ist beachtlich. So zählt WikiAnswers mittlerweile mehr als eine Million Fragen, die in verschiedene inhaltliche Kategorien eingeteilt sind.

Doch die Suche nach Antworten in diesen Frage-Antwort-Wissensspeichern ist immer noch eine Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Zum einen macht es die schiere Menge an Informationen dem Nutzer extrem schwer, dort zu navigieren. Zum anderen werden inhaltlich identische oder sehr verwandte Fragen oft in unterschiedliche Worte gefasst und können deshalb mit herkömmlichen Suchmaschinenverfahren nicht gefunden werden.

In dem Forschungsprojekt wollen sich die Wissenschaftlerinnen des Ubiquitous Knowledge Processing (UKP) Lab an der TU Darmstadt dieser Herausforderung annehmen. Sie entwickeln intelligente Algorithmen im Bereich der automatischen Sprachverarbeitung, die unterschiedlich formulierte Fragen mit ähnlicher Bedeutung in den Frage-Antwort-Plattformen automatisch aufspüren.

Existiert bereits eine Antwort auf die gestellte Frage, wird diese dem Fragesteller unmittelbar angezeigt. Sollte eine Frage noch nie beantwortet worden sein, werden elektronische Dokumente im Internet durchsucht, um die Antworten dort aufzuspüren. Dabei werden verschiedene Wörter, die das Gleiche bedeuten, auf einen Suchbegriff abgebildet. Fragt etwa der Suchende nach "einem Programm, um den Computer vor Viren zu schützen", werden relevante Dokumente zurückgeliefert, die den Begriff "Antiviren-Software" enthalten.

Um die menschliche Sprachintelligenz nachzubilden, werten die Darmstädter Forscherinnen kollaborativ erstellte Web 2.0-Wissensquellen automatisch aus, wie die Online-Enzyklopädie Wikipedia oder das multilinguale Wörterbuch Wiktionary und machen das daraus destillierte Wissen den Sprachanalyseprogrammen zugänglich.

Ihren ersten Praxistest soll die neue Software im computerbasierten Lehren und Lernen bestehen. In der universitären und berufsbegleitenden Ausbildung ist das Problem der Informationsrecherche besonders akut - die Lernmaterialen unterliegen ständigen Veränderungen. Die Suche nach Antworten ist extrem aufwändig, der Zugriff auf den Wissensstoff ist erschwert, und Lehrveranstaltungen bieten oft wenig Raum, um Fragen persönlich zu stellen.

Das vor wenigen Monaten begonnene Projekt wird von der Computerlinguistin Dr. Iryna Gurevych geleitet. Die 31-Jährige Wissenschaftlerin ist Leiterin des UKP Labs am Fachbereich Informatik der TU Darmstadt und wissenschaftliche Direktorin des Forschungsschwerpunkts "E-Learning" an der TU Darmstadt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt die junge Wissenschaftlerin im Rahmen des Emmy Noether-Programms zur Förderung von exzellenten Nachwuchswissenschaftlern für die Dauer von fünf Jahren. Das Projektteam besteht übrigens ausschließlich aus Frauen - mehr als ungewöhnlich in einem technischen Fach und ganz im Sinne des Förderprogramms, das nach der deutschen Mathematikerin und Physikerin Emmy Noether benannt wurde.

Das UKP Lab zählt mittlerweile insgesamt zehn wissenschaftliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und bearbeitet eine Reihe von anspruchsvollen Forschungsprojekten. Zudem wurde die Gruppe kürzlich für ihre Forschungsarbeiten im Bereich des Sprachverstehens mit dem prestigeträchtigem "IBM UIMA Innovation Award" geehrt.

Jörg Feuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.ukp.tu-darmstadt.de/projects/qael/

Weitere Berichte zu: Frage-Antwort-Plattform Suchmaschine UKP WikiAnswers

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Sicheres Bezahlen ohne Datenspur
17.10.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Saarbrücker Forscher erstellen digitale Objekte aus unvollständigen 3-D-Daten
12.10.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie

Ostfalia forscht an Ultraleichtflugzeug mit Elektroantrieb

19.10.2017 | Verkehr Logistik