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Ausbau von hochleistungsfähigen Breitbandnetzen erfordert Risikoteilung und einen neuen Regulierungsrahmen

16.04.2010
  • Traditioneller Regulierungsrahmen ungeeignet zum Ausbau neuer hochleistungsfähiger Glasfasernetze
  • Risikoteilung durch Kooperationen können Investitionen in Glasfasernetzwerke stimulieren und zu günstigen Angeboten für die Endverbraucher führen
  • Regulierungsrahmen sollte solche Kooperationen erlauben und frühzeitig Planungssicherheit schaffen

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Die Telekommunikationsindustrie in Europa steht gegenwärtig vor einem technologischen Umbruch. Moderne hochleistungsfähige Glasfasernetze (Next Generation Access, NGA) erlauben künftig erheblich größere Bandbreiten.


Ermöglicht werden damit neue anspruchsvolle Dienste wie multipler HDTV-Empfang, high-end und interaktives Entertainment, 3D-Anwendungen, vernetztes Leben und Arbeiten, Cloud Computing etc. Die unabhängige wissenschaftliche Studie "NGA: Access Regulation, Investment and Welfare" der ESMT Competition Analysis (CA) untersucht die optimalen regulatorischen Rahmenbedingungen zum Ausbau der NGA-Netze. Das Forschungsprojekt wurde finanziell durch die Deutsche Telekom unterstützt.

"Der traditionelle Regulierungsrahmen bezieht sich vor allem auf das bestehende Kupfer-Telekommunikationsnetz. Für den flächendeckenden Ausbau neuer Glasfasernetze erweist er sich jedoch als nicht förderlich, da deren wirtschaftlicher Erfolg unsicher ist und Investitionsanreize geschaffen werden müssen", erläutert Dr. Rainer Nitsche, Autor der Studie und Geschäftsführer der ESMT CA. Bisher zwingt der Regulierungsrahmen Investoren grundsätzlich dazu, ihre Netze Wettbewerbern zu kostenbasierten Zugangsbedingungen zu öffnen. Dies fördert den Markteintritt solcher Unternehmen, die nicht investieren.

Allerdings macht es gerade den Aufbau der neuen Netze wenig attraktiv, da dieser mit erheblichen Risiken verbundenen ist. Ist das neue Netz nämlich ein wirtschaftlicher Erfolg, muss der Investor seinen Wettbewerbern Zugang zu Bedingungen gewähren, die das getragene Investitionsrisiko nicht reflektieren. Stellt sich der Bau hingegen als Misserfolg heraus, so trägt der Investor die Investitionsverluste allein. Wie die Studie zeigt, entstehen hierdurch Trittbrettfahrereffekte, die Investitionen zum Nachteil der Endverbraucher zurückdrängen.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie basieren auf einer fundierten modellbasierten Untersuchung der wettbewerbsökonomischen Implikationen verschiedener Regulierungsregime hinsichtlich ihrer Wirkung auf NGA-Investitionsanreize und gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt. Die Analyse der alternativen Rahmenbedingungen zeigt: Für den mit Unsicherheiten behafteten Ausbau von NGA-Netzen ist das traditionelle Regulierungsregime allen praktikablen anderen Systemen unterlegen, jedoch besser als gar keine Regulierung (sog. "Regulierungsferien"). Das Risiko und die Zugangsbedingungen unter den Unternehmen zu verteilen, stellt sich dabei hingegen als geeignetste Möglichkeit heraus. Eine Option sind - bereits angestoßene - Modelle zur Risikoteilung. "Wettbewerber wie beispielsweise die Deutsche Telekom und Vodafone können sich gemeinsam für den Netzwerkausbau in einer bestimmten Region engagieren, konkurrieren danach aber um Endkunden wie bisher", erklärt Co-Autor Dr. Lars Wiethaus, Manager der ESMT CA. Das fördere nicht nur den Ausbau, sondern erzeuge auch anschließend einen hohen Wettbewerbsdruck unter den Anbietern.

Es ist im Vorfeld der Investition zu klären, ob derartige Vertrags- und Geschäftsmodelle rechtlich und regulatorisch zulässig sind und ob eine Regulierungsbedürftigkeit in einer bestimmten Region überhaupt gegeben ist. Diese Sicherheit schafft einen längeren Planungshorizont und hilft sowohl Investoren als auch Zugangsnachfragern.

Mehr Informationen, die Studie sowie eine Zusammenfassung auf deutsch und englisch finden Sie unter:
http://www.esmt.org/info/latest
http://www.esmt.org/eng/consulting/research-and-publications/

Pressekontakt:
Farhad Dilmaghani; Tel.: +49(0)30 21231-1042; farhad.dilmaghani@esmt.org
Kristin Dolgner, Tel.: +49 (0)30 21 231-1066, kristin.dolgner@esmt.org

Über ESMT Competition Analysis
ESMT Competition Analysis GmbH (ESMT CA) ist die Beratungsfirma der ESMT, die forschungsnahe Beratungen und Untersuchungen in den Bereichen Wettbewerbspolitik und Regulierung anbietet. ESMT CA hat rund 15 Mitarbeiter aus sechs Ländern - viele mit Berufserfahrung aus den führenden, internationalen Wettbewerbsbehörden. Seit 2009 gehört ESMT CA laut "Global Competition Review" als einzige deutsche Beratung zu den 20 führenden internationalen wettbewerbsökonomischen Beratungen, den "Economics 20".

Über ESMT
ESMT European School of Management and Technology wurde im Oktober 2002 auf Initiative 25 führender globaler Unternehmen und Verbände gegründet. Die internationale Business School bietet Vollzeit- und berufsbegleitende Executive MBA-Programme, Management-Weiterbildung, maßgeschneiderte Programme für Unternehmen und forschungsbasierte Beratung für die Bereiche Wettbewerbspolitik und -regulierung. ESMT ist eine staatlich anerkannte private wissenschaftliche Hochschule mit Sitz in Berlin und einem weiteren Standort in Schloss Gracht bei Köln

Kristin Dolgner | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.esmt.org

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