Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Auge als Spiegel der wahren Gefühle

17.05.2010
Nationaler Forschungsschwerpunkt IM2: von der Forschung zur Anwendung

Das Start-up-Unternehmen nViso entwickelt im Rahmen des Nationalen Forschungsschwerpunkts (NFS) «IM2 – Interaktives multimodales Informationsmanagement» ein System, das durch die Analyse von Gesichtsausdruck und Augenbewegungen Emotionen erkennt. Ziel der Forschenden ist es, innovative Lösungen im Marketingbereich zu entwickeln.

Unser Körper kann manchmal etwas vollkommen anderes ausdrücken als das, was wir mit Worten sagen. «Die Analyse der nonverbalen Kommunikation hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht», erklärt Jean-Philippe Thiran, Professor am Laboratorium für Signalverarbeitung an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Lausanne. «Am NFS IM2 entwickeln wir insbesondere Technologien, die in der Lage sind, Mimik und Augenbewegungen zu erkennen.»

Dabei handelt es sich vornehmlich um Computermodelle, die mit Hilfe einer Datenbank gespeicherter Gesichter in der Lage sind, mittels einer Kamera zunächst verschiedene Bereiche eines Gesichts zu identifizieren, das Gesicht als solches zu erkennen und schliesslich die Veränderungen des Gesichts in Raum und Zeit zu verfolgen und diese Veränderungen bestimmten Gesichtsausdrücken zuzuordnen.

«Der Grossteil dieser Analyse erfolgt durch Berechnungen zu den verschiedenen Winkeln und zu den unterschiedlich gefärbten Bereichen eines Gesichts», präzisiert Jean-Philippe Thiran weiter. Die Augen sind ein wesentliches Element dieses Identifikationsprozesses, der in seiner ausgefeiltesten Form auch in der Lage ist, die Pupillen zu erkennen und Informationen über die Blickrichtung zu liefern.

Einsatzmöglichkeiten im Marketing
Eine solche Analyse des Gesichtsausdrucks bietet eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten. Matteo Sorci, 36, hat unmittelbar nach dem Abschluss seiner von Jean-Philippe Thiran betreuten Dissertation im vergangenen Jahr das Start-up-Unternehmen nViso mitgegründet. Seine Geschäftsidee: die Entwicklung technischer Systeme, die durch Gefühle hervorgerufenen Gesichtsausdrücke erkennen können. «Wir haben festgestellt, dass hierfür erhebliche kommerzielle Einsatzmöglichkeiten bestehen, insbesondere im Marketingbereich.»

Das erste von nViso entwickelte Produkt ermöglicht es, mithilfe einer einfachen Webcam - also einem letztlich anspruchslosen optischen Gerät - die Gesichtsausdrücke von Konsumenten beim Ausfüllen eines Marketingfragebogens über das Internet zu analysieren, um die geschriebenen von den nonverbalen Antworten unterscheiden zu können.

Nun folgt der nächste Schritt hin zu einer weiteren Anwendung: «Diese soll – wieder mit Hilfe einer Webcam – nicht nur die Emotionen erkennen, sondern auch durch die Beobachtung der Blickrichtung feststellen, welcher Bildschirmbereich diese Reaktion hervorgerufen hat. Unsere Anwendung gewinnt noch einmal deutlich an Nutzen, wenn es uns gelingt, präzise festzustellen, welchen Teil des Bildschirms die Augen fixieren.»

Eine Frage bleibt: Gibt es keine ethischen Bedenken, derartige Informationen zu Marketingzwecken zu erheben? Jean-Philippe Thiran kann solche Bedenken nachvollziehen, wendet aber ein: «Die Forschenden entwickeln die Technologien. Die Gesellschaft hat es dann in der Hand festzulegen, wie sie sie einsetzen möchte. Als Bürger kann ich nur hoffen, dass diese Technologie höchst transparent eingesetzt wird.»

Kontakt
Jean-Philippe Thiran
ETH Lausanne
ELD 240
Station 11
CH-1015 Lausanne
Tel. +41 (0)21 693 46 23
E-Mail: jean-philippe.thiran@epfl.ch
Nationale Forschungsschwerpunkte (NFS) «IM2 – Interaktives Multimodales Informationsmanagement»

Die Forschenden des NFS IM2 möchten die Forschung im Bereich der inaktiven multimodalen Informationssysteme voranbringen und Prototypen dort entwickeln, wo es zur Interaktion zwischen Mensch und Maschine kommt. Speziell betrachten sie die Technologien, die die natürlichen Eingabemethoden (z. B. Sprache, Stift, Berührung, Gesten, Kopf- und Körperbewegungen) mit den multimedialen Ausgabesystemen (z. B. Sprache, Audio, Bilder, 3D-Graphiken und Animationen) koordinieren.

Im Rahmen der konjunkturellen Stabilisierungsmassnahmen des Bundes hat der NFS für das Start-up-Unternehmen nViso 150 000 Franken erhalten, um innovative Anwendungen für die Wirtschaft zu entwickeln.

Presse- und Informationsdienst SNF | idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch
http://www.im2.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Cybersicherheit für die Bahn von morgen
24.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Schutz vor Angriffen dank flexibler Programmierung
22.03.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE