Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Automatisches Testverfahren für Apps von Smartphones und Tablet-Rechnern

01.03.2013
Bei vielen sogenannten Apps haben Entwickler und Unternehmen nur unzureichend sichergestellt, dass die Mini-Programme auch wirklich funktionieren.
Informatiker der Universität des Saarlandes arbeiten daher an einer Software, die Apps des Betriebssystems Android automatisch testet. Wie sie mit dieser Methode sogar bei beliebten und weit verbreiteten Apps auf Fehler stoßen, zeigen die Forscher ab 5. März am saarländischen Forschungsstand (Halle 9, Stand F34) auf der Computermesse Cebit in Hannover. Ein Roboterarm klickt sich dort symbolisch durch alle möglichen Apps und macht die Fehlerquote sichtbar.

Täglich wird das Smartphone-Betriebssystem Android aus dem Hause des Softwarekonzerns Google auf mehr als 1,3 Millionen mobilen Endgeräten neu installiert. Unzählige Mini-Programme folgen aus dem Google Play Store. Diese funktionieren jedoch nicht immer zu 100 Prozent. „Es ist traurig, dass der Google Play Store aufgrund der fehlenden Qualitätskontrolle für Apps die Option einräumen muss, eine App 15 Minuten nach ihrer Installation wieder zurückzunehmen, wenn Funktionsfehler auffallen“, schrieb ein neuseeländischer Entwickler bereits im vergangenen Jahr. Ein Analyst bezeichnete Android sogar als den „wilden Westen der Apps“. In diesen wollen die Saarbrücker Informatiker Gesetz und Ordnung bringen. „Unglücklicherweise sind Apps so komplex, dass es sehr zeitaufwendig und auch schwierig ist, die meisten der Programmierfehler zu finden“, erklärt Konrad Jamrozik, Doktorand am Saarbrücker Lehrstuhl für Softwaretechnik.

Durch das automatische Testen von Apps schützen Informatiker der Saar-Uni Anwender vor bösartigen und fehlerhaften Miniprogrammen.
bellhäuser - das bilderwerk

Zusammen mit seinen Forscher-Kollegen Florian Groß und Professor Andreas Zeller hat er eine Software namens “Droidmate” entwickelt, die Android-Apps automatisch testet. „In Zukunft sollen damit Entwickler mit minimalem Aufwand die maximale Gewissheit erreichen, dass ihre App funktioniert“, sagt Jamrozik. Droidmate simuliert dazu für die zu testende App einen Anwender. Dieser führt unermüdlich alle möglichen Bedienschritte aus. Noch ist dies das Tippen auf diverse virtuelle Tasten, bald jedoch soll auch schon das Wischen über die berührungsempfindliche Anzeige getestet werden.

Dabei setzt Droidmate neuartige Rechenverfahren ein. Neben der Modellierung von graphischen Benutzerschnittstellen gehören dazu auch genetische Algorithmen. „Diese funktionieren ähnlich wie die biologische Evolution. Eine Menge von Testfällen wird zufällig erzeugt. Daraus werden diejenigen ausgewählt, die sinnvoll erscheinen. Das System verändert sie geringfügig und kombiniert sie miteinander, um eine neue Generation von Benutzereingaben zu erzeugen“, erläutert Florian Groß. Diese und folgende Generationen müssen dann ebenfalls Auslese und neue Kombinationen über sich ergehen lassen. Dabei stellen die Forscher über eine spezielle Optimierungsfunktion sicher, dass ein möglichst großer Teil des Programmes getestet wird. Aufgedeckte Fehlfunktionen werden an den Entwickler weitergegeben.

Neben dem Testen sieht Jamrozik eine weitere Anwendung von Droidmate darin, den Apps, die Benutzerdaten ausspionieren, das Handwerk zu legen. Auch könne man Muster bei fehlerhaften Apps definieren und diese gleich zum Testen ähnlicher Apps benutzen. „Nahezu alle Interaktionen der jeweiligen App zu erfassen, kann auch als Grundlage dienen, um automatisch eine Spezifikation zu generieren“, erklärt Jamrozik. Der Prototyp funktioniert bereits für bekannte Apps mit vereinfachten Algorithmen. Diesen präsentieren die Forscher jetzt auf der Cebit. Dabei assistiert ihm ein Roboterarm, der auf einem Tablet-PC Apps bedient. Er ist jedoch nur Show für die Messebesucher. Die Software der Forscher braucht keinen Arm, sondern nur die jeweilige App als Eingabe.

Fragen beantworten:

Konrad Jamrozik
Lehrstuhl für Softwaretechnik
jamrozik@st.cs.uni-saarland.de
Tel.: 0681 302 70978
Florian Groß
Lehrstuhl für Softwaretechnik
fgross@st.cs.uni-saarland.de
Tel.: 0681 302-70143
Redaktion:
Gordon Bolduan, Wissenschaftskommunikation
Exzellenzcluster „Multimodal Computing and Interaction"
Tel.: 0681 302-70741
Stand-Telefon Cebit: 0511 8949-7024
E-Mail: bolduan@mmci.uni-saarland.de

Der saarländische Forschungsstand wird von der Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer der Universität des Saarlandes (KWT) betreut. Sie ist zentraler Ansprechpartner für Unternehmen. Info: www.uni-saarland.de/kwt

Friederike Meyer zu Tittingdorf | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.st.cs.uni-saarland.de/droidmate/
http://www.uni-saarland.de/pressefotos

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Laseroptisches Durchflussnormal für Heißwasser
28.04.2016 | Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

nachricht Mikrostrukturierung von OLED mit Elektronenstrahltechnik
27.04.2016 | Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Winzige Mikroroboter, die Wasser reinigen können

Forscher des Max-Planck-Institutes Stuttgart haben winzige „Mikroroboter“ mit Eigenantrieb entwickelt, die Blei aus kontaminiertem Wasser entfernen oder organische Verschmutzungen abbauen können.

In Zusammenarbeit mit Kollegen in Barcelona und Singapur verwendete die Gruppe von Samuel Sánchez Graphenoxid zur Herstellung ihrer Motoren im Mikromaßstab. D

Im Focus: Tiny microbots that can clean up water

Researchers from the Max Planck Institute Stuttgart have developed self-propelled tiny ‘microbots’ that can remove lead or organic pollution from contaminated water.

Working with colleagues in Barcelona and Singapore, Samuel Sánchez’s group used graphene oxide to make their microscale motors, which are able to adsorb lead...

Im Focus: Bewegungen in der lebenden Zelle beobachten

Prinzipien der statistischen Thermodynamik: Forscher entwickeln neue Untersuchungsmethode

Ein Forscherteam aus Deutschland, den Niederlanden und den USA hat eine neue Methode entwickelt, mit der sich Bewegungsprozesse in lebenden Zellen nach ihrem...

Im Focus: Faszinierender Blick in den Zellkern

Veröffentlichungen in Nature Communications zur DNA-Replikation

Vor jeder Zellteilung muss die Erbsubstanz kopiert werden. Die Startpunkte der DNA-Verdoppelung in Zellen von Menschen und Mäusen haben Wissenschaftler um...

Im Focus: Dauerbetrieb der Tokamaks rückt näher

Aussichtsreiche Experimente in ASDEX Upgrade / Bedingungen für ITER und DEMO nahezu erfüllt

Die ihrer Natur nach in Pulsen arbeitenden Fusionsanlagen vom Typ Tokamak sind auf dem Weg zum Dauerbetrieb. Alexander Bock, Wissenschaftler im...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

VDE|DGBMT veranstaltet Tagung zur patientennahen mobilen Diagnostik POCT

28.04.2016 | Veranstaltungen

Norddeutsche Herztage: 300 Experten treffen sich in Kiel

28.04.2016 | Veranstaltungen

Landwirtschaft und Lebensmittel - Analytische Chemiker: Wächter über Umwelt und Gesundheit

28.04.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

SmartF-IT passt Produktionsprozesse flexibel an

29.04.2016 | Informationstechnologie

Neue Entdeckung im Kampf gegen Krebs: Tumorzellen stellen Betrieb um

29.04.2016 | Biowissenschaften Chemie

Fettreiche Ernährung lässt Gehirn hungern

29.04.2016 | Biowissenschaften Chemie