Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bargeldlos parken

01.08.2011
Jedes fahrende Auto hat nur ein einziges Ziel – einen freien Parkplatz. Die Suche nach demselben ist oftmals ebenso lästig wie das Kramen nach Kleingeld für das Parkticket und der Gang zum Kassenautomaten. Ein selbstklebender Chip an der Frontscheibe macht damit Schluss: Er ermöglicht künftig bargeldloses Parken.

Langsam rollt das Auto auf die Parkhausausfahrt zu, die Schranken öffnen sich automatisch – ohne dass der Fahrer die Scheibe herunterkurbeln und das Parkticket entwerten muss. Möglich macht‘s ein kleiner RFID-Chip an der Innenseite der Windschutzscheibe.


Der RFID-Chip wird an der inneren Windschutzscheibe angeklebt. Er misst nur 1,5 x 10 Zentimeter. (© motionID technologies)

Ein Lesegerät an den Decken über den Ein- und Ausfahrten liest den selbstklebenden, gerade einmal 1,5 x 10 Zentimeter großen Folientransponder aus und erfasst die Pkw-Parkzeiten. Die Gebühren werden bargeldlos abgerechnet, das Geld über ein Online-Konto abgebucht. VIATAG heißt dieses RFID-System, das die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund für das Münchner Unternehmen motionID technologies entwickelt haben.

»Das Warten vor dem Kassenautomaten, die Suche nach dem Kleingeld oder gar der Ticketverlust – all das gehört der Vergangenheit an. Der Autofahrer spart Zeit und gewinnt an Komfort«, lobt Projektleiter Arnd Ciprina vom IML die Vorzüge des Systems. Aber auch die Parkhausbetreiber profitieren: Zum einen lassen sich die Kosten zum Erfassen und Abrechnen der Parkzeiten verringern. Andererseits können sie ihre bestehenden Systeme parallel zur neuen Lösung weiterhin nutzen.

Bei VIATAG handelt es sich um eine passive RFID-Lösung, der Chip kommt also ohne Batterie aus. Er bezieht seine Energie aus dem elektromagnetischen Feld des Lesegeräts. Die Funkdaten werden im Ultrahochfrequenzbereich (UHF) übermittelt, dabei kann die Reichweite zwischen Transponder und Lesegerät bis zu acht Meter betragen. Jeder Chip ist mit einem zwölfstelligen Code versehen, so wird jedes Auto beim Durchfahren der Ein- und Ausfahrten identifiziert, die Gebühren werden im Hintergrund online verrechnet. Eine Datenbank-Applikation, die auf einem zentralen Server läuft, steuert die Bezahlvorgänge. Der Kunde behält jederzeit den Überblick über die Abbuchungen, er kann sie – wie beim Online-Banking – über eine Webanwendung verfolgen. Eine Übersicht der Parkvorgänge inklusive Parkzeit und -gebühr lässt sich als Teil- oder Gesamtrechnung ausdrucken. Die Abrechnung erfolgt per Sammelbuchung jeweils am Monatsende.

Bedenken, dass jemand die Daten ausliest, hat Ciprina nicht. »Auf dem Chip werden keine persönlichen Daten gespeichert. Der zwölfstellige Code ist verschlüsselt, so dass Dritte die Identifikationsnummer keinem Nutzer zuordnen können.« Auch der Diebstahl des Folientransponders lohnt sich nicht: Beim Ablösen des Aufklebers von der Scheibe zerstört dieser sich selbst und ist nicht mehr wiederverwendbar.

Erste mehrere Wochen dauernde Praxistests hat VIATAG erfolgreich bestanden. In Essen, Duisburg und München sind bereits öffentliche Parkhäuser mit dem System ausgestattet. Die Forscher vom IML und die Firma motionID technologies hoffen nun, dass möglichst viele Parkhausbetreiber die Lösung unterstützen. Auch andere Branchen dürften sich für das berührungs- und bargeldlose Bezahlsystem interessieren: Für Autobahnraststätten, Tankstellen, Drive-in-Kinos und -Restaurants, Autowaschanlagen oder die Rückgabe von Mietwagen eigne sich die automatische Abbuchung ebenso, so Ciprina. Der RFID-Chip kann unter www.viatag.eu bestellt werden.

Arnd Ciprina | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010-2011/20/bargeldlos-parken.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Schutz vor Angriffen dank flexibler Programmierung
22.03.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Störungsfreie Kommunikation für die Fabriken von morgen
22.03.2017 | Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie